Kapitel 19

Welcome to Forgotten Hollow

verfasst: 31.01.2020

Dakaria sass an Lucas‘ Küchentisch, als die Stimme ihrer Freundin „ich hab dir ja gleich gesagt das ist ne scheiss Idee!“ durchs Handy röhrte, „du musst zu den Bullen!“

Die Brünette hatte – nachdem sie sich heute Mittag vampirischen Zutritt in Lucas‘ Haus verschafft hatte, nur um dann ärgerlicherweise festzustellen dass er verschollen war – das getan was Sim in einer solchen Situation immer tut: Die beste Freundin anrufen. „Ganz tolle Idee, Jamila.“ erwiderte Daka sarkastisch, „und was soll ich denen deiner Meinung nach sagen? Sul, ich bin eine Vampirin und habe einem Sim die Erinnerungen, welche ihm eine andere Vampirin zuvor gelöscht hatte, wiedergegeben und jetzt ist er ungünstigerweise spurlos verschwunden?!“„Uhm… ja!“„Ja?! Hast du einen Knall?!“„Hast du ne bessere Idee?!“

„Meinst du er ist nach Forgotten Dingsbums gereist um seine Tuss zu suchen?“ Dakaria hatte diese Überlegung auch schon. Wen dem wirklich so ist, dann wäre das absolut schrecklich. Ihr Magen zog sich zusammen. Wie konnte er es bloss wagen alleine nach Forgotten Hollow zu reisen, wo er doch eingewilligt hatte, sie dorthin zu führen?! Sie war so kurz vor ihrem Ziel gewesen und nun hatte Lucas alles kaputtgemacht! So in wütenden Gedanken über den Sim versunken, hätte sie beinahe nicht mitbekommen wie Jamila, die derweil natürlich nonstop geredet hatte, nicht nur die Toilettenspülung betätigte, sondern auch etwas von Entführung und Selbstmord erzählte.

„Was?!“ platzte es dann aus der Vampirin heraus, sie hoffte sich verhört zu haben, „von wem sollte er denn entführt worden sein?! Und warum sollte er sich umbringen?!“„Aliens, Vamps… who knows! Und dass er sich umbringt ist gar nicht mal so abwegig, die B*tch hat ihm ziemlich übel mitgespielt.“ Dakas Herzschlag hatte doch tatsächlich für einige Sekunden ausgesetzt und sie brauchte eine Weile um ihre  Stimme wiederzufinden.

„Lucas wurde nicht entführt, wieso auch?! Und er hat sich auch nicht umgebracht!“ rief sie schier ins Handy, versuchte aber gleichzeitig aufkommende Zweifel über ihre eigenen Worte zu unterdrücken. „Dieser Verräter spaziert vermutlich gerade fröhlich durch Forgotten Hollow und lacht sich ins Fäustchen, dabei sollten wir doch zusammen dorthin, er hat es mir versprochen!“„Äh… for real? Bist du jetzt echt sauer weil er dich nicht mitgenommen hat? Und du denkst echt er hat nichts Besseres zu tun als dir eins auszuwischen?“ hakte die Simin am anderen Ende mit einem eindeutigen „du hast sie ja wohl nicht mehr alle“ – Ton nach, „daran dass der arme Kerl in Vampirecity von irgendwelchen blutrünstigen Vampires in Stücke gerissen werden könnte denkst du nicht?“

Daran dachte sie wirklich nicht. Aber je länger sie jetzt darüber nachdachte, umso mehr hielt sie es für völlig aus der Luft gegriffen. Vielleicht versuchte sie es aber auch einfach nur zu verdrängen. Sie wusste es nicht. Das einzige was sie wusste war, dass Jamila ihr bisher keine grosse Hilfe war. „Ich weiss sowieso nicht warum du mit deinen Vampirprobs zu mir kommst, Daka.“„Weil du meine beste Freundin bist!“„Es gibt Dinge bei denen BF’s nicht helfen können, aber Mütter können es.“

Bitte?!

Das Gespräch wurde seitens Dakaria schnell beendet. Wie hatte sie auch nur eine Sekunde lang glauben können, dass Jamila ihr einen weisen Rat hätte erteilen können?! Nein, stattdessen kritisierte sie ihr Handeln, jagte ihr einen gewaltigen Schrecken ein und versuchte ihr dann auch noch ins Gewissen zu reden!

Es vergingen weitere Minuten, in denen sie nichts anderes tat als angespannt in der Küche hin und her zu tigern. Verdammt, was sollte sie denn jetzt nur tun? Ohne Lucas kommt sie vermutlich nie nach Forgotten Hollow! Ihm wird doch wohl nicht ernsthaft etwas zugestossen sein?! Die Unruhe wuchs mit jeder Minute die verstrich. Immer wieder starrte sie auf ihr Handy, welches sie vorhin frustriert und nicht gerade liebevoll auf den Tisch geknallt hatte.

Als sie es nicht mehr aushielt, ging sie energischen Schrittes auf es zu um es in die Hand zu nehmen. Nein… sie würde Veronica nicht anrufen, unter keinen Umständen! Dakaria schleuderte das Gerät zurück auf den Esstisch. Im gleichen Atemzug vernahm sie wie die Haustüre aufgeschlossen wurde. In der nächsten Sekunde stand sie bereits davor und erschreckte den ahnungslosen Eintretenden beinahe zu Tode.

Lucas ging auf Dakarias aufgelöstes „wo zur Hölle warst du?!“ nicht ein, sondern stellte eine genervte Gegenfrage: „Was zur Hölle machst du in meinem Haus?!“ Sie wollte ihn gerade ordentlich zusammenstauchen, als ihr auffiel dass er am Hals eine verdächtige Verletzung aufwies. „Lucas!“ entfuhr es ihr, „wurdest du etwa… gebissen?!“„Geh weg von mir!“ ging der Sim die Vampirin an, als sie sich ihm näherte und als sie nicht zurückwich, holte er doch tatsächlich den Pfahl hervor!

Dakaria rutschte einen Momentlang das Herz in die Hose. Bewahrheitete sich ihre Vision etwa doch? Und wo zum Teufel hatte er einen Holzpflock her?! „Wo zum Teufel hast du einen Holzpflock her?!“„Verschwinde aus meinem Haus!“ befahl der Sim und richtete den todbringenden Gegenstand auf sie.

Trotz der Gefahr, versuchte die Vampirin Ruhe zu bewahren, „Lucas, woher hast du den Pflock?“„Das geht dich einen feuchten Fledermausschiss an!“ tobte er umso aufgeregter. „Nimm ihn bitte runter.“„Nein! Verschwinde aus meinem Haus!“„Lucas…“„Ich sag es nicht noch einmal!“ sein Ton klang warnend, aber das war ihr gleichgültig. Sie hatte es langsam satt ständig mit Pfählen, Gewehren und Messern bedroht zu werden…

Ohne länger darüber nachzudenken, sauste Dakaria übernatürlich auf Lucas zu. Dieser wurde von ihrem Angriff so überrumpelt dass er gar nichts tun konnte, ausser sich von ihr grob und mit dem Gesicht voran gegen die kalte Wand drücken zu lassen. Er krächzte, fuchtelte nervös mit dem Pfahl herum. Doch mit einer jähen Bewegung hatte Daka ihm nicht nur den Arm schmerzhaft auf den Rücken gedreht, sondern ihn auch von seiner Waffe entledigt. Die Brünette rammte sie wenige cm neben seiner Nasenspitze in die Mauer. Der massive Pflock zerschmetterte darin wie ein brüchiges Streichholz.    

Ja ich war in Forgotten Hollow.“ kam es endlich über seine Lippen. Es hatte eine Weile gedauert, bis sie ihn zum reden bringen konnte. Lucas sass am Küchentisch, vor ihm ein Glas Wasser das Daka ihm gebracht hatte. Nun lehnte sie mit verschränkten Armen an der Küchenzeile und musterte ihn genau. Er sah durchnächtigt aus, völlig fertig und so als ob ihm ein paar ml Plasma zu viel entzogen wurden.

Seine Klamotten waren verdreckt, in seinen Haaren hatten sich Laub und Äste verfangen und etwas das aussah und roch wie Vogelkot. „Warst du bei Katerina?“ Böse sah er sie an und spottete: „Nein, ich war beim Blumenhasen!“„Warum hat sie dich gebissen?“„Das war nicht Katy!“„Wer dann? Elle? Marcel?“„Wer zum Henker soll das sein?!“„Weshalb wurdest du nur gebissen und nicht getötet?“ Lucas sprang so ruckartig vom Stuhl auf, dass dieser beinahe nach hinten in die Fensterscheibe gekippt wäre. „Wird das hier ein Verhör oder was?!“ rügte er noch, im nächsten Augenblick fing er an zu schwanken, aber Dakaria war vampirisch schnell zur Stelle gewesen.

„Dir wurde ziemlich viel Plasma abgezapft.“ stellte sie fest und half ihm sich wieder zu setzen. „Wenn du willst gebe ich dir von meinem Plasma, dann geht es dir gleich besser.“ Lucas hob den Kopf, schaute sie erst überrascht, dann abschätzig an, „damit ich auch zu einem Monster werde? Eher sterbe ich!“ 

„Wenn du mein Plasma trinkst wirst du erst dann zum Vampir, wenn du innerhalb der nächsten Stunden stirbst.“ erklärte Daka und setzte sich ihm gegenüber an den Tisch, „das heisst, nur solange sich mein Plasma noch in deinem Organismus befindet. Vampirplasma das dir intravenös eingeführt wird, wird vom Körper nicht ausgeschieden. Das bedeutet, du würdest nach dem Tod in jedem Fall zum Vampir.“„Seh ich so aus als ob mich das interessiert?!“

„Ich will dir nur helfen.“„Ich verzichte auf deine sogenannte Hilfe!“ beim letzten Wort machte er mit den Fingern Gänsefüsschen in der Luft. Daka seufzte, „ich bin nicht deine Feindin, Lucas.“ Von ihm kam nur ein verächtliches „hmpf“, aber sie liess sich davon nicht beirren, und wollte endlich wissen was in Forgotten Hollow vorgefallen war.

Am Tag an dem Lucas verschwand

Seit Stunden sass er schon hier, auf einer harten Parkbank in Forgotten Hollow. Er observierte das Haus, in dem er seine Katy vermutete. Er wollte nicht klingeln, er wollte sie abpassen.

Zuerst hatte er sich im Gebüsch versteckt, um unentdeckt zu blieben. Dummerweise wurde er von einem Stinktier angesprüht und musste aus dem Wald flüchten. Die Kälte kroch gnadenlos in seine Glieder. Immer wieder musste er sich den frischen Schnee vom Kopf und von seinen Schultern wischen. Irgendwann nickte er ein…

„Sul Sul!“ Am Morgen wurde Lucas durch eine kindliche Stimme geweckt. Schwermütig öffnete er die Augen, musste aber heftig blinzeln, da ihn die reflektierende Sonne auf dem Schnee schmerzhaft blendete. Nachdem dieser Schmerz überwunden war, machte sich jedoch gleich der nächste bemerkbar: Sein Körper war völlig steif vom langen Liegen auf dieser unbequemen Bank. Ächzend kam er langsam in eine sitzende Position. Dass er nicht erfroren war musste ein Wunder sein! Nein Moment… da lag ja eine Decke auf ihm. „Ich bin Ava.“ drang wieder diese Kinderstimme an sein Gehör und erst jetzt bemerkte er das kleine Mädchen dass grinsend vor ihm stand.

„Eigentlich Ava-Theodora, aber das tönt voll Omamässig, also nur Ava. Und wer bist du?“„Lu… Lucas.“ kam es heiser aus seiner Kehle, er musste sich räuspern. „Was machst du denn da, Lucas?“„Ich… warte auf jemanden.“„Auf wen denn?“„Auf… meine Freundin.“ Ava hockte sich neben ihn.

Unter ihrer Mütze lugten blonde Haare heraus, die in allen Richtungen abstanden. Lucas, der sich einerseits fragte wer sie war und was sie wollte, fragte sich anderseits auch woher die Decke kam. Ungeschickt faltete er sie zusammen und legte sie neben sich auf die Bank. „Lucas?“ kicherte die Kleine hinter hervorgehobener Hand, „ich glaube du hast Taubenkacka auf dem Kopf!“

Erfolglos hatte der Sim versucht sich die Exkremente aus Mütze und Haar mittels Schnee abzuwaschen. Und anders als Ava fand er dies überhaupt nicht witzig! „Ich muss jetzt leider zur Schule.“ sagte die kleine Blonde daraufhin und hopste von der Bank.

Endlich konnte er in Ruhe weiter das Haus beobachten. Nur passierte nie etwas, weder seine Katy noch sonst wer ging rein oder raus, ausser dass ein paar Stunden später das blonde Mädchen erneut vor ihm stand und im Gegensatz zu ihm, hatte sie weider ein breites Grinsen auf dem Gesicht.

Ava hatte ihm was warmes zu Essen und zu Trinken mitgebracht. Erst wollte er es nicht annehmen, schon gar nicht von einer – so vermutete er – Vampirin, aber wenn er ehrlich war, war er schon ziemlich hungrig und durstig. Also schob er sich das Grillkäsesandwich so gierig rein, dass er sich anschliessend verschluckte und Ava ihm auf den Rücken klopfen musste, damit er nicht erstickte.

„Deine Freundin ist aber gar nicht nett.“ merkte die kleine Vampirin plötzlich an, „wenn sie dich so lange warten lässt.“ Beinahe hätte sich Lucas wieder verschluckt. „Könntest… könntest du mir einen Gefallen tun… Ana?“„Ava.“ „Ava, entschuldige… ich… ich müsste wirklich ganz dringend aufs Klo. Könntest du solange auf das Haus dort aufpassen?“ mit ausgestrecktem Arm wies er auf das viktorianische Haus dass ihnen gegenüberstand. „Du musst einfach nur schauen ob jemand rein oder rausgeht.“„Okay.“ meinte die Kleine nur mit Schulterzucken.

„Und?“ Ava schüttelte den Kopf, als Lucas zurück war und sie voller Hoffnung ansah. Enttäuscht setzte er sich weider neben sie und schaute zum Haus rüber. Vielleicht sollte er doch mal anklopfen? Langsam setzte die Dämmerung ein und er wollte ganz sicher nicht wieder hier draussen in der Kälte übernachten. „Ich muss jetzt leider nach Hause.“ unterbrach Ava seine Gedankengänge. Sie hatte tatsächlich den ganzen Nachmittag bei ihm verbracht. „Danke.“ sage Lucas leise, schon fast verlegen, als sie schon im Gehen war, „für das Essen, meine ich.“

Ava drehte sich nochmal um und winkte ihm lächelnd. Zögerlich stahl sich nun auch ein Schmunzeln auf sein Gesicht. So ein herziges Mädchen. Schade dass auch sie bald verdorben und durchtrieben sein wird, wie alle Vampire…

Sein Lächeln erstarb und seine Kinnlade kippte runter, als er sah in welche Richtung Ava sich entfernte. Die Kleine ging schnurstracks auf das Haus zu, in dem Katy sich befinden musste!

„Ava! Warte!“ So schnell wie eben war er wohl noch nie gerannt. „Du… du wohnst hier?!“ fragte er, als er nach Luft ringend neben ihr am Eingang stand, „wieso… wieso hast du mir das nicht gesagt?!“„Du hast ja auch nicht gefragt?“„Ich muss sofort Katy sehen!“„Wer ist Katy?“„Meine Freundin!“„Die dich so lange warten lässt?“„Ja, ja genau die!“„Nachdem sie dich so lange warten lässt, willst du sie noch sehen?“

Obwohl Lucas sich wie auf die Folter gespannt fühlte, versuchte er ruhig zu klingen: „Kannst du sie bitte einfach holen?“„Katy ist nicht hier.“„Wo ist sie?“„Weiss ich nicht.“„Wann ist sie gegangen?“ – „Sie ist nicht gegangen.“„Aber du sagtest doch gerade dass sie nicht hier ist?“„Ist sie auch nicht.“„????“  – „Wenn sie nicht hier ist, dann kann sie auch nicht gegangen sein, oder?“ Lucas war schon der Verzweiflung nahe, als sich die Tür öffnete und eine mit noch helleren Harren als Ava sie hatte, nach draussen trat.

„Wer ist das?“ fragte sie das Mädchen und zeigte auf den Fremden. „Das ist mein neuer Freund Lucas. Lucas sucht seine gar nicht nette Freundin Katy, weisst du wo Katy ist, Mom?“„Katy?“ wiederholte die Blondine, „sagt mir nichts.“„Sie wohnt hier!“ warf Lucas ein. Die junge Mutter schüttelte den Kopf, „tut mir leid, das muss ein Irrtum sein. Komm jetzt, Ava.“„Darf ich Lucas noch meine Voidkreaturen-Sammlung zeigen?“„Nein!“ Sie legte die Hand auf den Rücken ihrer Tochter und schob sie ins Haus. „Nichts für ungut.“ meinte sie zum Sim. Doch noch bevor sie selber ins Haus eintreten konnte, bekam Lucas ihren Arm zu fassen, „bitte, ich muss sie sehen!“

„Hier wohnt wirklich keine Katy.“ versicherte Avas Mutter gerade zum zweiten Mal und zog die Tür hinter sich zu, da Lucas nicht aufhörte dreist ins Haus hinein zu linsen. Ihr Töchterchen hatte sie zuvor nach oben geschickt. „Ich kenne auch keine Katy.“

Da packte Lucas das Foto hervor dass ihn und Katy zeigte und hielt es ihr vors Gesicht. „Ach die… das ist Kate!“ Doch immer noch behauptete sie dass Katy oder Kate oder wie auch immer sie sich jetzt nannte, nicht hier wohnte. Lucas verlor langsam, ja nicht nur die Geduld, sondern auch die Nerven. Weil er sich anders nicht mehr zu helfen wusste, zückte er den Holzpflock. Die Panik die sich nun in ihren blauen Augen zeigte, verriet ihm dass es sich bei ihr ebenfalls um eine Vampirin handeln musste. Schnell hatte sie sich wieder gefangen, doch eher sie reagieren konnte, hatte Lucas sie mit ein paar Knoblauchknollen beworfen, die sie schlagartig ausser Gefecht setzten.

„Bitte!“ stöhnte sie geschwächt und zitternd gegen die Haustür lehnend, im Visier, der Pfahl der auf sie zielte, „ich habe eine kleine Tochter!“„Glauben Sie mir, ich tu das nicht gern!“ stiess Lucas, mit ebenso zittriger Stimme, hervor, „ich will doch nur mit Katerina reden!“ Im nächsten Augenblick erfasste ihn etwas blitzschnell und schleuderte ihn mit geballter Kraft über die Veranda. Lucas flog Meterweit durch die Luft, überschlug sich und blieb dann reglos im Schnee liegen. Ein rauer Griff der ihn am Kragen packte und zurück auf die Beine beförderte, holte ihn ins Bewusstsein zurück. Seine verschwommene Sicht wurde klar genug, dass er zwei pink leuchtende Augen vor sich erkennen konnte.

„Sul!“ sprach die Vampirin zu der sie gehörten. Sie legte ihren Kopf zur Seite und lächelte listig, so dass ihre rasiermesserscharfen Eckzähne aufblitzten.

Lucas hielt den Atem an…

Er hatte sie schon einmal gesehen…

Damals, als er seine Katy aufgespürt hatte…

Und da war doch auch dieser Typ gewesen…

… der ihn vor ein paar Wochen in Brindletony Bay beinahe über den Haufen gerannt hatte!

Er wollte ihn fressen und sie hatte ihn gerettet…

… nur damit sie ihn später selber fressen konnte.

„Ich…“ raunte er angestrengt, sein ganzer Körper tat weh und seine Gelenke brannten wie Feuer, „ich will nur Katy sehen.“„Tja so ein Pech, Verlobter,“ zischte die mit den funkelnden Augen schadenfreudig, „Katy-Schätzchen ist nicht hier.“

Dann wurde ihre Miene ernst und sie warnte: „Falls ich dich noch einmal mit einem verdammten Holzpflock in der Nähe meiner kleinen Enkelin erwische, dann schlage ich dir den Kopf ab und hänge ihn mir an die Wand!“ sie schüttelte ihn grob, „hast du mich verstanden?!“ Der Pflock! Ein Hoffnungsschimmer! Doch… oh nein! Er hatte ihn, als er von diesem Monster wie Müll durch die Luft geworfen wurde, verloren! Also holte er rasch etwas anderes aus seinem Inventar, seine letzte Knoblauchknolle mit der er seinem Gegenüber sprichwörtlich das Maul stopfte: „Friss das du Teufelsweib!“

„BlödSim!“ keifte sie, nachdem sie die Knolle angewidert wieder ausgespuckt hatte, „dagegen bin ich immun!“ Dann fauchte sie, warf den Kopf in den Nacken und versenkte ihre Hauer in Lucas‘ Hals.

„Ich bin dann heute morgen, als es wieder hell war, im Schnee aufgewacht. Ich wurde zugedeckt und… jemand hatte mir Essen und Trinken hingestellt.“ beendete Lucas seine Erzählung. „Du wolltest ernsthaft die Mutter dieses kleinen Mädchens pfählen?!“ empörte sich Daka und sah ihn fassungslos an. „Natürlich nicht! Ich wollte ihr nur ein wenig Angst einjagen!“„So wie du mir vorher ein wenig Angst einjagen wolltest?!“

„Tu nicht so als wäre ich ein Schwerverbrecher! Warum muss ich mich dir gegenüber überhaupt rechtfertigen?!“ seine Stimme wurde wieder lauter und seine Züge wirkten ungemütlich. Dakaria musste an die Sache anders rangehen.

„Wir finden deine Katy schon.“ äusserte sie, nachdem eine Zeitlang Stillschweigen in der Küche geherrscht hatte. Sie war sich unsicher ob er nach diesem Erlebnis überhaupt nochmal freiwillig einen Fuss in dieses Dorf setzen-, ergo ob er sie überhaupt noch dorthin bringen würde, aber unter dem Vorwand dass sie ihm helfen würde seine Verlobte wiederzufinden, ganz bestimmt.

Aber daraus wird heute nichts mehr. Er war viel zu fertig und wollte ihr Plasma zur Genesung ja nicht. Wieder ein verlorener Tag. Daka ärgerte sich. Wenigstens brauchte sie nicht zu befürchten dass er wieder „verschwinden“ würde. Die Vampire dort hatten ihm eine Lektion erteilt und sie hatte ihm vorhin auch gezeigt dass mit ihr nicht zu spassen war. Und immerhin konnte sie jetzt ihren Termin wahrnehmen, den sie in der ganzen Aufregung beinahe vergessen hatte. Nein das stimmte nicht. Sie hatte ihn nicht vergessen. Ehrlich gesagt wusste sie nicht einmal, was ihr heute mehr Muffensausen bereitet hatte, Lucas‘ Verschwinden, oder das Training dass ihr mit Igors Herrchen und seinem neuen Hund bevorstand.

Der von ihr vorgeschlagene Treffpunkt war eine dumme Idee gewesen. Schliesslich wurde Igor in der Nähe vergiftet! Was hatte sie sich nur dabei gedacht?! Während sie also darüber nachdachte woran sie damals dachte, wenn sie überhaupt nachgedacht hatte, wurde es dunkel um sie herum.

Auf der gegenüberliegenden Seite entdeckte sie die verrückte Katzenlady, die sich vermutlich gerade einen Abendspaziergang gönnte. Gerade als Dakaria glaubte die beiden würden nicht mehr zum abgemachten Termin auftauchen, hörte sie das Geräusch einer baumelnden Hundemarke an einem Halsband dass ihr das Gegenteil verriet. Kaum hatte der junge Mischling die Tierärztin erspäht, zog er an der Leine wie ein Irrer, so dass sein Halter auf dem Schnee ausrutschte und hinfiel. Dakaria erschien vampirisch um ihm wieder auf die Füsse zu helfen.

Er bedankte sich, während sein Hund mit der Rute wedelte und so guckte, als hätte er nichts angestellt.

„Wie läuft’s denn so mit ihm?“„Abgesehen davon dass er das Sofa angekaut und den ganzen Teppich vollgepinklet hat und bevorzugt aus der Toilette statt aus dem Napf säuft…“ er machte eine kleine Pause wobei er den Kopf schief legte und so tat als müsste er scharf nachdenken, „läuft es ganz gut.“

„Oh Gott!“ Dakaria hielt sich die freie Hand an den Mund und konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. „Ich denke ich kann jetzt wieder alleine stehen,“ bemerkte der Brillenträger plötzlich, da sie immer noch seine Hand festhielt, „bin doch schon ein grosser Junge.“

Errötet liess sie ihn sofort los und stammelte ein: „Verzeihung!“„Oh nein, ich muss mich entschuldigen, für die Verspätung.“ Dakaria lächelte nervös, „macht nichts, ich bin doch auch erst gekommen.“ flunkerte sie und zwang sich mit glühenden Wangen seinem Blick standzuhalten. Aber diesmal war etwas anders.

Er wirkte irgendwie bedrückt.

„Stimmt etwas nicht?“ fragte sie ihn besorgt. „Es ist alles in Ordnung.“ Er bemühte sich zu einem Lächeln, was ihm aber nicht so recht gelingen wollte. „Sollen wir?“ versuchte er dann offenbar das Thema zu wechseln und wies mit dem Kinn Richtung Hund, der schon strangulierende Laute von sich gab, da er sich mit der Leine im Gestrüpp verfangen hatte.

Obwohl der Sim zunächst noch etwas abwesend gewirkt hatte…

… wurde es zum Ende hin dann doch noch eine lustige Stunde.

Dakaria hatte dabei ihr Umfeld überhaupt nicht wahrgenommen und…

… nicht bemerkt dass sie schon eine ganze Weile beobachtet wurden.

weiterlesen… Snowballs!

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