Kapitel 24

Wild wild West

verfasst: 09.06.2020

Es war trüb und ein Smog ähnlicher Nebel hing über dem Valley. Bizarre, violette Partikel flogen durch die Luft, als jemand aus vollem Halse schrie: „Yo Daka! Komm mal her und mach Pics von mir mit diesem bizarren Dingsda im Hintergrund!“

Die Vampirin wirbelte erschrocken herum, „Jamila!“ Sie sollte sich doch eigentlich mit ihr und Lucas hier hinter dem Kaktus verstecken! Stattdessen stand sie mitten auf dem Highway und machte Selfies und Fotos von diesem umgekehrten und auffallend violet farbigen Hurricane, der an Ort und Stelle zu verharren schien. Bizarr! Mit wilden Handzeichen signalisierte Daka ihrer besten Freundin, sie solle gefälligst sofort wieder herkommen. „Boah, du bist mal wieder ’ne Spassbremse hoch tausend, ey!“ maulte diese und schlurfte Augenrollend zurück.

„Wieso hast du sie überhaupt mitgenommen?“ wollte Lucas von der Brünetten wissen. „Ich hab sie nicht mitgenommen. Sie hat sich, wie so oft, selber eingeladen.“ – „Meint ihr etwa ich lass mir so ein Abenteuer entgehen? Warum sollt nur ihr Spass haben, damn?!“„Jamila, wir sind nicht zum Vergnügen hier.“ erinnerte Dakaria, doch ihre Freundin hörte schon gar nicht mehr zu, sondern brachte ihre Handykamera in Position: „Hey, stell dich mal neben Lu und dann sagt beide YOLO!“„Jamila, bitte…“„Ihr könnt auch Yee-haw sagen.“ Bevor Daka ihr Vorhaben Jamila das nervige Ding aus der Hand zu schlagen in die Tat umsetzen konnte, tauchte auch schon Igors Herrchen auf.

Er übergab Lucas einen Beutel und wies ihn und Dakaria auf, die sich darin befindenden Kleidungsstücke, die er eben für eine hübsche Stange Simoleons vom Kuriositäten Laden hatte, anzuziehen.

„Jamila ist angemessen für StrangerVille gekleidet.“ befand er, als Daka und Lucas sich hinter einigen Kakteen umzogen und Jamila ihm ihr Handy in die Hand gedrückt hatte, damit er Fotos von ihr schoss, während sie sich gekonnt in Pose schmiss, „fehlt eigentlich nur noch das Pferd.“

„Was soll ich denn mit ’nem Gaul? Ich will lieber ’nen Colt!“ konterte sie kess, „du weisst schon: Peng! Peng!“

„Und n‘ Lasso! Damit ich mir die hotten Cowboys einfangen kann!“ – „Sul?!“ kam es von Lucas, „ich könnte wirklich ein wenig Hilfe gebrauchen!“ Er hüpfte mit hochrotem Kopf auf einem Bein rum und versuchte irgendwie in den schweren und unbequemen Schutzanzug zu kommen.

„Vergesst es!“ ertönte dann seine dumpfe Stimme unter dem Helm, „das zieh ich nicht an! Ich krieg ja kaum noch Luft!“„Um hier nicht aufzufallen, ist es leider unvermeidbar.“ erwiderte Igors Herrchen. „Wieso muss ich das Ganzkörperkondom anziehen?! Es sind 40 Grad im Schatten, ich schwitze wie ein Schwein!“

Dem Brillenträger blieb schlussendlich nichts anderes übrig, als nochmals eine menge Simoleons zu blechen, um Lucas ein neues Outfit zu besorgen.

Doch auch daran hatte der Herr etwas auszusetzen: „Ich seh aus wie ein Verrückter!“ Jamila brach in Gelächter aus und zückte wieder ihr Handy, während der Andere erklärte: „Sie sehen wie ein Verschwörungstheoretiker aus, das ist perfekt!“

Kurz darauf kam Dakaria fertig umgezogen zurück und allen blieb kurz die Spucke weg.

Ihre BF sprach aus, was mindestens noch ein weiterer Sim dachte: „Giiiiiirl! You look hot as f*ck!“

Dem Wissenschaftler war es tatsächlich gelungen, die 3 inkognito über die Grenze und ins Stadtzentrum von StrangerVille zu bringen. Die Gebäude rechts und links der Hauptstrasse erinnerten an eine Westernstadt wie aus dem Film, so dass die quirlige Kurzhaarige sich sogleich nach dem Saloon erkundigte. „Jamila, wir haben keine Zeit für sowas!“„Ich hab aber Durs… äh… ich meine, ich muss aufs Klo, Daka!“

Nachdem Igors Herrchen ihr den Weg zum Saloon gewiesen hatte, streckte er Dakaria einen Zettel zu, auf dem sich die Wohnadresse einer Katerina Petrova befand. „Ich würde euch gerne begleiten, aber ich muss zurück ins Labor. Bleibt zusammen, weicht nicht von der Strasse ab und sprecht mit niemandem.“ mahnte er eindringlich und sah abwechselnd Daka und Lucas an, haltet euch ja von den bizarren Pflanzen fern und esst auf keinen Fall ihre Früchte! Und – egal was auch passiert – geht unter keinen Umständen in die Nähe des Kraters, über dem ein Tornado ähnlicher Sturm tost! Kann ich mich auf euch verlassen?“ Die Offizierin und der Verschwörungstheoretiker sahen sich kurz an und nickten zögerlich. „Gut, ich erwarte euch vollzählig und unversehrt vor Sonnenuntergang wieder hier.“„Gib mir das!“ befahl Lucas und riss der Vampirin den Fetzen aus der Hand. „Ich muss auch noch aufs Klo!“ sagte er und schlug den gleichen Weg ein, wie Jamila vorhin.

Nun waren sie und der Wissenschaflter allein. Zwischen ihnen herrschte nicht nur eine erdrückende Stille, sondern auch eine kaum zu ertragende Atmosphäre. Unauffällig musterte sie ihn von der Seite und versuchte, seine Miene zu ergründen. Normalerweise wirkte er interessiert, lächelte und nahm Blickkontakt auf, aber heute zog er einfach nur eine ernste Schnute. Daka kam sich vor als wäre sie… Luft.

Aber was wunderte sie sich, immerhin hatte sie ihm vor ein paar Stunden nicht nur die Erinnerungen an den Angriff und an den Mord genommen, sondern auch die Gefühle, die er für sie empfand, vergessen lassen. Vermutlich war sie für ihn nun nichts weiter als eine flüchtige Bekannte… Sie seufzte tief in sich hinein und wünschte, sie könnte dasselbe mit sich selbst tun. Sie fühlte sich nämlich immer noch stark zu ihm hingezogen. Hoffentlich würden sich ihre Gefühle mit der Zeit abschwächen, aber dafür müsste sie endlich Abstand zu ihm gewinnen. 

Viele Minuten vergingen, ohne dass die beiden Sims von ihrem Toilettengang zurückkehrten und mit zunehmender Nervosität, hatte Dakaria plötzlich eine böse Vorahnung was Lucas betraf…

Natürlich hatte er nur vorgetäuscht, er müsse aufs Klo. In Wahrheit war er auf einem Drahtesel, den er irgendwo irgendjemandem geklaut hatte, längst auf dem Weg zu seiner Katy.

Jamila hingegen, begegnete auf ihrem Weg zum Saloon einer Gruppe vorbeijoggender Soldaten. Ihre trockene Kehl… äh… ich meine, ihr Druck auf der Blase schien auf einmal wie verflogen. Sie machte kehrt und folgte den jungen Herren, die sie direkt zum Trainingscamp des Militärs führten.

Viele Söldner tummelten sich hier und präsentierten ihre verschwitzten, durchtrainierten Astralkörper. Der Simin fielen beinahe die Augen aus dem Kopf. „HAAAAALLELUJAH!“ rief sie begeistert aus und streckte beide Arme gen Himmel, „danke Gott, du bist echt der Grösste!“

„Ich muss Lucas finden!“ Daka war plötzlich wie auf heissen Kohlen, „ich befürchte er könnte etwas dummes anstellen, er ist nicht gut auf seine Ex zu sprechen!“„Wer ist das nicht?“ erwiderte der Sim trocken und versank kurz in Selbstmitleid. „Haben Sie noch ihre Adresse? Ich muss sofort dahin!“„Dafür müsste ich mich noch einmal ins System hacken, aber…“„Tun Sie’s!“ unterbrach Dakaria, trat an ihn heran und schaute ihn wieder mit diesem durchdringenden Blick an.

Auf seinem Zimmer im Motel, dass eher an eine billige Absteige aus einem Film erinnerte, wo hinter verschlossenen Türen schändliche Dinge geschehen, erwartete die beiden tatsächlich eine Überraschung. Die andere Ex räkelte sich auf dem Bett und was sie anhatte, erinnerte stark an eine Corsage welche früher von Tänzerinnen in Saloons getragen wurde. Sie hatte sogar an die Federboa gedacht. Ihr verführerisches Grinsen verwandelte sich in eine eifersüchtige Fratze, als sie ihre Kontrahentin neben ihrem Gatten entdeckte, aber sie bemühte sich um Fassung: „Da bist du ja endlich, mi amor.“ flötete sie und rutschte grazil vom Laken.

Mit übertriebenem Hüftschwung, stöckelte sie auf den Sim zu. Als sie sich an ihn schmiegte, stiess er sie von sich, was sie zutiefst empörte. „Was will die denn hier?!“ giftete sie in Dakas Richtung, „und was hat die an?!“

„Das gleiche könnte ich dich fragen!“ giftete ihr Mann zurück, „und wie bist du hier reingekommen?!“„Du glaubst gar nicht, was Sim alles am Kurio-Shop kaufen kann!“ Die Schwarzhaarige lachte kurz auf und schüttelte den Kopf, als könnte sie es selbst noch nicht glauben, „von Klamotten, über gefälschte Identitäten bis hin zu kopierten Zimmerschlüsseln, ist das nicht bizarr?“ Aufreizend wandte sie ihren kurvigen Körper hin und her, „und, gefalle ich dir?“

„Nein! Und jetzt verschwinde!“ Nicht gerade zimperlich, packte er sie am Arm und wollte sie in ihrem Hauch von Nichts aus dem Zimmer befördern. Doch das liess sie nicht mit sich machen! Sie parkte ihren prallen Hintern auf den Teppich und klammerte sich wie ein trotziges Kleinkind am Bettgeländer fest. Nachdem nicht nur er, sondern auch die Vampirin mit ihren sowieso schon strapazierten Nerven am Ende war, setzte sie sie dann mittels Gedankenkontrolle vor die Tür.

Dakaria war ebenfalls schon halb zur Tür raus, nachdem sie die Adresse von Katerina erneut bekommen hatte, als sie stoppte und sich nochmals nach dem Sim umdrehte. Unschlüssig stand sie einige Sekunden unter dem Türrahmen, ehe sie an ihn herantrat. „Danke für Ihre Hilfe.“ sagte sie, bevor sie ihn dann zum letzten Mal manipulierte.

Nicht nur befahl sie ihm, sich einen neuen Tierarzt zu suchen, sondern verlangte von ihm, dass er sie endgültig aus seinem Gedächtnis löschte. Einen Momentlang starrte er sie verständnislos an, bevor sein Blick sich verfinsterte und sich seine Augenbrauen zusammenzogen, „nein!“ sagte er mit harter und verbitterter Stimme.   

Bei Lucas

Praktisch jeden Sim den er nach dem Weg fragte, konnte ihm keine Auskunft geben. Er war sich nicht mal sicher, ob sie seine Frage verstanden, bzw. ob sie überhaupt simlisch sprachen, denn sie grinsten ihn lediglich an, machten krankhafte Zuckungen und redeten permanent von ihrer Mutter.

Bizarr!

Glücklicherweise traf er doch irgendwann noch, als er schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, auf einen normalen Sim: „Das ist eines der Häuser auf dem Felsplateau.“ So schnell er konnte war er unter der Sonne, die trotz bizarren Dunstes, ihre heissen Strahlen auf die Erde niedersandte, den Berg hinaufgeradelt. Er war völlig nassgeschwitzt, als er achtlos das Fahrrad gegen einen Kaktus warf und atemlos und mit klopfendem Herzen auf das Haus starrte, indem seine Katy sich befinden musste…

Bei Daka

„I-ich… ich versteh nicht…“ stotterte die Brünette völlig verwirrt und bleich wie eine Kalkwand, „Sie… Sie können sich erinnern? An… an was genau?“„An alles.“ Ein Stich fuhr ihr durchs Herz. „A-aber wie… wie ist das möglich, ich habe doch…“„Hat nicht funktioniert.“ Er kramte was aus seinem Inventar und warf es ihr zu. Obwohl es ein sauberer Wurf war, konnte sie es beinahe nicht fangen, weil sie immer noch unter Schock stand. „Wissen Sie was das ist?“ Unsicheres Kopfschütteln, es sah aus wie ein Kraut. „Eisenhut.“ erklärte er, „schützt vor Vampirmanipulationen.“ Ihr Gesicht war ein einziges Fragezeichen. „Steht in Ihrem Vampirbuch. Das Kapitel haben Sie wohl überlesen.“

Vampirbuch? Daka versuchte sich zu erinnern, aber die Gedanken sausten in ihrem Kopf herum wie ein Schwarm aufgeschreckter Fledermäuse und machten ihr einen Rückblick schier unmöglich. Aber dann dämmerte es ihr. Das musste der Morgen sein, nachdem er angeschossen wurde und sie zusammen die Nacht in ihrer Klinik verbracht hatten, er plötzlich ihr Buch hatte, sich wie ein BlödSim aufführte und schliesslich ihr Geheimnis enthüllte! Eisenhut? Hatte sie dieses Kapitel tatsächlich überlesen? Sie schämte sich förmlich in Grund und Boden… Aber gleichzeitig kam da eine Wut und Enttäuschung in ihr auf. „Was fällt Ihnen ein in meinen Schachen rum zu schnüffeln!“ warf sie ihm unbeherrscht an den Kopf. „Was fällt Ihnen ein in meinen Gedanken rum zu pfuschen!“ gab er zurück.

Bei Lucas

Nachdem er Minutenlag einfach nur ungerührt dagestanden hatte, fasste er den Entschluss, anzuklopfen. Gerade als er den ersten Schritt auf das Haus getan hatte, öffnete sich die Tür und er überlegte es sich anders. Mit einer Hechtrolle à la Held in einem Actionfilm, brachte er sich in Deckung. Leider war er längst nicht so gelenkig wie besagter Held und so landete er äusserst unsanft auf dem harten, steinigen Boden. Kratzer und Schürfwunden zierten nun seine Arme und sein Gesicht, doch er schien nicht weiter verletzt zu sein. Gespannt linste er durch den verdorrten Strauch. Sein Herz setzte prompt einen Schlag aus, als er nach all der Zeit, endlich seine Verlobte Katerina auf der Veranda des Hauses stehen sah.

Seine Katy.

Sie war noch immer so schön wie er sie in Erinnerung hatte. Die Zeit schien spurlos an ihr vorbeigegangen zu sein. Naja, sie war ja auch ein Vampir und die altern bekanntlich ja nicht. Ausserdem war ja noch gar nicht so viel Zeit vergangen. Ohne es zu merken, trat ein Lächeln in sein Gesicht. Er konnte sich noch, oder besser gesagt wieder, daran erinnern, wie ihr weiches Haar sich in seinen Händen anfühlte, wie zart ihre Haut war oder wie sie duftete, wie sie küsste, wie sie ihn berührte… Sie sah einfach bezaubernd aus und lächelte dieses besondere Lächeln, das er so sehr liebte. Aber das Lächeln galt nicht ihm, sondern dem anderen. Dem grosswüchsigen Kerl mit der sportlichen Figur, dem markanten Gesicht und der komischen Frisur, der übrigens genau so bleich wie Daka war, und der wie selbstverständlich neben seiner Katy stand.

Lucas Lächeln brach in sich zusammen.

Bei Daka

Dakaria hatte sich aufs Bett setzen müssen, während er sich mit verschränkten Armen an den Tisch lehnte. Nach langem Besinnen fragte sie: „Woher haben Sie den Eisenhut?“„Aus Forgotten Hollow.“ Was? Kannte er etwa dieses Kaff? „Seit wann?“„Seit ein paar Wochen.“ Sie gab ein kurzes, entsetztes Stöhnen von sich. Das wurde ja immer besser! Hätte sie Lucas etwa gar nicht das Gedächtnis zurückgeben müssen um nach Forgotten Hollow zu gelangen? Hätte sie stattdessen einfach ihn nach dem Weg fragen können? Hätte das ganze Theater mit Katerina und StrangerVille etwa gar nicht sein müssen? Dann drängte sich plötzlich ein anderer, wirrer und überaus ungünstiger Gedanke dazwischen.

„Sie vertrauen mir nicht…“ – „Wie bitte?“ – „Sie vertrauen mir nicht… warum sollten Sie sonst den Eisenhut haben?“ stellte sie gekränkt fest. „Selbst wenn es so wäre, Sie werfen mir das wirklich vor? Nachdem Sie mich gerade zum wiederholten Male manipulieren wollten?“„Das ist nicht fair! Ich habe das nur zu Ihrem Besten getan!“„Sie reden von Fairness? Was soll daran fair sein, mich alles was Sie betrifft, vergessen zu lassen, Dakaria?“„Davon rede ich nicht!“„Aber ich!“

Bei Lucas

Der Wind kam günstig und brachte Wortschnipsel zu ihm. Er hielt sich immer noch hinter dem Busch versteckt und beobachtete Katy und ihren neuen Macker mit Adleraugen. „Wie lange dauert dieser Wahnsinn noch?“ fragte sie, legte ihre Hände an seine Brust und strich in liebevollen Gesten über seinen weissen Kittel, der ähnlich aussah wie der, von der bebrillten Laborratte, die immerzu Daka heimliche Blicke zuwarf. „Ich hoffe nicht mehr lange. Die Wissenschaftler und wir arbeiten auf Hochtouren an einer Lösung.“ sagte der, für den Katy ihn verlassen hatte. „Ich vermisse Forgotten Hollow.“ meinte sie daraufhin, „die kleine Ava und Hannah,“ dann musste sie schmunzeln, „ja sogar deine Schwester, Lilith.“

„Ich weiss.“ antwortete der, dessen Name Lucas gar nicht kannte und der die Frechheit besass, seiner Katy tröstend das Gesicht zu streicheln, „du könntest als Fledermaus zurückfliegen, das würde kein Sim merken.“ – „Ich soll dich zurücklassen?“ Er nickte. Sie schüttelte den Kopf, „ich würde dich niemals zurücklassen.“ Lucas ertrug kaum den Anblick, als der unverschämte Kerl sich einfach zu ihr runter beugte und seine Stirn gegen ihre legte. Und als seine Katy dann auch noch ihre Arme um seinen Nacken schlang und sich an seine Lippen hob, musste er wegsehen.

Bei Daka

Von ihrer Seite aus folgte langes, bitteres Schweigen. Obschon sie seinen Blick mied und stattdessen die fette Spinne in ihrem Netz beobachtete, liess er ihr Gesicht keine Sekunde aus den Augen. „Ich wollte nicht, dass Sie diese Seite von mir kennenlernen.“ brachte sie schliesslich mühsam hervor und sah ihn verschämt an. Sein Gesichtsausdruck hatte sich verändert. Er löste seine verschränkten Arme und nickte, als wollte er sagen „ich weiss.“ oder „ist schon gut.“ Kein Verurteilen? Kein Hinterfragen? „Das lässt Sie völlig kalt?“„Tut es nicht.“ Er ging auf sie zu und liess sich neben sie nieder.

„Aber Sie kommen damit klar?“ forschte sie ungläubig nach, als er nichts weiter dazu sagte. Er lächelte schwach. „Machen Sie sich deswegen keine Sorgen. Ich habe schon Dinge gesehen, bizarre Dinge, die Sie sich in Ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können.“

Nach einer weiteren Weile, in der sie still nebeneinandersassen und ihren Gedanken nachhingen, fragte er sie, ob alles in Ordnung wäre. Daka nickte. „Auch zwischen uns?“

Als sie nicht reagierte, suchte seine Hand Kontakt. Sie erzitterte kurz unter seiner Berührung. „Nicht.“ bat sie, als Gefühle sie zu überwältigen drohten und sah ihn inständig an, „ich meinte es ernst, als ich sagte, wir sollten uns nicht mehr sehen.“ Ihre eigenen Worte taten ihr in der Seele weh und ihre Stimme war plötzlich nicht mehr als ein Flüstern, „Sie müssen damit aufhören.“„Womit?“„Mit Ihren Blicken… mit Ihren Berührungen…“„Warum?“ Gequält schüttelte sie den Kopf. Was erwartete er denn von ihr? Wieso machte er es ihr denn so schwer? Warum konnte er es denn nicht einfach gut sein lassen? Tränen stauten sich hinter ihren Augen, wie ein eingedämmter See und am liebsten hätte sie sie einfach fliessen lassen.

Sie hatten Recht, als Sie sagten, ich sei verrückt nach Ihnen.“ sprach er leise und strich ihr eine herunterhängende Locke hinters Ohr.

Es war die sanfteste Berührung die sie je erlebt hatte. Daka wollte aufspringen, wollte fliehen, aber gleichzeitig wollte sie bleiben, wollte mehr… Sie glaubte noch nie so hin und hergerissen zu sein. „Bitte schliessen Sie mich nicht aus Ihrem Leben aus, ich möchte Zeit mit Ihnen verbringen, nicht nur wenn Sie meine Hilfe benötigen, oder wenn unser Hund demnächst eine Spritze braucht, oder ich nicht weiss, wie ich ihm Sitz beibringen soll.“ Unser Hund? Hat er gerade… unser Hund gesagt?

„Ich möchte am liebsten jeden Tag und jede Nacht mit Ihnen verbringen. Sie machen jede Freude grösser und jedes Leid erträglicher. Ich möchte mit Ihnen lachen und mit Ihnen weinen und Ihnen zur Seite stehen und zwar nicht nur als Freund, sondern auch als Partner, weil…“ und er nahm ihre Hände, führte sie an seine Lippen, küsste beide Handrücken und schaute ihr tief in die Augen, als er mit aller Überzeugung die er aufbringen konnte sagte, „weil ich Dich liebe, Dakaria.“

Sie hielt den Atem an. Die Wärme und Wertschätzung seiner Worte, berührten sie unerwartet tief und liessen jeglichen Widerstand ersterben. Eine Träne hatte sich von ihrem Unterlid gelöst und rollte einsam ihre gerötete Wange hinab. Er wischte sie behutsam fort und streichelte zärtlich über ihre Haut. Aus einem Impuls heraus, neigte sie ihren Kopf und schmiegte sich an seine Hand. Gerührt darüber und mit verdächtig glänzenden Augen, hielt er einen Moment inne, bevor er näher kam und sie küsste. Dakaria kniff die Augen zusammen. Eine auftretende Angst, wieder die Kontrolle zu verlieren und ihm weh zu tun, liess sie verkrampfen. „Entspann dich.“ murmelte er zwischen dem Kuss, „alles ist gut.“ Sie wollte ihm glauben, wollte ihm vertrauen, so wie auch er ihr vertraute.

Und so entspannte sie sich und begann los zu lassen.

Bei Lucas

Der Kuss schien unendlich zu dauern und Lucas musste sich sehr zusammenreissen, nicht in den Busch zu reihern. Oder den BlödSim mit Steinen zu bewerfen.

Endlich hatten sich ihre Münder voneinander gelöst! „Sei vorsichtig.“ Kate strich ihm über die Wange und er hielt ihre Hand, viel zu lange, wie Lucas fand, bevor er die Stufen runterstieg und sie sich ins Haus zurückzog. Lucas war ihm heimlich gefolgt. Vorbei an Kakteengewächsen, Sträuchern, ausgedörrten Gräsern und bizarren Pflanzen.

Doch plötzlich geschah etwas bizarres. Auf einmal spürte er jäh einen stechenden Schmerz, der wie ein Stromstoss durch sein Nervensystem jagte und ihn aufschreien liess. Sein Körper verkrampfte abrupt, er stolperte und fiel mit dem Gesicht voran in den staubigen Dreck.

Noch bevor er das Bewusstsein verlor, hörte er gedämpft eine Stimme über sich, die ihm sagte, er solle sich nicht bewegen.

weiterlesen… Goodbyes

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