11. Kapitel

I love you, goodbye

verfasst: 23.02.2018

Um weitere Vampirpunkte zu sammeln, zeigte Kate ihm nun schon seit der Abenddämmerung ihre Kräfte. Sie war kurz davor den nächsten Rang zur Grossmeistervampirin zu erreichen. Aber um ihre Konzentration war es nicht allzu gut bestellt und dass ihr Mentor seine schlechte Laune an ihr auszulassen schien, machte es auch nicht besser.

Auf ihre Frage weshalb sie so plötzlich ihre Sonnen-Immunität freischalten sollte, antwortete er mit einem genervten „tu es einfach“ und forderte sie unhöflich auf sich mehr anzustrengen. Und sie konterte, er solle gefälligst freundlicher zu ihr sein. Was war nur plötzlich in ihn gefahren? Seit Tagen war er komisch zu ihr. Und seit dem Gespräch vorhin mit seiner Schwester geradezu abweisend. Sie erinnerte ihn daran, dass sie viel lieber die vampirische Schnelligkeit freischalten würde. „Daraus wird nichts.“ „Und Warum?“„Darum!“ seine Stimme wurde laut. So laut dass sie durch den Wald hallte: „Du wirst jetzt die Sonnenresistenz freischalten, Ende der Diskussion!“ Um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, wedelte er mit einer majestätischen Handbewegung durch die Luft. Kate starrte ihn einen Augenblick sprachlos an. Dann schaltete sie sich zu seinem Entsetzen selbstständig ihre Vampirschnelligkeit frei, somit waren alle ihre Punkte aufgebraucht und das heutige Training umsonst gewesen. „Warum hast du das getan?!“ rief er und klang viel mehr verzweifelt, als wütend.

„Darum!“ antwortete sie trotzig. Zwischen ihnen stand einen Augenblicklang feindseliges Schweigen. Dann senkte Caleb seinen Kopf und liess die Schultern hängen. Fast tat es ihr leid so vorschnell gehandelt zu haben. Es schien ihm wohl sehr wichtig zu sein, dass ihr das Sonnenlicht nichts mehr anhaben konnte. Kate spürte plötzlich den Wunsch ihn zu berühren, doch er wich zurück. „Lass uns jetzt nach deinem Verlobten sehen.“

Auf dem Weg nach Oasis Springs fühlte sich Kate schrecklich unbehaglich, diese Spannung zwischen ihnen war einfach unerträglich. „Ich finde du bist kalt zu mir.“ bemerkte sie, doch kaum hatten die Worte ihren Mund verlassen, hätte sie Kate am liebsten zurückgeholt. „Ich bin überhaupt nicht kalt zu dir.“ behauptete er. Wieso konnte er sie nicht ansehen, war das zu viel verlangt? „Habe ich etwas Falsches gemacht, oder gesagt?“ Er gab ein leises, freudeloses Lachen von sich. „Das Universum dreht sich nicht nur um dich, Katerina.“

Sie blieben vor einem zweigeschossigen Haus stehen. Lucas und sie waren erst kurz vor ihrer Verwandlung in eine Vampirin hier eingezogen. Wie in Trance ging sie auf die Haustüre zu. Calebs Verachtung traf sie mitten ins Herz und nicht nur das, sie hatte wieder die Bilder vor Augen, als Elijah hier eingedrungen war und ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt hatte. Wenigstens war Lucas wohlauf. Er hatte sie sofort strahlend in den Arm genommen. Die Umarmung war aber nicht von langer Dauer: „Du bringst dieses… Monster hier her?!“ entfuhr es ihm, als er Caleb entdeckte. Er bereute aber seine unbedachte Wortwahl sofort. Zärtlich nahm er Kate an der Hand: „Komm mit, ich möchte dir etwas zeigen!“ Die beiden betraten das Haus und der Blick ins Wohnzimmer liess ihr Herz höher schlagen. Es war komplett eingerichtet, sowie die restlichen Räume. Sie hatte keine Worte, so überwältigt war sie.

„Tut es noch sehr weh?“ Kate betrachtete die frische Bisswunde von Lilith an seinem Nacken. „Ach was!“ er machte eine wegwerfende Handbewegung und grinste: „War ja nicht das erste Mal.“ Sie biss sich auf die Lippen. Sie hatte sich schliesslich kurz nach ihrer Verwandlung auch an seinem Plasma vergriffen. „Lucas, ich hab dich damals verlassen um dich zu beschützen, ich…“ Doch weiter kam sie nicht. „Schon gut Katy, ich weiss.“ Er rückte näher an sie heran, streichelte ihren Arm. Sie genoss seine Nähe und Zuneigung. Genau das brauchte sie jetzt. „Komm nach Hause.“ brach er nach einer Weile die angenehme Stille „Du fehlst mir Katy.“

Sie sah ihn lange an, dann wandte sie ihren Kopf mit einem schweren Atemzug. „Lucas, ich bin ein Vampir, ich brauche Plasma…“„Du kannst mein Plasma haben!“ unterbrach er sie erneut und streckte seinen Arm aus. Kate war einen Moment wie gelähmt vor Schreck, während sie auf seinen blassen Arm stierte. „Spinnst du?!“ rief sie und stiess seinen Arm weg. „Tu das nie wieder!“ Aufgeregt sprang sie auf und entfernte sich ein paar Schritte. Dann spürte sie seine Hände auf ihren Schultern, sein Flüstern an ihrem Ohr: „Bitte verzeih mir.“ Langsam drehte sie sich um, öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch er verhinderte dies, indem er sie küsste.

Draussen empfing sie nicht etwa Caleb, sondern nur die Frische der Wüstennacht. Ihn fand sie schliesslich am Fluss auf einer kleinen Brücke. Das Mondlicht spiegelte sich auf der unruhigen Wasseroberfläche. Als Kate neben ihm stand, spürte sie wie sehr sie sich zu ihm hingezogen fühlte. Und das bereitete ihr Angst. Sie wusste dass sie eigentlich nichts für ihn empfinden durfte. Nichts ausser Dankbarkeit. „Caleb.“ sagte sie sanft. „Ich muss zurück nach Hause. Lucas braucht mich.“ Denn Blick immer noch aufs Wasser gerichtet, sagte er: „In Ordnung.“ Die knappe Antwort verletzte Kate. Er versuchte nicht einmal sie zum Bleiben zu überreden. Wie idiotisch sie sich doch verhielt. Sie konnte doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass er sie bitten würde zu bleiben? Ihre Gefühle spielten vollkommen verrückt…

Am nächsten Tag:
Es kam ihr plötzlich alles ganz unwirklich vor. Natürlich war von Anfang an klar gewesen, dass sie irgendwann wieder zurück kehren würde. Aber die Vampire hatten ihr die Augen zu einer Welt geöffnet, von der sie nicht einmal wusste dass es sie gibt. Und obwohl sich am Anfang alles in ihr dagegen wehrte, fühlte sie sich inzwischen als Teil von dieser Welt. Fox zurücklassen zu müssen brach ihr das Herz. Aber ein Fuchs im heissen und sonnigen Oasis Springs? Das passte einfach nicht. Genauso wenig wie ein Vampir der das Tageslicht nicht vertrug. Deswegen wollte Caleb wohl unbedingt dass sie ihre Sonnenresistenz freischaltete. Vermutlich hatte er da schon geplant gehabt sie „abzuschieben“. Pünktlich nach Sonnenuntergang klopfte es an ihrer Zimmertür. Er wollte aufbrechen. Scheinbar konnte er es kaum erwarten. Ein letztes Mal liess sie ihren Blick durch das Zimmer schweifen, das Zimmer dass in den letzten Monaten ihr Zuhause war. Dann machte sie die Tür hinter sich zu.

Nun würde sie zum aller ersten Mal als Vampirin auf sich alleine gestellt sein. Gerade jetzt wünschte sie sich ein paar aufbauende Worte von Caleb. Doch auf dem Weg nach Oasis Springs bestrafte er sie mit Schweigen und einer ausdruckslosen Miene. Wieso konnte er ihr nicht sagen dass alles gut gehen würde? Ihr das Gefühl geben dass sie keine Angst haben müsste? Nach einer schieren Unendlichkeit erreichten sie ihr Ziel. Vor dem Haus wühlte Caleb plötzlich in seinem Inventar und reichte Kate eine ihr bekannte Flüssigkeit. Sie weitete die Augen: „Der Heiltrank?! A-aber was ist mit Elijah?“„Du weisst doch, ich kann ihn nicht heilen.“ Er schaute zu Boden, dass er keine Vampirkräfte mehr besitzt, machte ihm mehr zu schaffen als gedacht. Wortlos starrte Kate auf das Gebräu. Das Heilmittel gegen Vampirismus. Sie hielt es tatsächlich in den Händen. „Danke.“ hauchte sie gerührt. „Ich halte nur mein Versprechen.“ „Nein… ich meine danke für… alles.“ brachte sie nur mühsam und schleppend über die Lippen. Sie glaubte ein kleines Lächeln aufblitzen zu sehen, aber die aufsteigenden Tränen nahmen ihr die Sicht. „Ich wünsche dir von Herzen alles Gute, Katerina.“ Eine kurze, fast schüchterne Umarmung, dann drehte er sich einfach um und ging.

Mit aller Kraft versuchte Kate an etwas anders zu denken, als daran dass sie ihn niemals wieder sehen würde. Nun kamen die Tränen. Sie versuchte gar nicht erst sie aufzuhalten, denn sie waren unaufhaltsam.

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