Kapitel 29

Epilogue

verfasst: 22.10.2020

Langsam öffnete sie ihre Augen. Sie hatte das Gefühl, als sehe sie den Himmel zum ersten Mal.

Er hatte eine seltsame Farbe… golden. Vorsichtig setzte Marisol sich auf und blinzelte. Sie befand sich mitten in einem Blumenmeer auf einer Waldlichtung.

Die Luft war warm und erfüllt von aromatischem Duft. Sie stand auf und blickte sich um.

Schön war es hier. Fast Märchenhaft. Was war das für ein Ort? War das etwa… der Himmel?

Und dann entdeckte sie ihn. Er stand auf der anderen Seite des Weihers.

Ihr Herz machte promt einen Salto.

Sie war so erleichtert! Alles war nach Plan verlaufen. Jetzt hatte sie ihn endlich wieder. Ein freudiges Strahlen erhellte Marisols Gesicht, sie rannte auf ihn zu.

Doch auf einmal, stand er nicht mehr am Wasser. Er war… wie vom Erdboden verschluckt. Sie rief nach ihm…

… Erhielt jedoch keine Antwort. Sie suchte ihn. Überall, aber er war einfach nicht aufzufinden.

Und allmählich kam ihr dieser eigenartige Ort unheimlich vor.

Um ihre wachsende Angst in den Griff zu bekommen, rief sie zum zehnten Mal seinen Namen. Aber er war nicht da.

Niemand war da. Sie war allein. Ganz allein…

In ihrer Verzweiflung fing sie bitterlich an zu weinen.

Doch dann, ein kurzes scharfes Bellen, dass sie wieder zu sich brachte. Marisol kannte die Stimme, es war die von: „Igor?“

Mit Tränenverschleierten Augen schaute sie auf den kleinen, schwarzen Hund hinab, der schwanzwedelnd zu ihr herauf blickte. „Igor!“ Sofort ging sie in die Knie, um ihn zu begrüssen.

Sie war so froh, ihn gesund und munter zu wissen. Schluchzend nahm sie ihn hoch, küsste ihn und drückte ihn an ihr verweintes Gesicht.

Und plötzlich überkam sie Erleichterung und Ruhe füllte den Platz ihrer Angst. Sie spürte auf einmal, dass alles gut werden würde. Sie fühlte sich nicht mehr allein, sondern geborgen und vollkommen entspannt. Ein Gefühl, als würde sie nach Hause kommen.

Als Marisol den Hund wieder abgesetzt hatte, war der Gedanke an ihren entschwundenen Ehegatten längst verflogen.

Igor lief ganz eifrig voraus. Wohin er ging, wusste sie nicht.

Aber sie hatte das Verlangen, ihm zu folgen.

Institut für Rechtsmedizin Del Sol Valley

„Türkis oder beige?“„Was?“„Kleid für ne Hochzeit, türkis oder beige?“„Steht dir beides.“„Nein, du musst dich für eins entscheiden!“„Türkis.“„Und Schmuck? Gold oder Silber?“„Passt beides dazu.“„Nein, du…“„Silber!“ unterbrach Shiyan etwas schroff, „warum ist das so wichtig?“„Weil ich auf jeden Fall besser aussehen muss als die Braut.“

„Wenns nur das ist… Können wir uns jetzt bitte wieder auf unsere Arbeit konzentrieren?!“„Ist ja gut! Man, was ist dir denn heute über die Leber gelaufen? Hast du deine Tage?“ entgegnete die junge Rechtsmedizinerin mit den roten Haaren leicht eingeschnappt und half ihrer Kollegin dabei, die Körper des Ehepaares Jiménez aus dem Leichenkühlschrank herauszuholen. Shiyan schlug das Tuch dass Marisol bedeckte, zurück und der Rotschopf tat das gleiche mit ihrem Ehemann. Anschliessend setzte die Schwarzhaarige das Skalpell zu einem sauberen und konzentrierten Schnitt am Schlüsselbein an, den sie jedoch total verbockte, da sie von einem jähen „hey ich hol mir noch ein Käffchen, willst du auch eins?“ unterbrochen wurde.

„Nein Grace, ich will kein Käffchen verdammt nochmal!“ rüffelte sie, „wenn das eine OP wäre dann wäre die Patientin jetzt tot, herzlichen Glückwunsch!“

Zurück kam die Brillenträgerin jedoch mit einem Sandwich. „Shiyan, kannst du mir Simoleons für den Automaten leihen? Ich hab nicht genug und ohne Kaffee überlebe ich die Nacht nicht.“„Du weisst schon, dass Essen hier verboten ist, oder?“„Merkt doch keiner.“ kam es schmatzend als Antwort.

„Du wirst nicht fürs Essen bezahlt, sondern dafür, dass du den Kerl da aufschlitzt!“ – „Ja Mama…“ „Ich meins ernst!“ – Ja, ich mach doch gleich! Der läuft schon nicht weg.“ Kauend schaute sie auf ihn herab, „echt schade um ihn, er war süss. Er heisst übrigens nicht Kerl, sondern Felipe.“„Wen interessiert das, er ist tot!“„Ich erweise ihm nur die letzte Ehre.“ erwiderte Grace und strich ihm ein paar Strähnen aus der Stirn. „Indem du Brotkrümel auf ihn krümelst? Und überhaupt, wie kannst du hier nur essen?!“ tat ihre Kollegin mit angewiderten Gesichtszügen ihr Unverständnis kund, während sie mit irgendwelchen Zangen zwischen Marisols Eingeweiden herumwühlte. „Was ist denn jetzt mit den Simoleons?“ stellte Grace eine Gegenfrage und wischte sich Mayonnaise aus dem Mundwinkel. Da zog Shiyan seufzend ihre Hände aus dem Körper und streifte sich die blutigen Handschuhe ab.

„Ich hol uns Kaffee! Um die Nacht mir dir durchzustehen, brauche ich nämlich auch welchen.“ Und schon war sie weg. „Dann wollen wir mal.“ sprach die Rothaarige und stellte den Teller mit dem halb aufgegessenen Brot auf die Ablage des Rollwagens mit den chirurgischen Instrumenten. Sie stülpte sich Handschuhe über und schnappte sich eins der grossen Messer. „Mal sehen ob du von innen auch so schön anzuschauen bist, Phil.“

Seltsam, die Haut war gar nicht so zäh, wie sie es von bisherigen Leichen kannte. Normalerweise musste sie ganz schönen Druck auf die Klinge ausüben, aber jetzt war es, als würde sie weiche Butter schneiden. Auch fühlte sich der Körper ungewöhnlich warm an. Wie kam das? Er lag doch fast 48 Stunden im Kühlfach? Die Simin hielt inne, als die Wunde auch noch anfing zu bluten, und zwar ziemlich stark. „Mist!“ Sie drehte sich um und nahm sich ein stück Haushaltspapier, doch als sie wieder auf das Opfer herabblickte, war die Blutung gestoppt. Nicht nur das, die Wunde war… verheilt. Es war nicht mal mehr eine Narbe zu sehen. Als hätte sie gar nie existiert! Fragend schaut sie in das Gesicht des Toten. Er war doch tot, oder?

Sie musste sich das eingebildet haben. Schliesslich war es schon sehr spät und sie hatten einen langen Tag hinter sich. „Oh man, die soll sich mal mit dem Kaffee beeilen!“ Erneut machte sie sich daran, die Haut zu durchtrennen, doch da zuckte der Körper unter ihr zusammen. Sie stiess einen Schrecklaut aus und liess das Skalpell fallen, es fiel klirrend zu Boden. Mit offenem Maul starrte sie die Leiche an, die nun kerzengerade auf dem Seziertisch sass. Der kleine Schnitt, den sie ihr eben zugefügt hatte, wuchs vor ihren ungläubigen Augen zusammen. Der Tote, der wohl doch kein Toter war, schien darüber nicht weniger verwirrt. Er wirkte unruhig, unablässig liess er den Blick durch den Sektionssaal schweifen, wie ein gehetztes Tier. Als er dann auch noch aufstand und anfing zu reden, zweifelte sie wirklich an ihrem Verstand.

Mit kratziger Stimme wollte er wissen, wo sie sich befanden, wer sie sei und warum er entkleidet auf einer Bahre lag. Zum Glück hatte er sich davor noch das Leichentuch um die Hüften gewickelt. „Meine Brille… wo ist meine Brille?“

Seine Brille? Er dachte jetzt an… seine Brille? „Moment… wieso… wieso sehe ich alles scharf?“ Begriffsstutzig blickte der Untote Grace, die sich daran erinnern musste zu atmen, an. Aber sie war doch selbst vollkommen ratlos. Das kam in ihrer Ausbildung nicht vor! „Mari…sol?“ Oh je, jetzt hatte er auch noch den Körper mit der geöffneten Bauchhöhle auf dem anderen Obduktionstisch entdeckt! Wie in Trance steuerte er auf seine Ehefrau zu und starrte sichtlich entsetzt auf sie nieder. „Oh mein… GOTT!“

„Heilige Mutter Gottes!“ brach es auch aus der jungen Medizinerin heraus, als sie ihre Sprache endlich wiedergefunden hatte, „Sie sind ja gar nicht tot! Geht… geht es Ihnen gut?!“ Als er Anstalten machte, als müsste er sich gleich übergeben, zog sie ihn rasch von diesem verstörenden Anblick weg und bedeutete ihm, sich auf einen Stuhl zu setzen.

„Geht’s Ihnen gut?“ wiederholte sie aufgeregt, „i-ich rufe einen Arzt! A-also einen richtigen Arzt! Für lebende Opf… i-ich meine Patienten!“„Nein ich… brauche keinen Arzt.“ stöhnte er, „aber hätten Sie… etwas zu… essen? Ich habe so einen… Hunger…“ Essen? Er dachte jetzt an… Essen?

Grace fuhr herum, holte und brachte ihm ihr angefressenes Schinken-Käse Sandwich. Wie ein Verhungernder schlang er einen grossen Bissen runter, ohne ihn vorher gekaut zu haben. Und schon vertilgte er den Zweiten. Aber auf einmal liess er das Sandwich samt Teller in den Schoss fallen und machte Würgegeräusche.

Kein Wunder hatte er sich verschluckt, wenn er so frass! Oder war er vielleicht Vegetarier? Oder mochte er vielleicht keine Mayo? „Ich bringe Ihnen Wasser!“ Sie hastete zu einem der Waschbecken, während er sich in einen Behälter, in den normalerweise zerlegte Organe kommen, erbrach.

Als sie sich mit einem Glas Wasser in der Hand umgedreht hatte, sass er nicht mehr auf dem Stuhl, sondern stand erneut neben seiner Frau. Was zum… wie war er bloss so schnell von A nach B gekommen?! Erst dachte sie, er würde um die Verstorbene trauern, denn sie hörte ihn seufzen. Doch als sie sich ihm näherte erkannte sie, dass er eins der Instrumente in seiner Hand hielt, mit dem ihre Kollegin vorhin, bevor sie Kaffeeholen gegangen war, in Marisols Körper herumgestochert hatte.

Wo zum Teufel blieb Shiyan eigentlich?! Und… ach du lieber Himmel! Leckte… leckte er… tatsächlich gerade das… Blut von dem Ding ab?! Jetzt kam auch der jungen Simin das halbverdaute Sandwich hoch.

Doch sie schluckte es einfach wieder runter. „S-sir… wa… was machen Sie denn da?“ Er war so in seinem widerlichen Tun vertieft, dass er sie gar nicht wahrzunehmen schien. Erst als sie ihn vorsichtig an der Schulter berührte, wandte er ruckartig seinen Kopf und sie erschrak sich so dermassen, dass sie das Glas Wasser fallen liess, dass unter einem lauten Klirren in 100 Scherben zersplitterte.

Sein hübsches Gesicht war das eines Teufels geworden! Das eines Dämons! Zwei leuchtende Augen blitzten sie warnend an und als er dann auch noch drohend fauchte, entdeckte sie zwei fürchterlich scharf aussehende Reisszähne aus seinem Maul herausragen.

Die verängstigte Rothaarige wollte schreien, doch der Schrei blieb in ihrer Kehle stecken. Sie wich zurück und stolperte prompt über den Instrumentenwagen, der mit ihr scheppernd auf dem Boden landete. Panisch wälzte sie sich auf den nassen Fliesen, versuchte aufzustehen und verletzte sich dabei an einem der Skalpelle, die um sie herum verstreut lagen. Blut rann aus der kleinen Wunde an ihrer Hand und tropfte auf den Boden.

„Nein… bitte!“ flennte sie, als sie nun gezwungenermassen seine volle Aufmerksamkeit hatte. In seinen Augen las sie eine Gier, die nur eines bedeuten konnte: Dass er sich ebenfalls gleich über ihr Plasma hermachen würde, wie ein verdammter Vampir! Vielleicht war er das sogar? „Nein! Geh weg!“ Sie krallte sich ein paar Skalpelle und Scheren, was gerade griffbereit war und warf sie ihm entgegen. Einige trafen ihn direkt in die Schulter, ein Skalpell steckte sogar tief in seiner Halsschlagader und das Blut schoss für kurze Zeit heraus wie Wasser aus einem geborstenen Rohr. Doch das alles schien ihm nicht grossartig was anzuhaben, er zog sie sich einfach nacheinander wieder aus und schleuderte sie wütend von sich. Nachdem sie ihm dabei kurz im Schock zugesehen hatte, raffte sie sich endlich vom Boden auf und eilte zur Hintertür des Saals.

Aber da tauchte der Vampir, oder was auch immer er war, wie aus dem Nichts vor ihr auf und versperrte ihr den Weg!

Grace machte eine Vollbremsung, schlitterte mit quietschenden Schuhen ein paar cm über die Fliesen, beinahe in seine Fänge, und schoss dann Vollgas in entgegengesetzte Richtung. Vorsichtshalber riss sie beim Flüchten ein paar Gefässe und Beistellwagen um, in der Hoffnung, sie würden ihn bei der Verfolgung, hindern.

Doch noch bevor sie die rettende Tür erreicht hatte, die sich übrigens nur mit einer Schlüsselkarte öffnen liess, versetzte ihr jemand von der anderen Seite einen so derben Stoss, dass sie sprichwörtlich aus den Angeln sprang. Die Simin warf sich gerade noch rechtzeitig auf den Boden, um von der, ihr in rasanter Geschwindigkeit entgegenfliegenden Metalltür, nicht umgenietet zu werden. Der Vampir, der sie wie ein Tier gejagt hatte, wurde von der Tür erfasst und mit einer derartigen Wucht gegen die Wand geworfen, dass sie nachgab und durchbrach. Er landete krachend im Nebenraum und wurde von Schutt regelrecht begraben. Grace, die auf dem Boden kauerte und sich die Arme schützend über den Kopf hielt, traute sich ihre Brille zurechtzurücken und durch die von Staub gefüllte Luft zu gucken, wer gerade so einen spektakulären Auftritt hingelegt hatte.

Eine Simin, ebenfalls mit leuchtenden Augen und ebenfalls mit langen Fangzähnen, stand vor ihr. Etwa auch ein Vampir?! Jedenfalls gab auch sie ein bedrohliches Fauchen von sich.

Doch zu ihrem Erstaunen galt es nicht ihr, sondern dem anderen Vampir, der plötzlich wieder fauchend hinter ihr erschienen war. Offensichtlich hatte ihm auch dieser kleine Zwischenfall nicht weiter zugesetzt, denn er machte den Eindruck, als wollte er sich gleich wieder auf seine Beute stürzen. Als er jedoch Seinesgleichen bemerkte, verharrte er in der Bewegung. Die beiden Vampire sahen sich einen Momentlang an und eine wachsende Spannung füllte den Raum, die Simin traute sich kaum zu atmen. Dann preschten sie in unnatürlichem Tempo aufeinander zu.

Sie sprachen kein Wort doch umarmten und küssten sich heftig.

Grace verstand die Welt nicht mehr… aber sie nutzte die Gelegenheit, um sich auf allen Vieren leise aus dem Staub zu machen. Doch weit kam sie nicht. „NEIN!“ schrie sie, als sie von der Vampirin mit den reptilienartigen Augen am Kragen gepackt, auf die Beine gezerrt und herumgewirbelt wurde. Sie weinte und schlotterte am ganzen Körper vor Angst, „bitte tut mir nichts!“

Der andere Vampir saugte unterdessen lechzend an fremdartig pinkleuchtenden Früchten. „Beruhige dich.“ sprach ihr Gegenüber mit monotoner Stimme und schaute ihr dabei eindringlich in die Augen. „Vergiss was du eben gesehen hast und geh nach Hause.“

Und dann, wie durch Zauberhand, wich ihre Angst und das Zittern hörte auf. Ruhe und Erleichterung erfüllten sie stattdessen. Mit einem zustimmenden Nicken, verliess Grace das Gebäude und machte sich auf den Heimweg.

Wochen später

Eine Windbrise erfasste Dakaria und spielte mit ihrem Haar. Über ihr segelten ein paar Möwen, ohne ihre Flügel zu bewegen. Sie schaute ihnen nach wie sie abdrehten und Richtung Horizont schwebten, wo sich ein paar Segelboote vor der untergehenden Sonne ein kleines Wettrennen lieferten.

Ihr Hund machte mit einem Bellen auf sich aufmerksam. Er hatte den farbigen Ball vor ihren Füssen in den Sand gelegt. Daka ging in die Hocke und streichelte kurz über seinen weichen Kopf. „Brav, Lucky.“ Sie warf den Ball erneut und der Hund sauste hinter ihm her, dass der Sand nur so spritzte. Sie warf ihn immer wieder. Unzählige Male. Lucky war richtig gut. Manchmal schaffte er es sogar, ihn in der Luft zu fangen.

Sie hatte auch versucht ihn dazu zu animieren, ins Wasser zu gehen, aber er wollte einfach nicht. Dann wurde sie unterbrochen, als ihr Handy piepte. Mit einem Lächeln ging die junge Vampirin die Bilder durch, die ihr Lucas eben geschickt hatte, von seiner Geburtstagsparty von heute Nachmittag:

Plötzlich spürte sie einen leichten Windhauch im Nacken und gleich darauf seine zärtliche Hand am Rücken.

Die andere strich ihre Locken beiseite, um ihren Hals zu küssen. „Lass uns schwimmen gehen.“ hauchte er an ihr Ohr. „Nein,“ gluckste Daka, da sein Drei-Tage-Bart kitzelte, „das haben wir doch heute den ganzen Tag gemacht.“„Du und deine Freunde vielleicht.“

„Ich stand nur im Schatten.“

„Meine Freunde sind auch deine Freunde.“ versicherte sie ihm, „und bald hast auch du die Sonnenresistenz freigeschaltet, so dass du nicht mehr auf den Sonnenschirm angewiesen bist.“ Dakarias Kopf sank zur Seite, sie genoss seine Liebkosungen noch eine Weile, bevor sie sich langsam von ihm löste, um ihn anzusehen. „Vielleicht brauchst du Sonnenimmunität aber schon bald nicht mehr.“

„Mein Vater hat vorhin angerufen. Er hat den Vampirheiltrank für dich gebraut. Wir könnten also gleich nach Forgotten Hollow reisen.“ Daka konnte diese Worte kaum aussprechen. Sie mochte gar nicht daran denken. Sie hatte sich in den letzten paar Wochen an ihr Leben mit ihm gewöhnt. An ihre gemeinsame Zeit.

Als Vampire.

Wie würde es mit ihnen beiden weitergehen, wenn er wieder ein Sim war… Würde es überhaupt weitergehen?

„Könnten wir.“ holte seine Stimme sie aus ihren Bedenken zurück. „Oder wir bleiben noch ein wenig hier und gehen schwimmen.“ „Schwimmen? Du willst jetzt wirklich lieber schwimmen gehen?“ – „Spricht etwas dagegen?“„Nein,“ sie schüttelte den Kopf, „ich dachte nur, dass du so schnell wie möglich wieder ein Sim sein möchtest.“ – „Ich hab Zeit. Sogar unendlich Zeit.“ Unendlich hatte er auffällig betont und das verschmitzte Grinsen war ihr ebenfalls nicht entgangen, doch bevor sie dazu kam etwas zu sagen, wies er in den Himmel: „Hast du schon die Sterne gesehen?“ Dakaria schmunzelte, als sie ihn betrachtete, wie er gebannt in den Nachthimmel starrte. Sie erinnerte sich an den Abend auf der Leuchtturminsel, als sie unfreiwillig ein paar Stunden miteinander verbracht hatten und er ihr einen Monolog über Astronomie hielt.

„Ich bin froh haben dich die Aliens nicht entführt.“„Hm?“„Damals auf dem verlassenen Tierfriedhof,“ half sie ihm auf die Sprünge, „am Anfang bist du mir so auf die Nerven gegangen, dass ich mir gewünscht habe, die Aliens würden dich holen. Ich bin froh haben sie es nicht getan.“ Daka kicherte, ein wenig amüsiert, ein wenig beschämt zugleich. „Ich wäre sowieso nicht ohne dich in ihr Raumschiff gestiegen.“ zog er sie auf, woraufhin sie ihn in die Seite pikte. „BlödSim!“

„Mein Vater hat mich ausserdem gefragt, ob ich bereit dazu sein würde, ihn zurück in einen Vampir zu verwandeln.“ fügte sie etwas nachdenklich hinzu. „Und?“„Ich weiss nicht… ist das nicht komisch? Wieso fragt er mich und nicht Kate, seine Partnerin?“„Es ist doch nett von ihm dass er dich fragt, als seine Tochter. Das würde eure Beziehung noch mehr stärken, meinst du nicht?“ Daran hatte sie noch gar nicht gedacht. Ein schöner Gedanke. So schön, dass sie spontan lächeln musste. „Ja… vermutlich hast du recht.“

„Warum trägst du eigentlich noch deine Brille, wenn du sie doch gar nicht mehr brauchst?“ Er zuckte mit den Schultern, „aus Gewohnheit?“„Ist vielleicht besser so, nicht dass du dir nachher wieder angewöhnen musst, sie zu tragen, wenn du wieder ein Sim bist.“„Wie gefalle ich dir denn besser, mit oder ohne?“ Sie musste nicht lange überlegen: „Mit.“„Dann werde ich sie anbehalten.“

„Du… du ziehst doch nicht etwa in Erwägung, ein Vampir zu blieben… oder?“ konnte sie die Frage, die ihr schon seit Tagen auf der Seele brannte, nicht länger zurückhalten, als auf seinem Gesicht wieder jenes Grinsen aufgetaucht war. Sie hatten noch gar nicht wirklich darüber gesprochen. Sie hatten noch nicht mal darüber geredet, wie er zu einem Vampir geworden war. Sie hatten die Sache einfach totgeschwiegen. Auch das mit seiner Ex… Dakaria fühlte sich mies. Irgendwie schuldig, dass sie ihm diese wichtige Entscheidung abgenommen hatte. Aus Egoismus. Sie hatte plötzlich das dringende Bedürfnis, sich zu entschuldigen. Dafür, dass sie ihm damals, nachdem er angeschossen wurde, einfach ihr Plasma untergejubelt hatte, da er ansonsten nicht überlebt hätte.

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen.“ Er hatte sein Grinsen abgelegt und hielt den Blick einen Momentlang gesenkt. „Es ist nicht deine Schuld. Marisol war diejenige, die mich getötet hat. Und wärst du nicht gewesen, dann wäre ich jetzt wirklich tot.“„Du… bist mir nicht böse, dass ich dich zu einem Vampir gemacht habe…? Ohne zu fragen?“ bohrte sie nach. „Wie könnte ich, dir habe ich mein Leben zu verdanken, Daka.“ sagte er sanft, seine Augen wieder auf ihre gerichtet. „Und es ist ja nicht so, dass du mich wirklich verwandelt hast.“ „Indirekt schon…“ Sie presste ihre Lippen zusammen, als wollte sie die Worte, die sich schon auf der Zunge gebildet batten, verhindern.

„Mein Plasma war in deinem Organismus, weil ich es dir durch die Vene eingeflösst habe… Du… du wärst also auch als Vampir zurückgekommen, wenn du irgendwann an Altersschwäche gestorben wärst…“„Oh…“ kam es von ihm und er kratzte sich im Hinterkopft. „Tja… in diesem Fall ist es wohl besser, dass ich zeitig gestorben bin. Die Vorstellung, die Unendlichkeit als Greis mit Falten, grauen Haaren und in der Mitte eine Glatze zu verbringen, ist nicht gerade verlockend.“ Er lachte. Daka kam nicht dagegen an und musste ebenfalls lachen und kurz darauf beugten sich beide vor Lachen.

„Und… hast du eine Entscheidung getroffen? Wirst du ein Vampir bleiben, oder wirst du das Heilmittel trinken?“ fragte sie leise, als sie etwas später nebeneinander im Sand sassen und ihre beiden Blicke aufs Meer gerichtet hatten, in dem sich das goldene Licht des Mondes in den Wellen spiegelte, die träge an das Ufer schwappten. „Was möchtest du denn?“ fragte er im Gegenzug. Ihre Mundwinkel formten ein verlegenes Lächeln, als sie seine Hand in die ihre nahm und flüsterte: „Was glaubst du denn was ich möchte?“ Er erwiderte ihr Lächeln und ihren Händedruck. Dann stand er auf und zog sie hoch. „Ja, ich habe eine Eintscheidung getroffen.“

„Nämlich, dass ich jetzt schwimmen gehe und zwar mit dir.“„Denk nicht mal dran!“ stiess sie aus, als sie in seinem Blick erkennen konnte, was er vorhatte. Und eher sich die Brünette versah, hatte er sie bereits gepackt und über seine Schulter geworfen. Daka kreischte auf, als sie keinen Boden mehr unter den Füssen hatte und sich alles um sie herum drehte. „Nein! Bitte nicht!“ schrie und lachte sie gleichzeitig, als er mit ihr ins Wasser rannte. „Nicht in den Kleidern!“ Doch Sekunden später landete sie bereits in hohem Bogen im kühlen Wasser. „Na warte, das kriegst du zurück!“

Als Dankeschön bekam er eine Ladung Salzwasser ins Gesicht. Sie lachten, alberten rum und tauchten sich gegenseitig die Köpfe unter Wasser.

Ihre Neckerei endete schliesslich damit, dass sie sich in den langsamen und gleichmässigen Bewegungen der Wellen leidenschaftlich küssten.

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