Kapitel 17

Sunrises and Memories

verfasst: 11.12.2019

Eine Woche später

Es war empfindlich kalt geworden und die Landschaft jeden Morgen von feinen Kristallen und Tau bedeckt.

Am heutigen Tag glich Windenburg einem Winterwunderland, nachdem es in der Nacht ordentlich geschneit hatte.

Dakaria stand nervös am Fenster. Sie hatte gewiss schon viele Sonnenaufgänge in ihrem Leben gesehen, doch dieser hier war speziell. Herrlich glänzte und glitzerte die weisse Pracht in der aufkommenden Sonne, die die Dämmerung immer mehr verdrängte.

Seit dem Vorfall hatte sie die Klinik nicht mehr aufgemacht und sich stattdessen Zuhause verschanzt und ihren Kopf in die Vampirbücher gesteckt. Eigentlich dufte sich die selbstständige Tierärztin so etwas nicht leisten, denn sie würde diesen Monat ohnehin Probleme haben die Rechnungen zu bezahlen, da ihre Praxis mehr geschlossen als irgendetwas anders war. Aber sie konnte sich derzeit einfach nicht auf ihre Arbeit konzentrieren. Im Moment beschäftigte sie nur ein Gedanke, Forgotten Hollow. Okay, da war noch ein anderer Gedanke, den sie jedoch fieberhaft versuchte zu verdrängen. Eigentlich war es kein Gedanke, sondern vielmehr ein belastendes Problem…

In ihr hatte sich etwas verändert. Merkwürdige Gefühle, die sie schon seit Tagen beherrschten und immer intensiver zu werden scheinen und sie konnte nichts dagegen tun. Immer wieder ertappte sie sich dabei, wie sie an diesen BlödSim denken musste. An sein blödes Grinsen, an seine blöden Blicke und allgemein an sein blödes, nerviges Getue. Er beeinflusste sie. Infizierte sie. Und er hatte ihr intimstes Geheimnis herausgefunden… Hätte sie ihn dafür töten müssen? Wahrscheinlich. Hätte sie es gekonnt? Wahrscheinlich nicht.

Nun, töten müsste sie ihn heute nicht mehr, Mittlerweile hätte sie ganz andere Methoden ihn mundtot zu machen. Aber Dakaria wollte ihm vertrauen. Wollte ihm glauben dass ihr durch ihn keine Gefahr drohte. So wie sie auch Jamila damals vertraut hatte. Und heute sind die beiden beste Freundinnen. Doch sie wollte mit diesem Sim nicht befreundet sein! Das war auch ein Grund, weshalb die Vampirin sich seit Tagen nicht mehr in ihrer Praxis blicken liess. Sie wollte ihm auf gar keinen Fall begegnen! Sie wollte ihre verrücktspielenden Gefühle wieder in den Griff bekommen. Wie ferngesteuert führte sie die Tasse zu ihrem Mund, trank einen Schluck und verbrannte sich prompt die Zunge am brühend heissen Kaffee. Die Brünette stiess einen wilden Fluch aus, gefolgt von einem, „geschieht dir ganz recht!“, weil sie ja schon wieder an ihn gedacht hatte…

Sie stellte die Tasse ab, neben die Vampirbände, die alle säuberlich der Reihe nach übereinander gestapelt auf der Kommode lagen. Dakaria verliess ihr Schlafzimmer, trat couragiert auf die Haustür zu und öffnete sie. Ein Schwall eisiger Luft strömte herein. Noch einmal nahm sie einen tiefen Atemzug, bevor sie vorsichtig ihren rechten Arm ausstreckte und die Sonne ihre Fingerkruppen berühren liess. Kein Zischen. Kein Funke und vor allem, kein Schmerz. Daka traute sich einen Schritt nach vorne zu machen. Und dann noch einen und noch einen. Irgendwann war sie die paar Treppenstufen hinuntergestiegen und befand sich in ihrem weitläufigen Garten.

Sie streckte beide Arme aus, schloss die Augen und hob ihr lächelndes Gesicht der wärmenden Morgensonne entgegen. Eine ganze Weile verharrte sie so und genoss einfach nur. Endlich war sie nicht mehr an einen Sonnenschirm gebunden. Endlich war sie eine Grossmeistervampirin und hatte alle ihre Vampirstärken freigeschaltet. Endlich war die Zeit gekommen, ihren Geburtsort Forgotten Hollow zu besuchen.

Leider erreichte sie Jamila daraufhin nicht und als wäre das nicht schon Enttäuschung genug, rief, kaum hatte sie ihr Handy verstaut, eine Simin in heller Aufregung an. Ihrem Baby ginge es sehr, sehr schlecht…

Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass das angenommen sterbende Kätzchen der verrückten Catlady aus Brindleton Bay, lediglich unter Flöhen litt. Nachdem Mrs Lynx die Klinik wieder verlassen hatte, versuchte Daka zum gefühlt tausendsten Mal ihre beste Freundin zu erreichen. Hinter ihr war gerade jemand dabei, die Praxis zu betreten. „Es ist geschlossen!“ warf die Tierärztin noch mit Handy am Ohr über ihre Schulter hinweg. Die Tür fiel ins Schloss, Daka hörte das Tapsen von Pfoten auf dem Parkett und wie jemand durch Aufstampfen auf der Fussmatte, sich den Schnee von den Schuhen klopfte. Genervt liess sie das Handy sinken und gerade als sie erneut und nicht gerade höflich darauf aufmerksam machen wollte, dass die Praxis verdammt nochmal geschlossen sei, spürte sie eine feuchte Schnauze an ihrem nackten Unterarm und gleich darauf tauchte rechts neben ihr ein freundlicher Hundekopf auf, den sie heute nicht zum ersten Mal sah.

Das war doch der Hund vom alten, verlassenen Tierfriedhof auf der Leuchtturm Insel! Verblüfft wirbelte die Vampirin herum und als sie sah wer hinter ihr stand, musste sie ganz automatisch lächeln, obwohl sie versuchte dagegen anzukämpfen.

Ihr Lächeln wurde umgehend erwidert, was ihren Atem beschleunigte und auch das Pochen unter ihrem Pulli stärker werden liess.

„Sie haben Ihn adoptiert.“ schlussfolgerte Dakaria, nachdem es ihr gelungen war, einigermassen ihre Contenance wiederzuerlangen und den Sim mit einem so passiven „Sul.“ wie nur möglich, zu begrüssen. Er war elegant-lässig gekleidet und als er dann auch noch den Kopf neigte und sie mit diesem entschlossenen Blick ansah, merkte sie wie ihr wieder eine Hitze ins Gesicht stieg.

Sofort ging sie neben dem jungen Mischling in die Hocke und strich mit hastigen Bewegungen über sein raues und streng riechendes Fell. Er trug ein gelbes, ausgeleiertes Tuch provisorisch um seinen Hals geknotet, dass seinem neuen Halter wohl dazu diente, ihn zu führen. Der Sim liess sich ebenfalls neben sie nieder um das Tier zu streicheln. „Er ging mir nicht mehr aus dem Kopf und jetzt wo es so kalt geworden ist, tat er mir leid da draussen.“ Plötzlich nahm er wieder Blickkontakt zu Daka auf und lächelte ein Lächeln, dass gerade noch so als unaufdringlich durchgehen konnte: „Und so habe ich einen Grund Sie wieder zu sehen.“ Ihr Herz machte wieder Purzelbäume, so dass sie auf der Stelle hochfuhr.

Dakaria wollte ihm gerade sagen, dass er sich doch bitte nach einem anderen Tierarzt umschauen solle, als das Herrchen sich nun auch aufrichtete und ihr einfach zuvorkam: „Also, ich denke, als erstes braucht er ein Bad.“„N- nein, Sie…“„Dann braucht er eine Impfung.“ Erneut wollte sie widersprechen, aber er liess sie partout nicht zu Wort kommen, „und das allerwichtigste, er braucht einen Namen!“

Und so fand sich Daka wenig später kniend vor der Wanne und entgegen ihrem eigentlichen Willen, im Badezimmer der kleinen Klinik wieder. Sie und der Sim hatten zunächst die allergrössten Bemühungen den offenbar wasserscheuen Hund in die Wanne zu bekommen. Und am Ende stand nicht nur das halbe Badezimmer unter Wasser, sondern auch sie beide waren durchnässt und mit weissem Schaum bespritzt, als es dem cleveren Hund gelungen war aus der Wanne zu flüchten, sich kräftig das Wasser vom Fell zu schütteln und mit seiner wedelnden Rute dicke Schaumflocken durch die Gegend zu schleudern.

Es wurde geflucht aber noch viel mehr gelacht.

Der Vierbeiner bekam noch eine Spritze verpasst und Daka durfte ihm einen Namen geben. Dabei war sie nicht sonderlich kreativ, aber der Sim war sofort Feuer und Flamme und sein Hund scheinbar auch, wie sonst war zu erklären, weshalb er übermütig im Kreis rannte und versuchte seinen Schwanz zu fangen?

Beide mussten kichern und wunderten sich, dass ihm nicht schwindelig wurde. Als der Hundehalter jedoch auf ihr Angebot betreffend Hundeerziehung zurück kam, dass sie ihm damals am alten, verlassenen Tierfriedhof törichter Weise gemacht hatte, gingen ihre Mundwinkel rapide nach unten.

Verzweifelt suchte sie nach Ausreden, fand jedoch keine und ihr Gehirn fühlte sich mit einem Mal wieder wie gewaschen und durchgespült an. „Können sie zu diesem Blick wirklich nein sagen?“ Sie war sich nicht ganz sicher, ob er damit den seines Hundes oder seinen eigenen meinte. Dakarias Mundwinkel zuckten wieder, aber weil sie versuchte ein Lachen zu unterdrücken.

„Also gut.“ lenkte sie schliesslich ein. Einerseits mit dem Gedanken dass ihr ein wenig Extragehalt nicht schaden konnte und anderseits mit Bedenken, dass dies, anlässlich ihrer emotionalen Lage, wohl keine so kluge Entscheidung war.

Nachdem die beiden einen Termin fürs Hundetraining abgemacht hatten und der Hundebesitzer endlich all seine Schulden begleichen durfte, begab er sich vor die Tür. Er rief und pfiff seinen neuen Hund zu sich, jedoch ohne Erfolg. Schmunzelnd griff die Tierärztin das Tier, dass angefangen hatte sich grunzend auf der versifften Decke herum zu wälzen, an seinem neuen Halsband und dirigierte es zum Ausgang. Doch noch bevor sie selbst einen Schritt vor die Tür setzen konnte, hatte der Brillenträger schon seinen Arm wie eine Barriere vor ihr ausgestreckt und sie so zum stehen bleiben gezwungen. Die Vampirin liess den jungen Hund los, der daraufhin wie ein Karnickel in den Garten hopste, seine Schnauze in den Schnee streckte und Schneepflug spielte.

„Vorsicht!“ warnte der Sim, „die Sonne!“ Daka sah ihn ein paar Sekunden überrascht an, „oh…“ meinte sie dann und grinste, „die tut mir nichts mehr.“ Die zierliche Brünette duckte sich und schlüpfte unter seinem Arm vorbei. Verspielt, fast wie ein Kind, drehte sich einmal um die eigene Achse, wobei sie Schneestaub aufwirbelte. Ihre braunen Locken flogen im Wind, während die Nachmittagssonne mit ihrem Licht rote Strähnen hinein zauberte.

„Wow.“ kam es gebannt über seine Lippen. Sein Hund schoss aus den Büschen hervor, um freudig-bellend um die Vampirin herum zu springen.

„Wow… was?“ schnaufte Daka, die kurz mit dem Vierbeiner getobt hatte und sah ihr Gegenüber gespannt an. „Einfach nur wow.“ lächelte er sanft. Ihre Blicke hielten sich einen Moment lang fest, bevor lautes Kläffen sie wieder auseinander riss.

Der ungezogene Hund bellte gerade eine Simin an, die das Grundstück betreten hatte. Es war Jamila, die von diesem Untier nicht gerade begeistert war.

„Und?“ grinste und zwinkerte sie Daka keck zu, nachdem der Besitzer seinen ungezähmten Hund an die Leine genommen und sich verabschiedet hatte. Beide Freundinnen schauten zu, wie der junge Rüde nach der Leine schnappte, sich in ihr festbiss und den Sim kreuz und quer hinter sich her zerrte, bis sie irgendwo hinter ein paar Gebäuden verschwunden waren. „Wie war’s?“

„Wie war was?“„Na was wohl, der Ritt! Du hast mir noch gar nichts davon berichtet!“„Was denn für ein Ritt?“ Dakaria stand bloss da mit einem grossen Fragezeichen im Gesicht, während Jamilas Grinsen immer breiter wurde, „na der Ritt auf seiner Rakete!“ Die Vampirin verstand immer noch nur Bahnhof, aber Zeit um weiter darüber nachzudenken hatte sie nicht, denn auf einmal roch sie einen leichten Hauch von Knoblauch an Jamila, der nicht mal von ihrem teuren Parfüm überdeckt wurde.

„Yep, hab grad n‘ voll leckeres Knoblauchbrot gefoodet.“ bestätigte diese und zuckte entschuldigend mit den Schultern, „sorry Süsse, Mundspray ist leider alle.“ Die Brünette schüttelte sich, was haben denn auf einmal alle mit dem blöden Knoblauchbrot?! „Yo Daka, kann es sein dass du keinen Schirm mehr brauchst?!“ wunderte sich die Kurzhaarige plötzlich. „Schön dass es dir aufgefallen ist!“ freute sich die Vampirin, „ich habe endlich alle meine Fähigkeiten freigeschaltet! Das ist auch ein Grund weshalb ich dich schon den ganzen Tag versuche zu erreichen.“

„Ganze 19 Mal um genau zu sein…“ hüstelte die Simin augenrollend, „wo brennt‘s denn?“  

„Wait what?!“ redete Jamila daraufhin aufgeregt auf ihre BF ein, „wie kommst du denn darauf?!“

„Ich hab ihm Fragen gestellt, die er nicht beantworten konnte und doch hatte ich das Gefühl, dass er sich vage an etwas erinnerte.“„Vielleicht hat er Alzheimer?“„Nein, Alzheimer ist doch eine Krankheit!“ –  „Dann das andere… wie heisst das noch gleich… a… a… Ameisen…“„Du meinst wohl Amnesie.“ half ihr Daka auf die Sprünge, „nein Jamila, erinnerst du dich noch, als ich dir damals während unseres Dates gesagt habe, dass mit ihm etwas nicht stimmt? Dass er irgendwie von einer dunklen Macht umgeben wird?“ der Wuschelkopf überlegte kurz mit entsprechender Visage und nickte dann. „Nun, das ist die Manipulation. Ich bin überzeugt dass ein Vampir ihm das Gedächtnis gelöscht hat.“„Aha… was?! Wieso?! Und woher weisst du das?!“„Von meinen Vampirbüchern!“

„I see… und jetzt willst du ihm seine Erinnerungen zurückgeben?“ Dakaria bejahte. Eine Weile betrachtete die Dunkelhäutige ihre bleiche Freundin einfach nur mit einem nichtssagenden Gesichtsausdruck, bevor sie ihr dann ein „DAKA, du bist doch komplett GAGA!“ an den Kopf schmetterte. „Er hat sein Gedächtnis verloren und du ja wohl deinen Verstand! Hast du dich schon mal gefragt WARUM ihm das Gehirn gelöscht wurde?!“ echauffierte sich die Simin und machte mit beiden Händen wilde Gesten in der Luft, „vielleicht ist er ja ein Massenmörder, oder ein Psychopath?! Oder OMG, was wenn er ein Vampire Slayer ist?!“„Jetzt übertreib mal nicht, Jamila!“ „Und warum willst du das überhaupt tun?!“„Er ist der einzige der mich nach Forgotten Hollow bringen kann.“

Die Simin entsinnte sich an diesen Namen, an die mutmassliche Heimat ihrer Freundin, an das Dorf in dem ihre leibliche Mutter angeblich getötet wurde und an den Ort an dem sich Daka mehr Informationen erhoffte, über ihren leiblichen Vater und mögliche lebende Verwandte, was schier an ein Wunder grenzte, wo Jamila doch sonst so vergesslich war, wenn es nicht gerade um Shoppen, Partys oder hote Typen und peinliche Bettgeschichten ging und schlug vor, dass Daka doch einfach „ihre Mama“ nach dem Weg dorthin fragen könnte. Damit hatte sie bei der Vampirin natürlich einen wunden Punkt getroffen. Deren Gesicht verfinsterte sich augenblicklich und sie schrie beinahe: „Veronica ist nicht meine Mutter!“

„Ok calm the f*ck down!“ beschwichtigte die Schwarzhaarige mit erhobenen Händen, „ich mein ja nur, dann musst du nicht was tun, was du später bereuen könntest.“„Wieso sollte ich das bereuen?!“ schnaubte die gelockte Brtünette und machte eine abschätzige Handbewegung, „ach was diskutiere ich überhaupt mit dir darüber, gib mir einfach nur seine Nummer, damit ich ihn anrufen kann!“„Du brauchst ihn nicht anrufen, sondern kannst gleich persönlich mit ihm talken.“ mit dem Kinn wies Jamila rüber zum Sable Square, „er arbeitet dort am Fressstand und verkauft Knoblauchbrote.“

Daka vergeudete keine Zeit und schickte ihre Freundin gleich los um ihn abzuholen und zu sich zu bringen. Keinesfalls wollte sie in die Nähe dieser Knoblauchbrote! Unruhe überkam die Vampirin, als Jamila in Begleitung des Sims auf sie zu kam. Was wenn ihre BF Recht hatte? Es musste ja einen triftigen Grund gegeben haben, dass ein Vampir ihm das Gedächtnis bereinigt hatte? Die Brünette musste plötzlich an ihren „Traum“ denken, in dem er auch vorgekommen war und keinerlei Gnade zeigte, als er ihr einen Holzpflock zwischen die Rippen jagte.

Es war zwar nur eine Illusion gewesen, aber sie hatte sich verdammt real angefühlt. Sie hatte seinen Hass gegenüber Vampiren nahezu gespürt!

Je näher er jetzt auf sie zu kam, desto aufgeregter wurde sie, wenngleich der blauäugige Sim schon von weitem herzlich lächelte und ihr freudig zuwinkte. Dakaria versuchte ihre Befürchtungen beiseitezuschieben. „Es war nur ein Traum.“ sprach sie zu sich selbst, legte nun ebenfalls ein zaghaftes Lächeln auf und hob ihren Arm zum Gruss. Und darüber hinaus, ausser in ihrem Traum, war er ihr nie gefährlich vorgekommen, ganz im Gegenteil: Lucas war ein gutmütiger, witziger und ein wenig naiver Sim. Es gab kein Grund zur Sorge. Oder?

Zur Begrüssung schloss er sie wie eine alte Freundin in die Arme. Dakaria liess seine ein wenig stürmische Umarmung, ein wenig überrumpelt über sich ergehen, während sie nebenbei in sein Innerstes drang. Definitiv, dass was ihn da umgab, war vampirischen Ursprungs. Hoffentlich wird es ein leichtes sein, in davon zu lösen. „Du wolltest doch mal einen Kaffee mit mir trinken?“ kam Daka gleich zur Sache, nachdem sich die beiden voneinander gelöst hatten. Der Blauäugige legte kurz seine Stirn in Falten, „äh… ja!“ erinnerte er sich dann, „leider hattest du keine Zeit.“„Nun, jetzt hab ich Zeit.“ verkündete sie ein bisschen arg von sich eingenommen.

Die untergehende Sonne tauchte den Himmel über der Wüstenstadt Oasis Springs gerade in ein warmes Orange, als die beiden ein mediterranes Haus erreichten. Der Winter schien hier noch weit entfernt zu sein. Lucas, der sich sehr darüber freute mit der hübschen Dakaria ein heisses Getränk zu trinken, hätte sie zwar lieber zu Simbucks einladen, aber sie hatte darauf bestanden sein Haus zu sehen. Jamila wäre ja am liebsten mitgereist, doch Daka hatte es ihr verboten. „Wohnst du hier alleine?“ erkundigte sich die Vampirin und scannte mit ihren Augen jeden Winkel des Vorgartens ab, während Lucas die Haustür aufschloss. „Tu ich. Komm rein!“

Auch drinnen, im Wohnzimmer schaute sie sich ganz genau um, konnte aber auf den ersten Blick nichts Verdächtiges finden. „Wie willst du ihn?“ Erschrocken fuhr sie zusammen, als er sie berührt hatte, da sie nicht reagierte, „was?!“„Deinen Kaffee, wie willst du ihn?“ Daka hatte wieder angefangen, sich umzugucken, „egal.“„Uhm… okay.“„Hey kann… kann ich mal dein Bad benutzen, Lucas?“ – „Klar, die Treppe hoch und dann rechts. Sag mal, ist alles in Ordnung?“ anfangs beäugte er sie besorgt und ein wenig misstrauisch zugleich, bevor er dann schmunzelte: „Siehst wieder ein bisschen so aus, als hättest du ein Gespenst gesehen.“

Daka besänftigte ihn, indem sie meinte, sie müsse nur ganz dringend aufs Klo. Das war natürlich gelogen, Vampire müssen nicht aufs Klo, was sie ganz dringend musste, war Rumschnüffeln! Sie hetzte also die Treppen hoch in den zweiten Stock, sobald der Sim in der Küche verschwunden war.

Ohne Scheu betrat sie sein Schlafzimmer, nachdem sie auf dem Schreibtisch nichts Interessantes entdecken konnte und durchwühlte sämtliche Kommoden und Nachttischchen. Aber auch da war nichts was hätte darauf hinweisen können, dass er jemals was mit Vampiren zu tun gehabt hätte. Daka, die bereits frustriert aufgegeben hatte und schon unter dem Türrahmen stand, entschied sich dann doch noch unter das Bett zu schauen. Zunächst sah sie nichts weiter als ein paar Staubflusen auf dem glatten Steinboden und einzelne Socken die sich nach ihrem Partner sehnten. Sie wollte sich gerade wieder erheben, als etwas quasi in letzter Minute ihren Blick fesselte.

Wie in Trance setzte sie sich auf die Bettkante und starrte eines der beiden Gegenstände, die sie eben von unter dem Bett hervorgezogen hatte, an. In der einen Hand hielt sie ein Foto, zerknittert und rissig, nachdem es schon einmal zusammengeknüllt und dann wieder glattgestrichen worden war.

Es zeigte zwei Sims in einer innigen Umarmung, ein Pärchen, nahm Dakaria an. Beim Sim handelte es sich unverkennbar um Lucas. Sie wendete das Bild, in der Hoffnung einen Hinweis auf der Rückseite zu entdecken, leider nein. In der anderen Hand hielt Daka eine verdorrte Frucht und zwar nicht irgendeine Frucht, sondern eine Plasmafrucht! Vampirnahrung! Ihr verschlug es beinahe den Atem, zudem erlitt sie fast einen Herzinfarkt, als von vor der Tür ein gedämpftes „Daka?“ ertönte. Das war Lucas! „Kommst du? Kaffee ist fertig.“ Wie der Blitz sprang die Vampirin vom Bett und liess die beiden Sachen sofort in ihrem Inventar verschwinden. Lucas durfte sie hier keineswegs beim Herumschnüffeln erwischen! Oh Gott, wo nur sollte sie sich verstecken?!

Als der Sim die vermeintliche Simin nicht wie vermutet im Badezimmer vorfand, öffnete er die gegenüberliegende Tür zu seinem Schlafzimmer. Doch auch hier war sie nicht. Oh Gott, wo nur konnte sie sein?! Der wehende Vorhang zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Warum stand das Fenster offen? Er ging hin, wollte es schliessen, doch lugte davor noch nichts ahnend hinaus und konnte dann seinen blauen Augen nicht trauen, als er mit völlig verrenktem Nacken gen Himmel empor sah! „Daka?! Was… tust du denn?!“„Ich… ich hab das Bad gesucht.“ antwortete sie nach kurzem Zögern von oben herab. „Auf dem Dach?!“

Nachdem er ihr geholfen hatte runter zu steigen, das Fenster geschlossen- und den Vorhang gezogen hatte, schaute er sie von Sorge und Unverständnis erfüllt an: „Wieso in drei Teufelsnamen bist du aufs Dach gestiegen?! Da hätte sonst was passieren können!“

„Ich dachte… ich hätte… jemanden gesehen!“ erwiderte sie, bemüht ein dummes Gesicht zu machen und spielte Verlegenheit vor.

Als Lucas sich von diesem kurzen Schrecken wieder erholt hatte, sass er neben seiner schönen Besucherin im heimeligen Wohnzimmer auf der Couch und schlürfte genüsslich an seiner mittlerweile lauwarmen Schokoloade…

… an der er sich heftig verschluckte, als Dakaria ohne Vorwarnung die gefundenen Gegenstände aus ihrem Inventar holte.

„Ich weiss nicht wer das ist.“ sprach der Sim, als er das Foto entgegengenommen- und es ein paar Sekunden lang konzentriert betrachtet hatte. „Aber das bist doch du, oder?“ Er nickte, „aber die Simin kenne ich nicht.“„Aber ihr beiden umarmt und küsst euch auf dem Bild!“ beharrte sie. „Ja…“ in einer Geste der Überforderung, fuhr er sich durchs Haar und pustete hörbar die Luft durch seine Lippen, bevor er fragte: „Wo hast du das her?“„Das lag unter deinem Bett.“ Vedutzt, nein eher entsetzt hob der Bärtige die Augenbrauen, doch ehe er was dazu sagen konnte, hatte die Vampirin das Wort schon wieder an sich gerissen: „Was ist damit?“ nun hielt sie ihm die verdorrte, lilane Plasmafrucht unter die Nase. „Weisst du was das ist?“ ratloses Kopfschütteln, mit noch immer hochgezogenen Augenbrauen. Diese ganzen Zusammenhänge, Dakaria zerriss es beinahe!

Er war in Besitz eines mysteriösen Vamirbuches gewesen und hatte keine Ahnung gehabt, wie es bei ihm gelandet war.

Eine verdorrte Plasmafrucht hatte unter seinem Bett gelegen. Er hatte Flashbacks von einem Ort, einem Wald, von dem sie davon ausging, dass es sich um keinen anderen als um Forgotten Hollow handelte. Er hatte damals in Brindleton Bay, als Marcel ihr hinterhältig aufgelauert war, behauptet, diesen dunkelhäutigen, zungenlosen RastaSim, der in Wahrheit aber ein Vampir war, schon einmal gesehen zu haben. Vermutlich in Forgotten Hollow und vermutlich mit weiteren Vampiren. Mit Elle vielleicht? Lucas hatte von auffällig leuchtenden Augen gesprochen. Elle hatte leuchtende Augen…

„Du solltest ihn trinken, bevor er kalt wird.“ Riss der Blauäugige die gelockte Brünette aus ihren rasenden Gedanken, „deinen Kaffee.“

Er grinste einfälltig, als gäbe es sonst nichts Wichtigeres worüber Sim sich Momentan Sorgen machen müsste. Daka regte sich zunehmend auf und liess ihn das auch gleich wissen.

„Okay…“ seufzte er daraufhin und schaute auf seinen Schoss herab, „ich weiss das ist alles komisch… ich verstehs ja selbst auch nicht! Manchmal erinnere ich mich an Dinge und weiss nicht warum. Sims sprechen mich auf der Strasse an und… ich hab keinen Blassen wer die sind! Ich… ich war deswegen auch schon beim Arzt, aber der konnte mir nicht helfen. Er meinte, er hätte sowas noch nie erlebt… Vermutlich hätte ich mal einen Unfall gehabt… den Kopf angeschlagen und dann… Teile meines Gedächtnisses verloren. Keine Ahnung.“

Lucas blickte wieder auf, sein Lächeln war längst erlischt, seine Züge verzerrt und er wirkte müde. Dakaria sah ihn eine ganze Weile stumm an, bevor sie langsam den Kopf senkte und vor sich auf das Bild schaute, welches nun auf dem kleinen Tisch zwischen dem ganzen Zeug lag. Sie durfte jetzt kein Mitleid mit ihm haben. Ganz gleich was damals geschehen war, ob es wirklich Elle und Marcel waren, die ihm die Erinnerungen fast vollständig gelöscht hatten, das hatte sie nicht zu interessieren. Genausowenig wie das Warum. Ihr Interesse durfte einzig und allein nur Forgotten Hollow gelten. Denn nur deswegen war sie hier. Dakaria wollte da hin. Und zwar so schnell wie möglich. Und in Lucas sah sie den einzigen, der ihr dabei helfen konnte.

Sie löste ihren Blick vom Foto, die attraktive Simin darauf war sicher nur eine verblasste Ex von ihm.

Die Vampirin hatte keine Ahnung was sie gleich erwarten würde. Laut stiess sie die Luft aus ihren Lungen, bevor sie aufstand und sich ein paar Schritte entfernte. Lucas blieb auf dem Sofa zurück und schaute ihr nach. Im Kamin zu ihrer Rechten brannte ein Feuer und erfüllte den Raum mit einem warmem Lichtschein. Leise Musik drang neben dem Knistern an ihr Ohr. Lucas hatte sich bemüht eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen, einen schönen Abend unter Freunden zu gestalten. Und sie? Sie handelte aus reinem Eigennutz.

Dakaria schüttelte energisch den Kopf, versuchte sich zusammenzureissen, sich zu konzentrieren. Sie spannte jeden Muskel ihres Köfpers an und sammelte ihre Kraft. Sollte sie ihn vorher wenigstens darüber informieren was sie war und was sie mit ihm vorhatte?

„Daka?“

Dafür war es jetzt zu spät. Er hatte sich erhoben und war in Begriff zu ihr zu kommen. Die Brünette fuhr herum und setzte ihre vampirischen Fähigkeiten ein, erlöste ihn von der Manipulation und zwang ihn, sich zu erinnern.

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