Kapitel 11

WARNHINWEIS
Dieser Text enthält Gewalt

Mother – II

vefasst: 20.07.2019

When you look into your mother’s eyes, you know that is the purest love you can find on this earth.
~ Mitch Albom ~

Dieses verdammte Bild in diesem verdammten Medaillon! Sie konnte den Blick nicht mehr davon lösen. In ihr brodelte eine Suppe aus Kränkung, Enttäuschung und Trauer. Dakaria drücke den Anhänger zu und schloss ihre Hand so fest darum, dass es ihr weh tat. Wut nahm langsam überhand und liess sie ihren Kummer hinunterschlucken. Noch bevor sie überhaupt wusste was sie tat, hatte sie ausgeholt und katapultierte die Kette mit voller Wucht in den Kamin. Doch Elle hatte sich übernatürlich schnell vom Sessel erhoben und sie aufgefangen, ehe die hungrigen Flammen sie erfassen konnten. Leise lachend legte sie den Anhänger vor sich auf den Tisch und schob ihn neben die Vampirurne. „Marcel und ich gehen dann mal.“

„Was?!“ Daka fuhr hoch und sah ihr Gegenüber erschrocken an, „ihr… geht? Das… wars?““Wir haben unsere Pflicht erfüllt.” nickte die Silberhaarige, setzte sich in Bewegung und gab Marcel ein Zeichen zum Aufbruch. Daka stand noch eine Weile da wie angewurzelt, ihre Augen starr auf Urne und Kette fixiert. Ihre Gedanken rasten, sie hatte doch noch so viele Fragen! “Wartet!” rief sie schliesslich aus und sauste den beiden vampirisch hinterher, an Jamila vorbei, die immer noch schnarchend auf dem Gartenweg lag. Um die würde sie sich später kümmern. Daka versperrte Elle den Weg und überrumpelte sie mit Fragen, während Marcel irgendwo hinter ihr zum stehen gekommen war.

Dakaria wollte mehr über ihre Mutter erfahren, wer war sie? Woher kam sie? Wer hat sie umgebracht? Warum hat sie sie weggegeben? Weshalb hat Veronica niemals etwas gesagt? Wollte sie wirklich die Urne verschwinden lassen und alles verschweigen? Wie kann es sein dass Marcel sich in eine Fledermaus verwandeln kann? Wie kann er ohne Schutz in der Sonne stehen ohne zu verbrennen? Wie war Elle vorhin in ihr Haus gekommen, wo sie doch niemand hereingebeten hat und wie konnte sie Jamila ausknocken? Und verdammt nochmal, was und wo ist dieses Forgotten Hollow von dem ständig die Rede ist?! Die Junge leierte ihre Fragen wie eine Checkliste runter.

Das Buch! Ihr fiel plötzlich das Buch wieder ein dass Lucas unverständlicherweise besass und ihr überlassen hatte! Hektisch holte sie es aus ihrem Inventar und heilt es der Rotäugigen, bevor diese überhaupt den Mund aufmachen konnte um auf nur eine ihrer Fragen einzugehen, so nah vors Gesicht, dass sie einen Schritt zurückmachen musste. „Was ist das?!“„Der ultimative Vampir.“ las Elle unbeeindruckt vor und schmunzelte: „Meine Güte, Veronica hat ja wirklich ganze Arbeit geleistet dich von allem vampirischen fernzuhalten!“ mit ihrem spitzen Kinn deutete sie auf die Lektüre in Dakas Händen, „die Antworten auf deine Fragen findest du da drin. Und für alles weitere, kannst du dich an Veronica wenden.“

Ein Lächeln, dass sehr stark an Schadenfreude erinnerte, huschte über Elles vernarbtes Gesicht bevor sie hinzufügte: „ich bin mir sicher ihr habt einiges zu klären.“„Ich hab schon im Buch gelesen, aber verstehe überhaupt nichts!“„Kein Wunder, du musst ja auch beim 1. Band anfangen, Dummerchen!“ Die Ältere wollte an der Jüngeren vorbei, doch Dakaria hielt sie am Arm zurück, was Elle offenbar mächtig gegen den Strich ging, das verriet jedenfalls der Blick den sie ihr daraufhin zuwarf. „Woher bekomme ich den 1. Band?!“ wollte die Brünette wissen und bemühte sich ebenfalls um einen möglichst einschüchternden Blick. „Lass mich los, Dakaria.“„Erst beantworten Sie mir meine Frage!“

Die Silberhaarige wollte Daka mit einem energischen Zug ihren Arm entreissen, doch so schnell liess diese nicht locker, im Gegenteil, sie drücke ihre Hand noch mehr um den schmalen Unterarm, bis sie den Knochen spürte und der Schmerz deutlich Elles Gesicht abzulesen war. „Sieh an, du bist wirklich ganz deine Mutter!“ Diese Worte waren für die junge Vampirin wie ein Dolchstich mitten ins Herz. Sekundenlang konnte sie nichts darauf erwidern. Als der Schrecken nachliess knurrte sie: „Wer ist mein Vater?“ Ihr Gegenüber ging nicht sofort darauf ein, sondern schien die Worte sorgfältig abzuwägen. Vielleicht wollte sie Daka aber auch einfach nur hinhalten, denn ihre Antwort war lediglich: „Deine Mutter hat ihr Geheimnis gut gehütet.“

Elle grinste aalglatt, doch dann wurden ihre Züge ernst und sie verlangte erneut: „Lass mich los!“ Dakaria ignorierte den drohend gewordenen Tonfall und die erregt blitzenden Augen. Doch als die Ältere blitzschnell eine Bewegung tat, um der Jüngeren an diesem Abend einmalmehr ihre schlanken Finger zwischen die Rippen zu rammen, war es Dakaria gelungen, ihre Hand mit einer ebenso schnellen Bewegung abzufangen. „Das war wohl nichts!“ spottete sie, doch leider hatte sie sich zu früh gefreut, denn bereits in der nächsten Sekunde hatten Marcels grosse Pranken von hinten ihren Kopf gepackt.

Ein kurzer Ruck genügte, damit ein knacksendes Geräusch entstand und Dakarias Genick gebrochen war.

Etwas holte sie aus der Tiefe. Jemand rief nach ihr, wie aus weiter Ferne. Sie spürte das nasse Gras und die feuchte Erde unter ihrer nackten Haut. Und sie spürte noch etwas… Es fühlte sich so an als… würde sie geschlagen…? Was?! Ja! Tatsächlich, jemand haute sie… voll auf die Wange! AUA!! Das tat verdammt nochmal weh! Daka riss die Augen auf und schaute direkt in das konzentrierte Gesicht ihrer Freundin, daneben, ihre erhoben Hand, mit der sie abermals gerade zum Schlag ausholen wollte. Konzentration wich Entsetzen und die Vampirin hörte sie sowas wie „Holy shit!“ plärren.

„Wieso SCHLÄGST du mich?!” platzte es ebenso entsetzt aus der Brünetten heraus. „Ich musste dich doch irgendwie wach bekommen!“ erklärte sich Jamila, „die Rettungsheinis konnte ich ja wohl schlecht holen! Und in den Filmen machen die das schliesslich auch so!“ Vorsichtig stand Daka Mithilfe ihrer BF auf. Als Dakaria dann den Kopf von links nach rechts drehte bis ihr Nacken laut krachte und somit wieder eingerenkt war, liess die Schwarzhaarige aber sofort von ihr ab. „Ewww!“ schrie sie auf, „lass das! Das ist soooo eklig!“

Während die beiden Freundinnen sich über ihr gegenseitiges Wohlergehen erkundeten und Jamila der entkräfteten Vampirin ihr Handgelenk anbot, da Marcel alle Plasmafrüchte im Garten aufgefressen hatte…

… klärte Daka sie zwischen ihren gierigen Schlucken über das auftauchen der beiden Vamps auf. “Scheisse, was?!” war Jamilas erste Reaktion, dann stiess sie die Saugende barsch von sich: „Damnit, das reicht jetzt!“

„Willst du mich umbringen?!“

Daraufhin sass die angezapfte Simin auf der Couch und veranstaltete mit Snuggs oder Squee ein Wettschauen: Wer glotzt das ominöse Teil blöder an? Gleichzeitig lästerte sie über „die dumme B*tch Elle“ und ihre, ihrer Meinung nach, tätowierten Augenbrauen ab.

„Oh my gosh!“ stiess Jamila plötzlich genervt aus und schaute über ihre Schulter zu Daka auf, die im Hintergrund nervös hin und her tigerte. Die zerbrochenen Scherben des Wandspiegels knirschten die ganze Zeit unter ihren Stiefeln. „Kannst du damit mal aufhören und deinen knochigen- neben meinen wohlgeformten Arsch platzieren?!““Du hast Recht…” meinte Daka darauf geistesabwesend, “das bringt nichts. Ich muss nach Willow Creek.“„Äh… what?!“ mit hochgehobener Augenbraue sah die Dunkelhäutige ihre BF an, “are you kidding me? Hast du mal auf die Uhrzeit geschaut?!” Die Vampirin trat neben die Urne, packte sie und die Kette ins Inventar und stampfte ohne ein Wort aus dem Haus. Zurück blieb eine verwirrte Jamila: „Äh… Sul?!“

„Ey, jetzt warte doch mal!”

Vor dem Briefkasten konnte sie die tosende Vampirin gerade noch so stoppen: „Hältst du das wirklich für eine gute Idee, jetzt zu deinen Eltern zu reisen?“„Sie sind nicht meine Eltern!“„Ja… sorry! But Süsse… ich mein, ja du willst Antworten und so, aber ey, du bist grad ziemlich aggro drauf. Ausserdem bist du heute Abend 3x draufgegangen! Ich an deiner Stelle würd mich jetzt aufs Ohr hauen. Morgen sieht der Tag schon wieder anders aus, hm?“ Die Dunkelhäutige rang sich ein Lächeln ab, versuchte ihre Freundin, deren Körper vor Anspannung vibrierte, durch sanftes Reiben an beiden Schultern zu beruhigen, doch Dakarias Gesichtsausdruck blieb kalt und starr. „Du stehst aber nicht an meiner Stelle!“ erwiderte sie grob, „ich kann nicht bis morgen warten, ich muss sie jetzt zur Rede stellen!“„Aber Daka…“ „Du verstehst es einfach nicht, oder?! Mein Leben ist eine einzige Lüge!“ sie spie die letzten Worte förmlich aus und schlug schroff Jamilas Hände von ihren Schultern.

Diese öffnete den Mund um zu protestieren, doch verstummte und tritt auf der Stelle zurück, als die Vampirin sie warnend anfauchte und ein bedrohliches Aufflackern in ihren gelblichgrünen Schlangenaugen aufkeimte.

Es war bereits nach 1 Uhr in der Früh, als Dakaria im verschneiten Willow Creek ankam und wie eine Bekloppte gegen die Haustüre der Villa ihrer „Eltern“ hämmerte. Am liebsten hätte sie  die Tür ja einfach aufgetreten, so aufgebracht war sie!

Drinnen ging Licht an, der Hauseingang öffnete sich einen Spalt und Daka erkannte die Haushälterin Marta, deren Augen sich panisch weiteten als sie in das Gesicht ihres Gegenübers blickte. Sofort wollte sie die Türe wieder zuschlagen, doch die Vampirin hielt den Arm dazwischen. Marta wich zurück, so dass sie stolperte und auf ihrem Allerwertesten landete. Als Dakaria eintrat, schrie sie. Sie schrie irgendwas in einer fremden Sprache. Um ihren Hals trug sie eine feine Kette mit einem Kruez, welche sie sich jetzt in Todesangst vom Hals riss und Daka den Anhänger mit schlotternden Händen entgegenstreckte. Doch die Vampirin beachtete sie nicht mehr länger, sondern sauste nach oben ins Elternschlafzimmer.

„Kind, um Gottes Willen, was ist passiert?“ erkundigte sich Veronica besorgt und musterte Dakas blutverschmiertes Oberteil, „wessen Blut ist das?!“ De beiden Vampirinnen standen im grossen Wohnzimmer und warteten auf Veronicas Ehemann Derek, der gerade die völlig hysterisch gewordene Marta, die Dakaria für den Satan höchstpersönlich hielt, in die Küche gebracht hatte und versuchte sie ruhig zu stellen. Behutsam trat die Ältere an die Jüngere heran, die wie versteinert vor dem Kamin stand und in die lodernden Flammen starrte. „Dakaria, rede mit mir.“ Sie versuchte Augenkontakt herzustellen. Als Daka die warme Hand ihrer „Mama“ auf der Schulter spürte, durchzog ein Schaudern ihren gesamten Körper. Deswegen konnte sie nicht so schnell reagieren, wie sie eigentlich wollte: „Fass mich nicht an!“ fauchte sie und sprang zur Seite.

Veronica wich zurück und schaute die Brünette mit grossen, schockierten Augen an. Diese packte plötzlich die Urne aus ihrem Inventar und knallte sie geradezu auf den kleinen Glastisch vor der Couch, auf dem sich sogleich kleine Risse bildeten. „Gut gemacht Dakaria…“ kam es von Derek, der nun mit grimmigem Ausdruck das Wohnzimmer betrat, „was tauchst du auch mitten in der Nacht in deiner Vampir Form auf und…“ ihm verschlug es die Sprache, als er die beiden Vampirinnen erreicht hatte und sein Blick unweigerlich auf die auffällige Urne fiel.

Veronica sass wie ein Häufchen Elend auf dem Sofa. Ihre Schultern waren ganz tief runter gesunken. Sie sah aus als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen. Derek stand „seiner Tochter“ gegenüber neben dem Kamin und versuchte wohl mit seinen bösen Blicken die Urne zum zersprengen zu bringen. Angespanntes Schweigen füllte den Raum. „Warum habt ihr mir nie gesagt dass ich von euch adoptiert wurde?!“ platzte es endlich aus Dakaria heraus. „Wir wussten nicht wie wir es dir beibringen sollten.“„Unsinn!“ widersprach Derek seiner Frau sofort, „Veronica ist damals einen dubiosen Deal eingegangen.“„Was?!“ entkam es Daka und Veronica warf ein verstörtes „Derek!“ ein. „Es ist vorbei Veronica, Zeit um reinen Tisch zu machen!“ der Vampir sah wieder Daka an, „du wurdest uns aufgezwungen!“

„Aufgezwungen?“ Dakas Blick sprang von einem zum anderen, „was soll das heissen… aufgezwungen?!“

„1345…“ begann Veronica, nachdem Derek sie unhöflich aufforderte endlich den Mund aufzumachen, „der schwarze Tod hatte gerade Windenburg erreicht…

… In den Gassen roch es nach Verwesung. Dein Vater…“ sie hielt kurz inne und korrigierte, „Derek war krank. Ich sass Tag und Nacht an seinem Bett. Wir konnten uns weder einen Arzt noch Medizin leisten…

Eines Tages als ich losging um Lebensmittel zu besorgen, begegnete ich zufällig meiner ehemaligen Arbeitskollegin Ann, die vor Wochen ebenfalls an der Pest erkrankt- und so gut wie tot war.“ Die Vampirin machte eine Pause, lachte leise, aber es klang freudlos und traurig. „Was hat das mit mir oder mit meiner Mutter zu tun?!“ fragte Daka in der Zwischenzeit ungeduldig. „Erst wollte Ann nicht…“ fuhr Veronica fort, „aber schliesslich enthüllte sie mir ihr Geheimnis. Ich konnte es erst nicht glauben, ja, ich hielt sie gar für verrückt! Aber ich war so verzweifelt, dass ich mehr darüber wissen wollte…

Also machte auch ich mich auf den Weg nach Forgotten Hollow. Und da traf ich zum ersten Mal auf…

… Vampire.“

„Ich versteh immer noch nicht was das mit…“„Es war Miss Hell, zum Teufel nochmal!“ schnitt Derek Dakaria das Wort ab, „sie hat mich verwandelt, ohne meine Zustimmung!“

Sein Blick gleitete rasch zu seiner Frau, tadelnd funkelte er sie an: „Und dann hat auch Veronica sich verwandeln lassen, weil sie dachte unendliches Leben sei ein Segen! Aber wie das so ist, geschieht nichts ohne Gegenleistung!“ „Vampirismus hat dir das Leben gerettet, Derek!“ sprach Veronica aufgelöst und erhob sich vom Sofa, „und Dakaria ist wie unsere eigene Tochter!“„Nein das ist sie nicht und das weisst du ganz genau!“ stellte der Vampir klar, „Und was dieser verfluchte Vampirismus angeht, mein Schicksal war bereits besiegelt! Du hattest kein Recht Gott zu spielen!“„Hätte ich dich etwa sterben lassen sollen?!“„JA!“ brüllte er mit der Stimme eines Gorillas, „ja das hättest du in der Tat! Stattdessen machst du uns beide zu… unvergänglichen Ungetümen!“

„Wie kannst du nur so etwas sagen!“ Veronica zitterte am ganzen Körper, Tränen rannen ihr die geröteten Wangen hinab. Normalerweise wäre Daka längst dazwischen gegangen und hätte „ihrer Mama“ beigestanden. Aber sie konnte nicht, nicht mehr. Sie fühlte sich selbst zu gekränkt und hintergangen. Sie hatte nicht einmal gewusst, dass „ihre Eltern“ keine geborenen Vampire waren! „Verschont mich mit eurer Ehekriese.“ sagte sie mit einer Eiseskälte und sah zu Derek auf, „wer ist mein Vater?“„Unbekannt.“„Lüg mich nicht an!“„Wir wissen wirklich nicht wer dein Vater ist, Dakaria.“ bestätigte Veronica erschöpft, sie sah sehr mitgenommen aus. Daka warf das Buch der ultimative Vampir neben die Urne, „und was ist damit?“

„Soll das etwa heissen, ihr könnt auch im Sonnenlicht herumlaufen und habt mein ganzes Lebenslang nur so getan als bräuchtet ihr einen Schirm?!“ empörte sich die junge Vampirin gerade bei Derek, als Veronica in die Stube kam. In der Hand hielt sie ein Tablett mit 3 Tassen Kaffee und lächelte ihre Tochter entschuldigend an: „Es war zu deinem eigenen Schutz, Dakaria.“„Eigentlich zum Schutze deiner MitSims.“ berichtigte Derek, „es gibt da ein paar sehr mächtige Vampir – Fähigkeiten. Talent für Brutalität hast du ja schon bewiesen und auf keinen Fall wollten wir eine zweite Miss Hell aufziehen. Du hast uns auch so schon genug Probleme beschert!“

„Derek, bitte!“ ermahnte Veronica ihren Mann und stellte das Tablett ab, „über Tote soll Sim nicht schlecht reden!“ Der Rothaarige Vampir lachte verächtlich: „Oh entschuldige! Aber über diese Ausgeburt der Hölle fällt mir nun wirklich nichts Gutes ein, was ich erwähnen könnte!“„Er meint das alles nicht so…“ sagte Veronica zerknirscht und reichte Dakaria eine Tasse, „komm, trink erst mal was.“

„Aber gern.“ lächelte die junge Vampirin, „machen wir doch ein gemütliches Kaffeekränzchen und nehmen das alles einfach so hin!“ Daka nahm die Tasse entgegen und schleuderte sie mit voller Kraft gegen die Vitrine mit dem teuren Porzellan. Mehrere tausend Simoleons gingen innert Sekunden flöten. „Was fällt dir ein, bist du verrückt geworden?!“ schrie Derek erbost. „Ihr beide seit sowas von verlogen!“ entgegnete Dakaria in einem harschen Ton, den Veronica nicht erwartet hätte, noch viel weniger Derek. „Ihr seid das aller letzte!“ Das reichte ihm, er holte aus, schlug sie auf die Wange, so fest, dass sie zur Seite taumelte.

„NEIN DEREK!“ rief Veronica bestürzt, während Daka sich ihre brennende Wange hielt. Tränen schossen ihr in die Augen, doch sie hielt sie tapfer zurück. Sie war verletzt. Verdammt sie war so verletzt! Und gedemütigt! So wie noch nie zuvor in ihrem ganzen Leben! Aber noch viel mehr war sie wütend! Derek ahnte ja gar nicht, wie kurz sie davorstand, ihn anzuspringen! Doch dazu kam es nicht mehr. „Dämon!“ erfüllte eine schrille Stimme den Raum.

Die drei Vampire drehten abrupt ihre Köpfe und erblickten Marta, die gerade den Salon gestürmt hatte, in den Händen hielt sie Dereks Kriegsgewehr. Der Lauf zielte direkt auf Dakarias Kopf. Veronica stiess einen hellen Schrecklaut aus. „DÄMON!“ kreischte die Simin wieder wie von Sinnen.

Dakaria gab ein drohendes Fauchen von sich.

„Halt dich zurück!“ zischte Derek in ihre Richtung, dann wandte er sich Marta zu und verlangte: „Legen Sie das verdammte Gewehr ab!“ Ihre Hände zitterten so heftig, dass die alte Schusswaffe leicht klapperte. „Marta nicht!“ flehte Veronica verängstigt, „das ist unsere Tochter Dakaria!“ Doch Marta schenkte ihr keine Beachtung. Gerade als Daka sich dazu entschlossen hatte, der Simin die Kehle aufzuschlitzen, löste sich ein Schuss…

… der natürlich danebenging. Eine wertvolle Vase zu ihrer rechten zersprang in tausend Scherben. Auch der zweite Schuss verfehlte das Ziel und ging in den antiken Kronleuchter über Dakaria. Glassplitter regneten auf sie herab und auch Derek schütze sich mit erhobenen Armen. Veronica, die glaubte die erste Kugel habe ihn gestreift, eilte zu ihm, während Daka der Sache ein Ende machte. Sie preschte auf die Simin zu, die gerade zum dritten Schuss ansetzen wollte, entriss ihr die Flinte mit beiden Händen, zerbrach sie über ihrem Knie entzwei und pfefferte die Bruchstücke auf den Boden, bevor sie ihr die Fangzähne erbarmungslos in die Halsschlagader schlug.

„NEIN!“ hallte Dereks Stimme wie Donner durch das grosse Zimmer.

Ruppig packten seine Hände Dakarias Schultern. Sie wurde gegen das hölzerne Treppengeländer geworfen, durchbrach es und blieb einige Sekunden ächzend auf den, durch ihren Aufprall zertrümmerten Stufenkanten, liegen.

Martas lebloser Körper sackte dumpf auf dem dunklen Parkett zusammen, welcher sich unter ihr sofort blutrot färbte. Die Augen waren schreckensweit geöffnet und ihr Kopf hing nur noch an einem lädierten Hautlappen. „Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott…“ widerholte Veronica immer wieder mechanisch hinter hervorgehobener Hand. „WAS HAST DU GETAN!“ brüllte Derek mit vor Zorn blitzenden Augen. Für die Dauer eines Herzschlags war Daka wie gelähmt, als sie auf die, in einer Blutlache liegende Leblose herabblickte, aber schnell fing sie sich wieder. Sie rappelte sich auf, brauste zurück zum Couchtisch, packte Urne und Buch in ihr Inventar und verliess das Haus übernatürlich.

Die aufgestaute Wut musste raus, also rannte sie so schnell sie konnte. Blieb sie stehen, wäre sie vermutlich explodiert. Sie hätte schreien können. Hätte schreien müssen! Diese Enttäuschung… diese Furcht… Dakaria hatte plötzlich das Gefühl, dass jemand völlig anderes, fremdes in ihrer Haut steckte. Jemand ohne Identität. Ihr Selbstbild fiel gerade in sich zusammen wie ein fragiles Kartenhaus. Alles woran sie je geglaubt hatte, war eine Lüge… Eine verdammte Lüge! Wie konnte Veronica nur?! Sie hatte sie getäuscht und belogen… all die Jahre lang!

War ihre leibliche Mutter wirklich so eine „Ausgeburt der Hölle“ wie Derek behauptete? Hatte sie ihre „dunkle Seite“ vielleicht von Miss Hell geerbt? Erneut ein heftiger Stich in ihrem Herzen… Hatte nicht Elle vorhin ebenfalls gemeint, sie wäre ja ganz wie sie? Und ihr Vater? Wer war er? Wie war er? Wusste er von ihr?

Die Vampirfähigkeiten… Sie hätte von Anfang an ohne Schirm unter die Sonne treten können! Sie hätte als Fledermaus lange Strecken bequem im Flug zurücklegen können! Ihr Leben hätte sich damit um einiges erleichtert… Vieles mehr hätte sich für sie verändert, hätte sie die Chance gehabt, ihre richtigen Eltern kennen zu lernen. Aber nun war es zu spät. Ihre Mutter war tot!

Dakaria hatte nicht mal gemerkt, dass sie stehen geblieben war. Ihr Atem ging schwer und ihre Seite schmerzte. Es dämmerte bereits und bald musste sie aus der Sonne, wenn sie nicht als Aschehaufen enden wollte. Wo war bloss ihr Blümchen-Schirm abgeblieben?

Plötzlich tauchte eine Fledermaus vor ihr auf, welche sich als Veronica entpuppte. Na grossartig, die allerletzte Person die sie jetzt sehen wollte kam, oh Wunder, angeflattert

Eilig kam die Blonde auf sie zugelaufen, der Schnee verursachte knirschende Geräusche unter ihren Pantoffeln. „Es tut mir leid.“ Tiefstes Bedauern lag in Veronicas zittriger Stimme. Da tauchte eine zweite Fledermaus auf. Fantastisch! Sind hier vielleicht noch mehr Vampire die ihr ihre vorenthaltenen Superkräfte unter die Nase reiben wollen?! „Veronica!“ rief Derek seiner Frau zu, „lass sie gehen!“„Herrgott, jetzt halt endlich deinen Mund!“ warf diese unerwartet rüde über ihre Schulter hinweg und wandte sich dann wieder der Brünetten zu: „Dakaria, ich habe meine Entscheidung niemals bereut! Keine einzige Sekundenlang!“ sie legte beide Hände an Dakas Oberarme. Eindringlich versuchte sie der jungen Vampirin in die Augen zu sehen. „Du bist meine Tochter und daran wird sich nie etwas ändern!“ In ihren bernsteinfarbenen und tränenverschleierten Augen spiegelte sich die reinste und ehrlichste Liebe.

Dakaria hatte einen Moment lang den Wunsch, in ihrem Blick einzutauchen. Einfach alles zu vergessen was in den letzten Stunden passiert war und einfach ihr gewohntes Leben weiterzuleben. Aber als sie zu Derek schaute, fröstelte sie und ihr wurde klar, dass sie das nicht konnte. Wie kalt und dunkel die Welt immer wurde, wenn „ihr Vater“ ihren Blick erwiderte. „Ihr…“ sagte Dakaria dann leise, als sie ihre Augen wieder auf Veronica gerichtet hatte, „ihr beide… ihr seid für mich gestorben.“ Daka meinte zu spüren, wie Veronicas Herz in diesem Augenblick zerbrach. „Nein…“ hauchte die Ältere und schüttelte wie besessen den Kopf, dann schrie sie: „NEIN!“ Ihre Hände krallten sich schmerzlich in Dakas schlanke Oberarme, als wollte sie sie nie wieder loslassen. Sie flennte, heulte und schrie wie ein Kleinkind welchem Sim das allerliebste Sielzeug weggenommen hatte. Aber Dakaria wand sich aus ihrer verzweifelt-mütterlichen Umklammerung. Veronica klappte zusammen, ging weinend im die Knie. Derek war in wenigen Schritten bei ihr und hielt sie fest. Dakaria liess die beiden hinter sich. Sie drehte sich nicht mehr um, sah nicht zurück.

Die schmerzvollen Schreie „ihrer Mama“ waren noch die ganze Strasse entlang zu hören. Erst als Daka den Wald erreichte, wurden sie durch die Bäume gedämpft.

Irgendwann blieb sie stehen. Sie hatte keine Ahnung was sie nun tun und wohin sie gehen sollte. Der Geschmack, als sie über Martas vertrocknetes Blut an ihren Mundwinkeln leckte, löste in ihr die typischen Instinkte eines Vampirs aus. Wie überaus ungünstig, dass gerade jetzt ein leichter Windhauch den Geruch von Sims und verkohltem Holzes mit sich brachte. Zwischen den verschneiten Tannen entdeckte die Vampirin ein kleines Lagerfeuer…

weiterlesen… Vampire Lore

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