10. Kapitel

Fear

verfasst: 26.01.2018

Kate sass im Wohnzimmer auf einem Sessel und betrachtete ihr kaputtes Handy in der Hand. Sie war müde. Letzte Nacht hatte sie kein Auge zugemacht. So sehr schlugen ihre Gedanken Purzelbäume. Fox kam herbeigerannt und fing an zu winseln.

Schmunzelnd stand sie auf und tätschelte liebevoll seinen weichen Kopf. „Du musst dein Geschäft erledigen, stimmt’s?“ Der Fuchs legte den Kopf schief und sie musste lächeln. „Na komm!“ Die Vampirin liess ihn raus und als sie die Tür hinter sich zugemacht hatte und sich gerade wieder in die Stube setzen wollte, klopfte es an der Tür. Nanu? Fox war zwar extrem clever, aber so clever dass er gelernt hatte an der Tür zu klopfen? Gespannt öffnete sie diese und gleich darauf fielen ihr beinahe die Augen aus dem Kopf. Ihrem Gegenüber schien es aber ähnlich zu gehen: „Ist das etwa ein Fuchs?!“ Ungläubig fixierten seine blauen Augen das rötliche Fellknäul dass treu neben seinem Frauchen Platz machte.

„Lucas!“ stiess sie mehr als erstaunt hervor, „was machst du denn hier!? Bist du lebensmüde hier aufzutauchen?!“„Ich freue mich auch dich zu sehen, Katy!“ Ihr Verlobter setzte eine eingeschnappte Miene auf, die Begrüssung hatte er sich offenbar anders vorgestellt. Kate zog ihn rasch die Treppen hoch in ihr Zimmer und schloss vorsichtshalber die Tür ab, während sie meinte: „Tut mir leid, aber es war nicht besonders klug hier her zu kommen, hier wimmelt es nur so von Vampiren!“

Der junge Sim zwinkerte: „Du bist doch aber auch ein Vampir.“ Ihr fiel auf wie chic er sich gemacht hatte: Er trug ein frisches Hemd, hatte seinen Bart gestutzt, sich die Haare zurecht gemacht und sogar ein leichtes Parfüm aufgelegt. „Die Verbindung war plötzlich tot und ich konnte dich nicht mehr erreichen. Ich musste dich einfach sehen, Katy.“„Warum wusstest du überhaupt dass ich hier bin?“ wollte sie wissen, doch dann fiel ihr ein dass sie ihm ja von dem geheimnisvollen Forgotten Hollow erzählt hatte. „Ich hab bei jedem Haus in der Nachbarschafft geklopft, aber niemand hat die Tür aufgemacht.“ Kate atmete erleichtert auf. „Du bist ein Dummkopf.“ sagte sie ernst. „Du könntest tot sein.“

Ihr Verlobter ging näher auf sie zu und schaute sie mit diesem Blick an. „Bin ich aber nicht.“ Kate drückte ihren Rücken gegen die Tür, als er ganz dicht vor ihr stand. „Lucas…. warte…“ sagte sie noch, doch sein Kuss war so vertraut, dass sie gar nicht anders konnte als nachzugeben. Wie von selbst legte sich ihr Arm um seinen Hals. Nach dem Kuss musste sie sich hinsetzen. Ihre Gedanken kreisten so wild durcheinander, dass ihr davon beinahe schwindlig wurde. Der Kuss war intensiv und betörend. So waren seine Küsse immer gewesen.

Lucas sah sich im Zimmer um, bevor er sich mit einem lauten Seufzer neben sie aufs Bett setzte. „Hier halten sie dich also gefangen.“„Niemand hält mich gefangen.“ sagte sie leise und schüttelte den Kopf…

… und dann fing er an zu erzählen, wie es ihm im letzten halben Jahr ergangen war. Wie er sie unermüdlich suchte, Tag und Nacht. Nicht ass und nicht schlief und schliesslich seinen Job verlor. Die Brünette betrachtete sein erschöpftes Gesicht, indem sich Monatelanger Kummer spiegelte. Sie musste schwer schlucken. Heftige Schuldgefühle kamen in ihr hoch, am liebsten hätte sie sich selber geohrfeigt. Ihre Gedanken hatten sich in den letzten Monaten nur um den ganzen Vampirmist gedreht. Und was war mit Lucas? Sie konnte sich gar nicht erinnern, wann sie das letzte Mal an ihn gedacht hatte – an den Sim den sie unbedingt heiraten wollte!

Ungeweinte Tränen brannten plötzlich in ihren Augen. Tränen des Mitleids und der Trauer. Sie hatte ihn im Stich gelassen. „Schatz, was ist denn?“ fragte Lucas erschrocken, als sie anfing zu schluchzen. Er drückte sie sanft an sich. Die Tränen überschütteten derweil ihre Wangen. Sie fühlte sich so ohnmächtig, war nicht in der Lage zu sprechen. Auch Lucas sprach nicht, er hielt sie nur ganz fest und streichelte sie, bis sie wieder ruhiger wurde.

Lange sassen sie so da und hatten jegliches Zweitgefühl verloren. Plötzlich löste sich Lucas von ihr: „Lass uns nach Hause gehen, Katy.“ Eher sie darauf etwas entgegnen konnte, hörte sie vom unteren Stockwerk eine Tür ins Schloss fallen und helles Gekicher. Die Brünette fuhr hoch: „Oh nein! Du musst sofort gehen!“ Lucas blickte sie verwirrt an. „Warum?“„Du hättest niemals herkommen dürfen!“ Energisch zog sie ihn vom Bett und legte sich den Zeigefinger an ihre Lippen um ihm anzudeuten, dass er leise sein soll. Beinahe lautlos schlichen sich die beiden aus dem Zimmer und die Treppen hinunter. Kate hatte schon die Hand nach der Türklinke ausgestreckt, da blieb ihr Verlobter stehen: „Warte.“ sagte er mit fester Stimme. „Ich werde nicht ohne dich gehen!“ Im gleichen Atemzug, erschien wie aus dem nichts eine dunkle Gestalt.

Kate schaute in zwei rabenschwarze Augen, doch der durchdringende Blick des fremden Vampirs wechselte sofort auf Lucas. Er gab ein Fauchen von sich, riss den Mund auf und die zwei Reisszähne schrien regelrecht danach, sich in Lucas Hals zu bohren. Er hatte schon zum Sprung angesetzt, da blockierte ihm jemand blitzschnell den Weg.

Es war Lilith. „Marcel!“ ermahnte sie. „Böser Vampir! Siehst du nicht dass er unser Gast ist?!“ sie warf Lucas ein Augenzwinkern zu und wandte sich dann mit verführerischen Blicken wieder dem Vampir zu.

„Warum gehst du nicht in mein Zimmer und… machst dich schon mal bereit?“ Der Dunkelhäutige verstand sofort. So schnell wie er aufgetaucht war, verschwand er wieder. „Sul Sul, ich bin Lilith!“ stellte sie sich entzückt vor.

Lucas, der Mittlerweile kreideweiss geworden war, nahm zögernd ihre Hand: „Äh.. Sul Sul. Ich …. Ich bin Lucas… äh… Katys Verlobter.“ Ihre pink leuchtenden Augen hypnotisierten ihn völlig. Die Vampirin schaute bei dem Wort Verlobter, als ob sie sich verhört hätte. „Er wollte gerade gehen!“ meldete sich nun auch endlich Kate zu Wort. „Das ist aber schade!“ tönte Lil übetrieben enttäuscht. „Gerade wollte ich Ihnen einen Drink anbieten Lucas, Sie sehen aus als könnten Sie einen gebrauchen.“ Sie blinzelte erneut, diesmal in Kates Richtung. „Wir alle könnten einen Drink gebrauchen, nicht?“

„Bitte Ms Vatore…“ sagte die Brünette und versuchte dabei möglichst ernst zu klingen: „Tun Sie das nicht, lassen Sie ihn einfach gehen.“„Katy Schätzchen, das klingt ja beinahe so, als wolltest du mir böse Absichten unterstellen? Dabei versuche ich doch nur eine gute Gastgeberin zu sein.“ Die Schwarzhaarige schüttelte den Kopf, so als ob sie beleidigt wäre. „Na gut, kommen Sie Lucas, ich begleite Sie noch zur Strasse. Ihre reizende Verlobte kann leider nicht ans Tageslicht.“ Lucas nickte; „Ja, eine vampirische Nebenwirkung.“

Lilith lachte überspitzt. „OMG, Sie sind ja so lustig!“ Ungeniert hakte sie sich bei ihm unter und dirigierte ihn vor seine Verlobte. „Noch ein Küsschen zum Abschied?“ Das junge Pärchen sah sich unsicher an. „Nicht so schüchtern, kommt schon!“ drängte die Vampirin. Lucas beugte sich schliesslich vor und gab seiner Katy einen Kuss auf die Wange. Lilith gab ein amüsiertes Quietschen von sich, während Kate sich ausmalte, wie sie ihr am besten die Gurgel umdrehen könnte. Aber viel wichtiger war es jetzt, Lucas sicher und schnell aus Forgotten Hollow zu bekommen.

Kate blieb im sicheren Schatten stehen, während Lilith neben Lucas herging. Auf halbem Weg jedoch, hielt sie an und wandte den Kopf. Kate erkannte ein diabolisches Lächeln auf ihrem Gesicht auftauchen und plötzlich überkam sie ein ganz schlechtes Gefühl. „Nein…“ hauchte sie leise, dann schrie sie: „NEIN!“ Doch da war es schon zu spät.

Lilith lachte auf und versetzte Lucas, der gar nicht wusste wie ihm geschah, sogleich in Trance. Kates Herz setzte ein paar Schläge aus. Wie konnte sie bloss zugelassen haben, dass diese Lilith auch schon nur in die Nähe ihres Verlobten kam! Sie machte einen Schritt vorwärts, doch die Sonne brannte erbarmungslos auf ihrer Haut. Sie konnte ihm nicht helfen! Es blieb ihr nichts anderes übrig als tatenlos zuzusehen, zuzusehen wie Lilith ihre Fangzähne in seinen Nacken stiess und sich an seinem Plasma ergötzte.

Am späteren Abend:
Marcel räkelte sich wohlig. Plötzlich flog die Tür auf und ein schäumender Vampir stampfte herein. Vor Schreck sass er nahezu aufrecht auf Liliths Bett.

„Wo ist sie?!“ fragte Caleb beinahe schreiend. Der Dunkelhäutige wies verunsichert auf das angrenzende Badezimmer und versuchte seinen nackten, durchtrainierten Oberkörper mit seinen blossen Händen zu verdecken. „Los, raus hier!“ Marcel brauchte einen Moment um zu begreifen dass er damit gemeint war. „Hast du nicht gehört, du sollst verschwinden!“ wiederholte Caleb und war in wenigen Schritten beim Bad. Ohne Vorwarnung riss er die Tür auf und zerrte seine Schwester unsanft hinaus. „Was zum…?!“ empörte sich Lilith. „Bist du total bescheuert!?“ Nur mit Handtuch, dass farblich wunderbar zu ihren Augen passte bekleidet, schaute sie sich um. „Wo zum Henker ist Marcel?“ Ihr Bruder ging nicht auf ihre Frage ein, sondern stellte direkt eine Gegenfrage: „Warum hast du Lucas angegriffen!?“ „Wer?“ sie runzelte die Stirn. „Ahhh der Verlobte!“ Ein keckes Grinsen huschte über ihr graues Gesicht. „Bleib mal locker, es war nur ein kleiner Trank.“

„Ich dachte ich hätte mich klar ausgedrückt: Keine Sims im Haus!“„Komm mal wieder runter. Deine Kleine hat ihn hier angeschleppt. Eigentlich habe ich ihm sogar das Leben gerettet, denn hätte Marcel ihn erwischt, wär er jetzt hinüber!“ Caleb bildete sich ein einen Funken Stolz in ihren Augen zu entdecken. „Was regst du dich überhaupt so auf? Das hat er doch verdient, immerhin ist er dein grösster Konkurrent im Kampf um Katys Zuneigung!“„Was meinst du damit!?“„Tu doch nicht so blöd. Deine Kleine ist total in dich verschossen!“ Lilith machte eine Pause um den Gesichtsausdruck ihres Bruders zu geniessen, dann setzte sie noch einen drauf: „Und so wie du sie immer anglotzt schient sie dir ja auch wichtig zu sein.“ Caleb konnte nicht verhindern, dass ihm eine leichte Röte ins Gesicht stieg und das war ihm verdammt unangenehm. „Unsinn!“ Er wandte sich ab und lief zur Tür. „In Zukunft lässt du deine gierigen Fangzähne von Lucas, verstanden?!“ rief er über die Schulter hinweg. „Hast du mich verstanden?!“ brüllte er als sie nicht antwortete. „Ja verdammt!“ schrie sie. „Sein Plasma schmeckt sowieso grässlich!“

Gerade als er das Zimmer verlassen wollte, fiel ihm auf einem Regal eine Vampirurne auf. Er musste die Inschrift zweimal lesen, weil er nicht glauben konnte was da stand. Wie vom Donner gerührt fuhr er herum. „Was macht die Urne von Ethans Frau hier?“ fragte er nervös, „Lilith, hast du etwas mit ihrem Tod zu tun?!“ Sie, die doch immer so eloquent war, oder wie er ausdrückte; eine grosse Klappe besass, brachte kein Wort heraus. Caleb ging auf sie zu, packte sie an der Schulter und schüttelte sie, so als wollte er sie zur Vernunft bringen. „Antworte!“„Nein!“ fauchte sie schliesslich und fügte noch ein „na ja, irgendwie schon…“ an. „Oh Gott…“ ungläubig fasste ihr Bruder sich an den Kopf. „Es war ein Unfall, okay?!“ Mist! Wie konnte sie nur so dämlich gewesen sein und diese blöde Urne einfach so rumstehen lassen?! Lilith kam nicht drum herum ihm die ganze verfluchte Geschichte zu erzählen: Wie sie Ethans Frau Eveline an der Sonne verbrennen lassen wollte, sie in letzter Sekunde aber erlöste, weil sie ein schlechtes Gewissen bekam, es da aber schon zu spät war und der fiese, egoistische Tod absolut nicht mit sich reden liess.

Lilith schmunzelte: „Wusstest du dass der Sensenmann kein Plasma besitzt?“ Das war ein Schock. Caleb musste sich kurz hinsetzen, musste sortieren was er eben gehört hatte. Er wusste dass Lilith zu vielem fähig war wenn es darum ging zu bekommen was sie wollte, aber dass sie so weit gehen würde, schockierte ihn. „Du musst Ethan die Urne bringen und ihm alles erzählen.“ appellierte er an ihre Vernunft und stand auf. Ein verächtliches Lachen von ihrer Seite aus, dann: „Vergiss es! Das bringt seine Alte auch nicht zurück!“ Die Schwarzhaarige wollte zurück ins Bad, doch für ihn war die Unterhaltung noch nicht vorbei: „Das war keine Bitte, Lilith!“

Sie schaute ihn provokativ an, als er sie am Arm festhielt. „Willst du dich etwa mit mir anlegen?“ energisch schlug sie seine Hand weg. „Das würde ich dir nicht empfehlen Bruder! Ich reiss dir den Kopf ab, während ich mir nebenbei die Nägel lackiere.“ Sie hob das Kinn und lächelte verschlagen: „Deine Kleine hat mir gesteckt dass du keine Kräfte mehr hast!“ Caleb stockte kurz der Atem. Du meine Güte, daran hatte er gar nicht mehr gedacht! „Ich will dass sie endlich verschwindet…“ Liliths heuchlerisches Lächeln wich plötzlich einer todernsten Miene: „Sieh endlich zu dass ihr euer beschissenes Problem mit dem Heiltrank in den Griff bekommt, oder ich schwör dir, ihr werdet mich richtig kennen lernen!“

Caleb hatte gewiss nie geglaubt, jemals Angst vor seiner Schwester haben zu müssen. Besonders nicht wenn sie nur mit rosa Frottiertuch und Turban bekleidet war und dazu noch nach Vanille und Kokosnuss duftete. Doch nun kroch das kalte Grauen in ihm hoch und setzte sich in seinem ganzen Leib fest. Er war immer der stärkere von beiden gewesen, doch ohne seine Vampirkräfte war er absolut machtlos. Bei dem Gedanke Katerina wäre nun Liliths Intrigen und Launen hilflos ausgesetzt, wurde ihm schlecht. „Du hast noch 24 Stunden, dann ist die Kleine weg!“ Ihre Augen formten sich zu Schlitzen: „Du willst doch nicht dass wieder ein Vampir „ausversehen“ verbrennt, oder?“

weiterlesen… I love you, goodbye

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