Kapitel 10

Mother – I

verfasst: 18.06.2019

Sie spürte die Sonne, kraftvoll und heiss auf ihrer Haut. Aber es tat gar nicht weh, im Gegenteil, es war angenehm.

Auch der Boden unter ihr, welcher sich wie weichkörniger Sand anfühlte, war von wohliger Wärme. Die Strahlen durchdrangen ihre geschlossenen Lieder. Sie versuchte sie zu öffnen, doch es gelang ihr nicht. Ebenso konnte sie sich nicht bewegen, ihr Körper fühlte sich so schwer an wie Blei. Sie hörte Möwen kreischen und das Rauschen von Wellen. Eine sanfte Briese trug den salzigen Geruch des Meeres zu ihr hinüber. Auf einmal fuhr eine raue Zunge, mehrmals über ihr Gesicht. Es kitzelte! Endlich schaffte es Dakaria, ihre Augen zu öffnen…

„Igor?“ brachte sie überrascht über ihre Lippen, ihre Stimme war rau und kratzig. Der Hund wedelte wie verrückt mit seiner Rute und versuchte weiterhin ihr Gesicht abzulecken. „Ist ja gut, ist ja gut!“ kicherte sie und hatte seinetwegen alle Mühe sich aufrecht hinzusetzen.

Als die junge Vampirin dann doch endlich schwankend auf die Beine kam, sprang der kleine Vierbeiner aufgeregt an ihr hoch und bellte, bis sie ihn hochhob und fest in ihre Arme schloss. Zu sehen dass er wohlauf war, zersprengte beinahe ihr Herz vor Freude!

Sie hatte ihm doch die Todesspritze gesetzt? War alles nur ein Traum gewesen? Nachdem sich der kleine Hund wieder beruhigt hatte, setzte sie ihn zurück auf den Boden und tätschelte sein, von der Sonne aufgeheiztes Fell, „braver Junge!“   

Dann blickte sie sich erstaunt um, während Igor treu neben ihr Sitz machte. Was für eine Aussicht! Es hätte nicht schöner sein können! Strand und Meer soweit das Auge reicht. Die Wellen schlugen mit gleichmässigen Abständen an die Felsen. Inmitten des türkisen Wassers befand sich eine kleine Insel mit einem Leuchtturm.

Daka streckte ihre Zehen in den weichen Sand, spielte damit, während der Wind mit ihrem langen Kleid spielte. Sie zog die warme Luft tief in sich ein, es fühlte sich gut an... Sie fühlte sich gut und glücklich. So glücklich wie schon lange nicht mehr.

Geniesserisch legte sie den Kopf in den Nacken und blinzelte in die Sonne. Kein Wölkchen trübte den Himmel. Sie hob ihren Arm, betrachtete ihn verwundert… Wieso brannte er nicht? Normalerweise müsste ihr Körper doch schon längst in Flammen aufgegangen sein?

„Sul!“ unterbrach eine weibliche Stimme jäh ihre Gedanken, „was fällt Ihnen denn ein! Nehmen Sie gefälligst Ihren Hund an die Leine! Bartolomew A. Junior hat Angst und die Wildtiere fühlen sich bedroht!“ Hinter Dakaria, in einiger Entfernung auf dem Gipfel einer Düne, stand eine Simin mit roten Harren und blickte finster zu ihnen hinunter.

Daka kniff die Augen zusammen, war das nicht die verrückte Katzenlady aus Brindleton Bay? Und Moment… hatte sie tatsächlich eine Katze auf dem Arm? Wer bitte bringt eine Katze mit zum Strand?!

Die Vampirin wechselte mit Igor einen kurzen Blick, der immer noch ganz gehorsam neben ihr sass und keine Anstalten machte, irgendwelchen verhätschelten Katern oder Wildtieren hinterherzujagen. Doch als Dakaria wieder zu der Simin und ihrem Stubentiger aufblickte, waren sie… verschwunden! Was zum…?! Ok scheinbar tat ihr die Sonne doch nicht so gut…

Wieder schaute sie sich um. So schön das alles hier auch war, machte sich nun langsam Unruhe in ihr breit. Irgendetwas schien ihr an diesem Ort nicht ganz koscher zu sein. Wieso war sie überhaupt hier? Und wie war sie hierhergekommen? War sie nicht eben noch bei sich Zuhause gewesen? Hatte diese fremde Vampirin mit den roten Augen ihr nicht die Hand unter unsäglichen Schmerzen in die Brust gestossen, um ihr das Herz auszureissen? Mit einem spitzen Schrecklaut sah Dakaria an sich herab und fasste sie sich mit beiden Händen an den Brustkorb. Aber da war… nichts. Kein Schmerz, keine Verletzung und kein Blut. Das weisse Kleid strahlte in seiner ganzen Pracht. War auch das nur ein böser Traum gewesen? Auf einmal sprang Igor auf und sie spürte eine Hand auf ihrer nackten Schulter…

Beinahe zu Tode erschrocken fuhr sie herum und weitete ihre Augen: „Oh mein Gott!“ brach es aus ihr heraus. „Entschuldigung, ich wollte Sie nicht erschrecken!“ Heftig schüttelte Daka den Kopf und atmete erleichtert auf, „nein… es ist nur… ich hätte Sie so… beinahe nicht wiedererkannt…“ verstohlen musterte sie ihn von oben bis unten, während der Hund freudig an seinem Herrchen hochsprang. „Ach, Sie meinen wegen dem Hut?“ fragte der Sim lächelnd und sah zu ihr hoch, als er Igor kraulte. „Ähm… ja… auch.“ gestand Dakaria und musste gegen ihren Willen selbst schmunzeln, „ich habe Sie bisher nur… im Regenmantel gesehen.“

Darauf lachte er, als hätte sie einen grossartigen Witz gemacht und erwiderte: „Naja, im Regenmantel lässt es sich nicht besonders gut schwimmen.“ Er richtete sich auf und sah sie herausfordernd an: „Was ist mit Ihnen?“„Was… soll mit mir sein?“„Na, haben Sie vor in diesem langen Fetzen schwimmen zu gehen?“ Mit einer verspielten Geste zeigte er auf ihr Kleid.

Daka krauste die Stirn, sie hatte doch überhaupt nicht vor schwimmen zu gehen? „Schade. Das Wasser ist wunderbar. Sie werden es bereuen!“ meinte er, als ob er ihre Gedanken gelesen hätte. Zwinkernd wandte er sich von ihr ab, lief mit federndem Gang und gefolgt von seinem Hund hinunter zum Wasser. „Falls Sie es sich anders überlegen, ich werde nicht hinsehen, versprochen!“ rief er über die Schulter hinweg und obwohl sie sein Gesicht nicht sehen konnte, wusste Dakaria, die ein paar Sekunden brauchte um zu begreifen was er damit meinte, dass er breit grinste.

Ihr Lächeln erstarb. Wie bitte? Entrüstet schaute sie an sich herab. Das hätte er wohl gerne?! Was erlaubte der sich eigentlich?! Doch als sie wieder aufsah, Luft holte um ihm ordentlich die Meinung zu geigen, waren weder er noch Igor zu sehen… Die Brünette erstarrte vor Schreck. Erst dachte sie, die beiden wären von einer Welle oder so verschluckt worden… aber nein, es war wie bei Mrs. Lynx, die sich vorhin scheinbar einfach so in Luft ausgelöst hatte! Was zu Hölle war hier los?!

Dann änderte sich das Wetter auf einen Schlag.

Mit brachialer Gewalt peitschte ein Orkanähnlicher Wind über den Strand und türmte hohe Wellen auf dem Meer auf. In Sekundenschnelle hatten dunkle Wolken den Himmel vollkommen bedeckt, wo er doch gerade noch in hellem blau erstrahlte.

Regen begann in Strömen niederzufallen. Der Blitz schlug nicht wiet von ihr ins Wasser ein, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Donnergeroll. Dakaria zuckte zusammen, viel mehr aber, weil plötzlich jemand nach ihr rief.

Es war die Stimme von: „Lucas?!“ Daka musste beinahe schreien um das Untwetter zu übertönen, „was geht hier vor sich?!“„Ich hab dir Kaffee mitgebracht.“ sagte er mit ausdrucksloser Miene und einem monotonen Tonfall. Der apokalyptische Sturm schien ihn nicht im Geringsten zu beunruhigen. Verwundert starrte die Vampirin auf den Kaffeebecher den er in der rechten Hand hielt. Und als sie ihm wieder ins Gesicht blickte, wich sie instinktiv zurück.

Es war zu einer von Wut und Feindseligkeit gezeichneten Maske geworden! „Lucas! Was… ist los?“ wagte sie es kaum zu fragen. „Vampire.“ antwortete er mit so viel Hass dass es ihr die Nackenhaare zu Berge stehen liess. „Sie haben mein Leben zerstört. Aber ich werde mich rächen.“ Ihr Puls beschleunigte unmittelbar. Welche Vampire? Und was meinte er mit Leben zerstört und sich rächen? Doch dann, auf abstruser Weise verwandelte sich der Kaffeebecher in seiner Hand in sowas wie einen… einen Holzpflock!

Der Sim holte aus und rammte ihr das spitze Holzstück mit einer solchen Wucht und Schnelligkeit – wie es ihm eigentlich nicht hätte möglich sein dürfen – in die Brust. Sie hatte keine Chance zu reagieren, der Pfahl mitsamt Hand waren im Nu in ihrem Oberkörper verschwunden! Die junge Vampirin gab einen qualvollen Schmerzlaut von sich, griff verzweifelt und nach Atem ringend mit beiden Händen nach seinem Arm, versuchte ihn aus sich herauszuholen, doch sie schaffte es nicht, Lucas war stark. Viel stärker als sie! Sein Gesicht blieb kalt und gefühllos, als sie gegen den Tod ankämpfte und das Blut nur so aus ihrem Mund rann.

Aber dann veränderte sich plötzlich alles an Lucas. Seine Haare, sein Gesicht, die Augen… sie waren nicht mehr himmelblau, sie waren feuerrot! Und sein plötzliches, boshaftes Lachen entblösste zwei schneeweisse Spitzzähne. Nur langsam begriff die sterbende Vampirin dass es nicht mehr Lucas war der vor ihr stand und sie gerade pfählte, es war die Unbekannte! Mit einer rüden und blitzschnellen Bewegung riss sie ihren Unterarm aus Dakarias Brustkorb heraus…

Daka hörte ihren eigenen Herzschlag laut in ihren Ohren pochen. Sie schlug die Lieder auf und schaute direkt in zwei Dämonen artige, schwarze Augen. Erschrocken fuhr sie hoch und hätte sich beinahe den Kopf mit dem zungenlosen Vampir gestossen, der sich über sie gebeugt hatte. Heftig atmend schaute sie sich um und stellte fest, sie befand sich wieder in ihrem Häuschen.

Neben dem Cheminée stand die Silberhaarige Vampirin und hielt entweder Snuggs oder Squee auf dem Arm, so genau wusste es Daka nicht, da selbst sie die beiden kaum auseinanderhalten konnte. „Was für ein schöner Pelz.“ murmelte die Fremde, während sie mit gleichmässigen Bewegungen über den Rücken des Tieres strich, „würde eine warme Kopfbedeckung oder einen eleganten Schal abgeben.“ Dakaria stand langsam vom Boden auf, ignorierte den Dunklen der ihr seine Hilfe anbot, obschon sie Mühe hatte. Ihr war schwindelig, das Shirt blutverschmiert, aber das  Faustgrosse Loch in ihrer Brust zum Glück wieder vollständig zugewachsen.

„Nehmen Sie sofort Ihre Finger von meinem Waschbären!“ verlangte die Brünette mit zusammengekniffenen Augen und spannte jeden Muskel ihres Körpers an, „sonst werde ich sie Ihnen allesamt brechen!“ Die Rotäugige verzog ihre Lippen einen Momentlang zu einem undefinierbaren Grinsen. Schliesslich bückte sie sich und liess das Tierchen von ihrem Arm springen. Kaum war das geschehen, nahm Dakaria einen gewaltigen Satz über Couch und Tisch.

Doch wieder ging der Angriff fehl. Die Silberhaarige wehrte die auf sie zugeraste Vampirin, einfach mit beiden Händen wie einen Ball ab. Dakaria wurde zurückgeschleudert, knallte gegen den Wandspiegel, der in 1000 Scherben zersprang, fiel polternd auf die hölzerne Kommode und landete erneut unsanft auf dem Dielenboden. Aber die Scherben und Holzsplitter die sich in ihre Haut frassen waren nicht mehr länger ihr grösstes Problem, denn jemand hatte sie am Kragen gepackt, rabiat auf die Beine gezogen und hart gegen den kaputten Wandspiegel gedrückt. Ihr blieb die Luft weg.

„Jetzt habe ich aber langsam genug!“ fauchte die Silberhaarige und ihre roten Augen flimmerten gefährlich, „wirst du dich jetzt endlich mal beruhigen, damit wir uns unterhalten können, oder muss ich dich nochmal züchtigen?!“

Wenige Minuten später sass Daka auf ihrem Sofa und versuchte die tanzenden Sterne vor ihren Augen wegzublinzeln. Sie hatte endlich eingesehen dass Widerstand zwecklos war, als die Rotäugige ihre Drohung wahrgemacht- und ihr abermals die Hand in den Oberkörper gebohrt hatte, um ihr Herz zu bearbeiten. Nun sass diese mit überschlagenen Beinen und einem zufriedenen Lächeln im Gesicht, ihr gegenüber im Sessel. Plötzlich tauchte eine Plasmafrucht vor Dakarias Gesicht auf. Der Dunkelhäutige, der seitlich hinter der Couch stand und ebenfalls genüsslich an einer saugte, hielt sie ihr direkt vor die Nase und nickte ihr ermutigend zu. Nach kurzem Zögern nahm die geschwächte Vampirin die lila Frucht entgegen, doch nicht etwa um sie zu trinken, sondern um sie aufgebracht ins Kaminfeuer zu werfen.  

„Warum habt ihr meine Eltern getötet?!“ rief sie der Silberhaarigen entgegen. „Die McKenzies? Wie kommst du darauf dass wir sie getötet haben?“ fragte ihr Gegenüber ruhig aber hörbar irritiert. Daka erstarrte einen Moment mit offenem Mund, „ihr… ihr habt sie nicht getötet?“

Die Ältere lachte vergnügt auf: „Wieso sollten wir so etwas tun?“  – „Sie sind seit Tagen verschwunden und ich kann sie nicht erreichen, irgendwas ist passiert!“„Sie sind nicht verschwunden, sie haben uns besucht, in Forgotten Hollow, und ich kann dir versichern, dass es ihnen bestens geht, Dakaria.“

„Euch besucht?!“ entschlüpfte es der Brünetten misstrauisch, „warum? Und wer seid ihr überhaupt?!“ abwechselnd schaute sie die beiden Unbekannten an, bevor ihr Blick an der Rotäugigen hängen blieb. „Wir hätten uns schon viel eher vorgestellt, hätten deine impulsive Freundin und du uns nicht die ganze Zeit versucht umzubringen…“„Sie waren es die mich umgebracht hat!“ fuhr Daka unwirsch dazwischen, „zwei Mal!“

Die Fremde stellte zuerst sich als Elle vor und danach ihren Kameraden. Sie berichtete dass sie und Marcel bis vor wenigen Monaten einer berüchtigten Vampirgruppe, den Rebellious Vampires, angehört hätten. „Das interessiert mich nicht!“ Daka sprang so schnell vom Sofa auf, dass ihr kurz schwarz vor Augen wurde. Glücklicherweise stützte sie Marcel, als sie drohte umzukippen. „Pfoten weg!“ schnauzte sie ihn an und schüttelte seine beiden Hände von ihren Schultern. „Ich will wissen wo meine Eltern sind!“ keifte sie in Elles Richtung. „Zuhause, in Willow Creek.“„Sie lügen! Ich glaube Ihnen kein Wort!“

Ein lauter Seufzer entrang der Älteren, während sie sichtlich genervt ihr Handy zückte und darauf herumtippte. Dann hielt sie das Gerät absichtlich so hin, dass Daka einen Blick aufs Display werfen konnte und darauf die Nummer ihrer Eltern erkannte. „Sul Sul? Wer ist denn da?“ tönte es durch den Lautsprecher. Die vertraute Stimme ihrer Mama war Balsam für ihre Seele und besänftigte sie sofort. Doch eher Dakaria etwas sagen konnte, hatte Elle den Anruf bereits weggedrückt. Einen Momentlang stand die junge Vampirin einfach nur da, während die Gedanken in ihrem Kopf herumsausten wie ein wild gewordener Schwarm Bienen. Dann liess sich erschöpft zurück aufs Sofa sinken.

„Woher kennt Ihr meinen Namen… und meine Eltern?“ fragte Daka, „und was wollten sie bei euch in… Forgotten Hollow?“ Forgotten Hollow, dieser immer wiederkehrende Name der ihr nichts sagte… Was war das nur für ein rätselhafter Ort? „Wir kennen dich und deine… Eltern… seit deiner Geburt, Dakaria.“ Elle setzte wieder ein unbestimmtes Lächeln auf und machte mit den Fingern Anführungszeichen um das Wort Eltern, „die McKenzies haben uns besucht, weil sie sich etwas holen wollten, was eigentlich für dich bestimmt ist. Marcel und ich sind heute hier um es dir persönlich zu übergeben.“ „Es?“ Daka runzelte die Stirn, „was ist… es?“ Die Rotäugige schaute zu Marcel auf, der immer noch seitlich hinter Dakaria stand und nickte ihm zu. Daraufhin stellte sich der Dunkelhäutige vor den kleinen Couchtisch und wischte mit einer einzigen Handbewegung alle sich darauf befindlichen Gegenstände zu Boden, bevor er dann etwas aus seinem Inventar herausholte und es schön mittig auf dem Tischchen platzierte.

Daka, die extra ihren Atem angehalten hatte, zog ihre Augenbrauen zusammen. „Was soll das sein?“ „Eine Vampirurne.“ antwortete Elle. „Das weiss ich auch! Aber was soll ich damit?!“ Auf der schwarzen, aufwändig und zugegeben, äusserst schön verschnörkelten Urne, war ein Name eingraviert: Miss Hell.

„Miss Hell war eine enge Freundin von mir,“ begann die Rotäugige zu erzählen, „sie war Jahrhundertelang die Anführerin der Rebellious Vampires, bis es vor ein paar Monaten zu einem Aufstand in Forgotten Hollow kam und sie getötet wurde. Herzextraktion. Das bedeutet, das Herz wurde ihr herrausge…“„Ich weiss was das bedeutet, ich bin Tierärztin!“ fuhr Daka ihr erneut über den Mund, „wieso erzählen Sie mir das?! Mich interessieren weder ihre zwielichtige Vampir-Gang noch wer diese Miss Hell war!“„Miss Hell war deine leibliche Mutter!“ war es nun Elle die sie unterbrach.

Es vergingen ein paar Sekunden, eher die junge Vampirin eine Reaktion zeigte. „Bitte was?!“ Dakaria konnte nicht vermeiden, dass ihr Unterton leicht hysterisch wurde, „soll das ein schlechter Scherz sein?!“„Nein das ist die Wahrheit, du wurdest adoptiert.“ bestätigte die Silberhaarige. Fassungslos schaute die Brünette zu Marcel hinüber, der sich lässig an den Kamin gelehnt hatte und sie wieder mit einem derart mitleidigenden Blick bedachte, dass sich ein unangenehmes Ziehen in ihrer Magengegend breit machte.

„Warum… warum sollte ich Ihnen glauben?!“ presste die junge Vampirin aus zusammengekniffenen Zähnen hervor und sah wieder Elle an. „Wir haben keinen Grund zu lügen. Aber wenn du das lieber aus dem Mund von Veronica hören willst, bitte.“ Plötzlich baumelte ein goldenes Medaillon vor Dakarias Augen, Marcel hielt es ihr entgegen. Darin war ein Bild ihrer beiden Eltern. Und einer Brünetten, die auf beängstigende Weise vage vertraut erschien. Sie hielt ein Neugeborenes auf dem Arm.

Wie betäubt nahm Daka die Kette an und konnte das Portrait Minutenlang nur zweiflerisch anstarren. Endlich schaffte sie es, ihren Blick davon abzuwenden und Elle wieder anzusehen: „Aber… w-wieso… sagen Sie es mir? Wieso… jetzt?“ ihre Stimme war so heiser geworden, sie hatte Mühe die richtigen Worte zu finden, oder überhaupt einen vernünftigen Satz zu bilden, denn ihr Gehirn fühlte sich an wie dick in Watte gepackt. „Irgendwann hättest du es sowieso herausgefunden,“ erwiderte die Silberhaarige, „aber bestimmt nicht von den McKenzies. Die hätten die Urne verschwinden lassen und einfach so weitergemacht, wie bisher.“ Dakaria sah sich das Bild wieder an.

Eine nie zuvor gefühlte Kälte ergriff von ihr Besitz, ihr Herz schlug auf einmal schmerzhaft schnell in ihrer Brust, als sie darüber nachdachte dass Veronica, die geliebte Frau, die sie ein vampirisches Leben lang Mama genannt hatte, gar nicht ihre leibliche Mutter war… Sie schloss die Augen, dabei kullerte ihr eine einzelne Träne die Wange hinab. Dakaria weinte sonst nie. Aber nun wollte sie am liebsten nichts anderes tun. Jetzt, wo ihre heile Welt in die Brüche zu gehen schien.

weiterlesen… Mother – II

*Anmerkung: Ich entschuldige mich dass Elles Haarfarbe blond statt silber ist. Leider habe ich es erst gemerkt, als ich die Fotos hier eingefügt habe.

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