Kapitel 14

WARNHINWEIS
Dieser Text enthält Gewalt

Bare your Fangs – I

verfasst: 10.10.2019

„Haben Sie eine Bank ausgeraubt?!“„Nein, natürlich nicht!“ Der Sim musste sich ein Lachen verkneifen. „Haben Sie nochmal im Lotto gewonnen?!“ Wieder verneinte er höchst amüsiert, „noch mehr Ideen?“ Kopfschüttelnd stierte die Brünette ungläubig auf das Bündel Simoleons das er in der Hand hielt.

So viele Simoleons hatte sie noch nie auf einem Haufen gesehen! Damit hätte er die Überfahrt mit dem Boot von der Insel nach Brindleton Bay locker für eine ganze Reisegruppe bezahlen können, trotz Wucherpreise dieses verrückten Fischers! „Das ist mein Gehalt.“ löste er schliesslich auf. „So viel? Sind sie Präsident oder sowas?“ Nun lachte er, was auch Dakaria wiederum ein schüchternes Lächeln entlockte. „So viel ist das gar nicht…“ wie ein Daumenkino liess er den Stapel durch seine Finger gleiten.

„Ich freue mich für Sie.“ sagte Dakaria und das tat sie wirklich. Igors Herrchen hatte es geschafft seine alte Stelle wieder zu bekommen. Daka erfuhr dass er als Wissenschaftler bei FutureSim Labs arbeitete und sein alter Chef ihn ohne Zögern sofort wieder eingestellt hatte. „Er sagte, er brauche derzeit jeden Sim, weil die Kollegen irgendwelche Probleme mit bizarren Pflanzen haben.“„Bizarre Pflanzen?“ hackte die Brünette mit gekrauster Stirn nach. „Genaueres weiss ich auch nicht.“ Der Brillenträger machte eine Grimasse, hob die Schultern bis zu den Ohren hoch und zog den Kopf ein, „eigentlich darf ich gar nicht darüber reden.“ flüsterte er.

Dakaria musste unweigerlich grinsen, so sah er irgendwie süss aus… äh… süss? Hatte sie gerade eben süss mit ihm assoziiert?! Süss sind normalerweise Kätzchen oder Welpen, aber sicher nicht… „Nehmen Sie!“ wurde die verdatterte Vampirin plötzlich aus ihren paradoxen Gedanken gerissen. Igors Herrchen streckte ihr die ganzen Scheine hin. Doch sein Gegenüber stand völlig bewegungslos da, nur ihre grauen Augen sprangen abwechselnd vom Bündel zu seinen fast Schwarzen hoch. „Ich kann nicht.“ brachte sie schliesslich lahm über ihre Lippen. „Wieso nicht?“ Ja, wieso eigentlich nicht?

Sie konnte einfach nicht. Verdammt… was war denn nur plötzlich los mit ihr?! Sie fühlte sich so… sentimental. Sie hatte Mitleid mit ihm, weil er obdachlos war und seine Ex ein hinterhältiges Miststück ist. Und dann fühlte sie sich mies, weil sie seinen Hund auf dem Gewissen hatte. Erst als der Sim sie einen Augenblick ganz verdutzt ansah, bemerkte sie mit Entsetzen, dass sie ihre Gedanken gerade laut ausgesprochen hatte. „Also…“ begann er dann und wirkte ein wenig betreten, „für meine derzeitige Lage bin ich selber Schuld und meine Ex… naja reden wir nicht darüber… Aber was Igor betrifft, Sie… Sie haben alles Simögliche für ihn getan, waren sogar auf seiner Beerdigung, die Sie nebenbei noch finanziert haben! Welcher Tierarzt macht sowas?“

Wieder streckte er ihr das Bündel hin und schaute sie ernst an, „jetzt nehmen Sie schon!“ Dakaria wusste natürlich dass er Recht hatte, trotzdem fühlte es sich nicht ganz richtig an die Simoleons anzunehmen, nicht unter diesen Umständen. Die Brünette schob seine Hand weg und meinte ohne ihn anzusehen: „Sie können sie mir später geben, wenn Sie Ihr Leben wieder im Griff haben.“ kaum ausgesprochen, bereute sie Ihre ungeschickte Wortwahl auch schon… God dammit, um es mal mit den Worten von Jamila auszudrücken, was stimmte denn heute nicht mit ihr?!

Bevor der ehemalige Hundehalter den Mund öffnen konnte um zu protestieren, näherte sich plötzlich eine 3 köpfige männliche Simgruppe in schmuddeligen Klamotten, die den beiden schon vorher durch ihr lautes Gejohle am anderen Ende des Parks, aufgefallen war. Alle 3 wirkten ein wenig angeheitert. „Gibt’s n‘ Problem?“ fragte einer und entblösste damit seine faulen Zähne. Daka versuchte ihren Ekel zu unterdrücken, der Gestank von Alkohol und Schweiss umhüllten sie, als die anderen beiden sich neben sie stellten. Ihre Begleitung begrüsste die Clique höflich und erklärte dass kein Problem vorliege.

„Na na na… nicht so eilig!“ meinte Faulzahn und stellte sich dem Brillenträger in den Weg, als dieser die hübsche Brünette beim Arm nahm und mit ihr schnell verduften wollte. „Was hast du denn da schönes?“ damit meinte er nicht Dakaria, sondern das dicke Bündel Simoleons dass der Ex-Hundehalter sofort in seinem Inventar verschwinden liess. „Was hast‘ denn vor mit der ganzen Kohle, Brillenschlange?“„Bei allem Respekt, Sir, das geht Sie nichts an.“„Habt ihr das gehört?“ Faulzahn fing aus vollem Halse an zu lachen „der Grosskotz hat mich Sir genannt!“ seine beiden Kollegen stimmten in sein Gelächter ein. „Sie ist bestimmt ne Nutte!“ kommentierte der, der rechts neben Dakaria stand und sie unverschämt musterte.

Mit seinen rauen Fingern nahm er unvermittelt ihr Kinn und drehte ihren Kopf so, dass sie ihm in sein ungepflegtes Gesicht sehen musste, dass plötzlich nur noch wenige cm von dem ihren entfernt war. „Na Puppe, wie wärs mit nem Kuss?“ Dakaria stiess ihn so grob zur Seite, dass er ins Stolpern geriet und einen uneleganten Purzelbaum hinlegte. Seine beiden Kumpane brachen erneut in lautem Gegröle aus.

„Ganz schön temperamentvoll…“ raunte der, der links von ihr stand, „ich frag mich wie du so in der Kiste abgehst.“ ungeniert griff er ihr an die Brust und gleich darauf, hatte seine Backe eine unsanfte Begegnung mit ihrer Hand gemacht. „Lasst sie in Ruhe!“ schaltete sich Igors Herrchen ein und schob seine Begleitung schützend hinter sich. „Was ist, willste Ärger?!“ ein tiefroter Abdruck der Vampirhand zierte die linke Wange des nun aufgebrachten Sims, „kannste haben! Mal sehen ob du ohne Brille noch genauso gut siehst!“ Er holte zum Schlag aus, doch Daka, die sich blitzschnell wieder vor ihren Beschützer geschoben hatte, wehrte den Schlag mühelos ab.

„Willst du denn Ärger?“ fragte sie ihn herausfordernd. Ihr Gegenüber schaute kurz dumm aus der Wäsche, dann grinste er böse: „Glaub ja nicht dass ich vor ein paar Titten Halt mache!“

Er holte aus, zum nächsten Schlag, doch die zierliche Gestalt vor ihm fing auch diesen geschickt ab. Mit festem Griff hielt sei sein Handgelenk umklammert, er hatte keine Chance ihr zu entkommen. Dakaria verdrehte ihm den Arm bis er in den schlimmsten Tönen aufschrie. Als sie ihn freigab ging auch er zu Boden. „Verschwinden wir hier!“ zischte der einstmalige Hundebesitzer und zupfte nervös an ihrem Ärmel herum. Daka konnte spüren dass er Schiss hatte. Doch sie dachte nicht daran, das Feld mit eingezogenem Schwanz zu räumen. Wenn hier jemand verschwinden soll, dann ja wohl diese Penner, mit denen sie ohne weiteres fertigwerden würde. Seine Angst war also völlig unbegründet.

Der mit den faulen Zähnen baute sich plötzlich vor den beiden auf und etwas blitzte verdächtig in seiner Hand, es war ein Messer!

Da musste selbst die toughe Vampirin kurz schlucken.

„Los Brillenschlange! Rück die Simoleons raus, aber dalli!“ Seiner Haltung und seinem Tonfall war zu entnehmen, dass er nicht zögern würde es einzusetzen, „na wird’s bald!“ Dem Brillenträger war jetzt die blanke Panik ins Gesicht geschrieben. Vergeblich versuchte er erneut die Brünette hinter sich zu schieben, doch stand sie neben ihm wie versteinert.

Also holte Igors Herrchen das Bündel hervor. „Geben Sie ihm auf gar keinen Fall die Simoleons!“ befahl Dakaria harsch, ohne ihren finsteren Blick vom Sim mit der Waffe zu lösen.

Ihre Fänge bereit ihn zu zerreissen, forderte sie ihn auf schleunigst das Messer wegzulegen, doch im gleichen Moment fiel ein Schuss hinter ihr. Die Vampirin zuckte zusammen, ihr war, als wäre sie selbst getroffen worden. Aber die Kugel traf ihre Begleitung und riss ihn gewaltsam zu Boden. Es passierte innert wenigen Sekunden, doch kam es ihr vor, als geschehe es in Zeitlupe. Die Scheine flatterten elegant durch die Luft und sanken wie Laub neben den Körper. Sie war einen Augenblick wie gelähmt, wie erstarrt… Alles andere war ausgeblendet, sie sah nur noch den reglosen Körper. Dann begann ihr Herz zu rasen und eine entsetzliche Angst nahm von ihr Besitz. Es war eine Angst, als würde es um ihr eigenes Leben gehen.

Gerade als sie sich einigermassen wieder gesammelt hatte und zu ihm wollte um ihm zu helfen, um nachzusehen ob er überhaupt noch lebte, legte sich von hinten ein kräftiger Arm um ihren Hals und begann sie zu würgen. „Scheissnutte!“ brüllte ihr einer von Faulzahns Kameraden ins Ohr, sie glaubte ihr Trommelfell platzte gleich, „hast mich geschlagen und mir fast den Arm ausgerenkt!“ Dakaria wehrte sich mit einem heftigen Seitenhieb und einem gezielten Fusstritt. Endlich kam sie frei und stürmte auf den getroffenen Sim zu, doch…

… Faulzahn kam ihr in die Quere und ehe sie reagieren konnte, trieb er ihr heimtückisch das Messer in den Oberkörper. Ein stechender Schmerz durchfuhr die Vampirin als die eiskalte Klinge sich in ihrer ganzen Länge in ihr Herz bohrte. Alle Kraft entschwand aus ihrem Körper, ihre Muskeln erschlafften, sie kippte um und schlug erst mit dem Rücken und dann mit dem Kopf hart auf den Asphaltboden auf. Keuchend lag sie da, ihre Brust brannte wie Feuer. Dieser Dreckskerl hatte sie doch tatsächlich abgestochen! Erdolcht! Mit einem einfachen Messer! Es steckte bis zum Schaft senkrecht in ihrem Brustkorb. Dakaria konnte es nicht herausziehen. Sie konnte sich überhaupt nicht mehr bewegen, denn eine Taubheit lähmte sie. Es fing in den Zehen an und dann in den Fingern und schliesslich waren auch die anderen Gliedmassen betroffen, bis letztendlich ihr gesamter Körper totenstarr und kalt war. Ihr Atem war nur noch kurz und flach.

Dakaria blickte direkt ins Firmament. Sie wollte die einzigartige Schönheit der flimmernden Sterne als letztes in Erinnerung behalten. Der mystische Tanz des farbigen Nebels und das geheimnisvolle Schimmern des Mondes. Krampfhaft versuchte sie sich an die Worte von Igors Herrchen zu erinnern, an seine Erklärung über diese ungewöhnliche Himmelserscheinung. Doch ihr war nichts davon geblieben. Nichts ausser seinem Gesicht, wenn er sie angelächelt hatte, seiner Stimme, wenn er sich über sie lustig gemacht hatte und seine Blicke, wenn er sie angesehen hatte.

Und jetzt ist er tot. Und sie ist schuld. Weil sie ihren verdammten Dickschädel mal wieder hatte durchsetzen müssen! Diese Gewissheit, zusammen mit ihren nacheinander kollabierenden Organen, schnürte ihr komplett die Luft ab, sie konnte nicht mehr atmen und wurde beinahe ohnmächtig. Doch bevor das geschah, tauchte zum letzten Mal eine hässliche Fratze vor ihr auf. Es war der, der ihr zuvor einen Kuss stehlen wollte. „Schade um dich Puppe…“ grinsend hatte er sich über sie gebeugt, „wärst du mal nicht so zickig gewesen.“ Sein Kopf kam näher, auf einer widerlich süssen Art, strich er ihr einige Strähnen aus dem Gesicht. Seine Zunge fuhr ein paar Mal über ihre bleichen Lippen, bevor er seinen Mund ungestüm auf den ihren presste. Sie küsste. Irgendwann schob er ihr seine Zunge rein. Mit letzter Kraft drückte Dakaria ihre Augen zusammen. Einzelne Tränen rollten ihr die Wangen runter. Sie wollte sterben…

„Kommt Jungs, wir hauen ab!“ hörte sie einen der Sims rufen, sie glaubte es war der mit den faulen Zähnen, sicher wer sie sich aber nicht, weil seine Stimme nur noch wie durch Watte zu ihr durchdrang. „Hör auf damit du krankes Schwein!“ rief der andere und zerrte den Sim über ihr weg. Dann endlich, schwanden ihre Sinne…  

… Sie fand sich, mal wieder, im weichen Sand liegend. Über ihr der hellblaue, wolkenlose Himmel, der der Sonne ungehinderte Freiheit liess, ihre heissen Strahlen auf sie nieder zu senden. Langsam kam Dakaria auf die Beine und schüttelte sich den Sand vom Kleid.

In ihr steckte kein Messer mehr und die See vor ihr war auch nicht mit Blut gefüllt. Der Brünetten entfuhr ein erleichterter Seufzer, doch gleich darauf durchzuckte sie ein Stich und erschütterte sie bis aufs Markt, als sie an Igors Besitzer dachte…

Ihre Gedanken wurden durch eine Gestalt die etwas abseits am Wasser stand, unterbrochen. Erst auf dem zweiten Blick erkannte Daka dass es sich um Veronica handelte! Aus Gewohnheit rief sie ihr „Mama?!“ zu, doch sie reagierte nicht, sondern starrte weiterhin aufs offene Meer hinaus. Nach kurzem Zögern sprintete Dakaria los. Obschon sie mit aller Macht versuchte es zu verdrängen, kam in ihr ein Gefühl der Vertrautheit und Geborgenheit auf. Hinter ihrer Adoptivmutter blieb die sie stehen. „Veronica?“ Keine Reaktion. Die Junge streckte vorsichtig ihre Hand aus, um Veronica an der Schulter zu berühren, aber bevor sie das tun konnte, hatte sich die Blondine umgedreht.

Doch… sie war nicht mehr blond, ihre Haare waren auf einmal braun, ähnlich wie die ihren und ihre Figur war schlank und durchtrainiert und ihre Augen… Dakaria hielt den Atem an… ihre Augen, sie waren grau… ebenso wie… die ihren! Das war nicht Veronica das war… „Miss Hell?“

Sie hatte einen nichts aussagenden Gesichtsausdruck drauf und dennoch glaubte Daka, dass einer ihrer Mundwinkel leicht nach oben zuckte, als sie ihr Gegenüber von oben bis unten prüfend musterte. Sie sagte jedoch kein Wort. Dakaria hätte gerne etwas gesagt, aber kein Ton verliess mehr ihre Kehle. Ihr Herz klopfte.

Erst als Miss Hell sich wegdrehte und davonging, konnte sich die junge Brünette aus ihrer Schockstarre lösen. „Warte!“

Sie wusste zwar dass „das hier“ nicht real war, aber das war ihr egal, sie musste einfach mit ihr reden! Doch Miss Hell lief unbeirrt weiter und beachtete das Anhängsel dass ihr nun folgte und auf sie einredete, nicht. Zornig blieb Dakaria stehen und rief: „Bleib stehen, Mutter!“ Sie tat es.

Miss Hell drehte sich langsam um und war plötzlich… in ihrer Vampirform. Daka erschauderte. Ihre Mutter hatte dieselben Reptilien artigen Augen wie sie und auch sonst, sah sie in ihrer dunklen Form äusserst… beängstigend aus. Vampirisch brauste Miss Hell zurück auf ihre Tochter zu.

Ihr Blick ruhte auf Dakas Brust.

Ein höllisches Brennen machte sich dort bemerkbar und zwang die junge Vampirin jäh zu Boden. Ächzend lag sie im Sand. Die schmerzhaft blendende Sonne wurde von Miss Hells Gesicht verdeckt, als diese sich nahezu über ihre Tochter geworfen- und begonnen hatte, an ihr herumzuhantieren. Dakaria wusste nicht was los war, war viel zu überrascht und hatte zu viele Schmerzen um irgendwie zu reagieren. Erst dachte sie, ihre Mutter wollte ihr etwas in den Oberkörper rammen, doch dann begriff sie allmählich, dass sie ihr lediglich etwas herauszog. Es war das Messer das plötzlich wieder in ihr steckte! Mit einem Ruck hatte Miss Hell ihr das tödliche Ding aus dem Herzen entfernt…  

… Dakaria kam wieder zu sich, schnappte nach Luft, als wäre ihre Lunge nicht gross genug für den Atem den sie benötigte. Sie lag nicht mehr im weichen Sand, sondern auf hartem Asphalt. Über ihr streckte nicht mehr die Sonne ihre Strahlen aus, sondern der Mond leuchtete majestätisch vom Himmel herab…

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