13. Kapitel

On the edge of the abyss

verfasst: 15.04.2018

Kate gelang es der Kreatur in letzter Sekunde in vampirischer Geschwindigkeit auszuweichen. Mit einem dumpfen Knall landete der Angreifer auf dem Boden, war aber mit einem blitzschnellen Satz wieder auf den Beinen und sperrte unter lautem Fauchen sein Maul auf. Das Mondlicht schien ihm direkt in sein Gesicht und obschon sie ihn vor einem halben Jahr zum letzten Mal gesehen hatte, erkannte sie ihn sofort. Er wirkte älter und reifer, aber diese Visage würde sie unter 1000 anderen jederzeit wiedererkennen! Sie stand da wie elektrisiert und schaute fassungslos in seine leuchtenden Augen.

„Elijah.“ hauchte sie ungläubig und alles kam wieder hoch. Sein Überfall, ihre Verwandlung, der Angriff auf Lucas,  Forgotten Hollow, ihre erste Begegnung mit… Eine heftige Sehnsucht packte sie. Ein erdrückender Schmerz fuhr durch ihren leidenden Körper und machte sie für ein paar Sekunden ganz benommen. Verdammt nochmal, sie wollte ihn doch vergessen, wollte ihn aus ihrem Kopf verbannen! Die Gefühle die sie in den letzten Wochen versucht hatte zu verdrängen, prasselten nun wie Hagelschauer auf sie herab. Es dauerte eine Weile bis sie sich wieder fing. Elijah schien sie nicht wiederzuerkennen und das machte sie sauer. Kate ballte die Fäuste so fest, dass ihre Nägel schmerzhaft in ihre Haut stachen. „Ist dir eigentlich klar was du angerichtet hast!?“ schrie sie den verdutzten Blonden in einer plötzlichen Wut an, aber eher dieser etwas entgegnen konnte, ertönten Schritte und eine Stimme aus dem Unterholz: „Warum zur Hölle kannst du nicht auf mich war…“

Es war Elijahs Kumpeline Hannah. Anders als ihr Erschaffer, erkannte diese Kate direkt wieder und begrüsste sie freudig. Allmählich dämmerte es auch Elijah wer die Brünette, die er vorhin noch für seinen Mitternachtssnack hielt, war. Genervt verdrehte er die Augen. Die Heulsuse hatte ihm gerade noch gefehlt! „Fängst du jetzt wieder an rumzuheulen weil ich dich verwandelt habe?“ spottete er: “So kacke kanns ja nicht sein, oder warum bist du immer noch n‘ Vampir? Ihr habt doch das verdammte Heilmittel?“„Es gibt nur eine Dosis.“ knurrte Kate. „Und die ist für dich bestimmt!“ Ihr Schöpfer lachte auf: „Ich bin jetzt n’ Grossmeistervampir! Bin ich ja mal gespannt wie Caleb das anstellen will mich zu heilen!“

Kates Herz zog sich zusammen. Wie konnte es dieser Bastard bloss wagen seinen Namen auszusprechen? Wie konnte er es überhaupt wagen hier aufzutauchen und sie völlig aus der Bahn zu werfen? „Was treibt ihr hier?“ fragte sie und schaute beide anklagend an. „Urlaub.“ antwortete die junge Vampirin mit dem silbernen Haar. „Windenburg ist sowas von öde.“„Han!“ fuhr Elijah sie gleich an und gab ihr mit Handzeichen zu verstehen, dass sie gefälligst die Klappe halten soll. Er ging natürlich immer noch davon aus, dass niemand wusste wo Hannah und er sich aufhielten. „Ja genau wir machen Urlaub.“ räusperte er sich. „Aber gerade sind wir auf der… Jagd.“ Das letzte Wort betonte er auffallend merkwürdig und hob plötzlich die Nase in die Luft. „Ich rieche Sims… ganz in der Nähe.“ Die Brünette musste schlucken. Auch sie konnte den verlockenden Geruch von Lucas und den anderen bis hierhin riechen. Im gleichen Atemzug kam ihr Sams’s Pfahl in den Sinn und der Knoblauch. Seine Bemerkung über Vampire. Lucas Geschichte über die rätselhaften Tierangriffe in… Moment…

„Wart ihr das etwa in Windenburg?“ fragte Kate, obschon es keinen Zweifel gab. „Wie… Wie…konntet ihr nur?!“ stotterte sie erschrocken. „Oh mein Gott die armen Sims! Ihr… Ihr verstösst gegen die Regeln!“„Chillax!“ lachte der Blondschopf mit den roten Augen dreckig; „Bist du etwa unter die Vampirpolizei gegangen?“ Er gab Han ein Zeichen zum Aufbruch. „War nett mit dir zu plaudern Süsse, aber wir haben noch was vor.“

Doch Kate stellte sich ihm in den Weg: „Oh nein! Die Sims dort sind meine Freunde, ich lasse nicht zu dass du ihnen was tut!“

Der Blonde hatte für sie nur ein müdes Lächeln übrig und wollte an ihr vorbei, aber sie hielt ihn auf: „Einer von ihnen hat das Inventar voller Knoblauch und einen Holzpflock!“ Einen Augenblick guckte er ziemlich dumm aus der Wäsche, bevor er wieder sein gewohntes Grinsen zustande brachte. „Uuuhhh ich scheiss mir gleich in die Hosen!“ Da er sie offensichtlich nicht ernst nahm, wechselte sie zu ihrer dunklen Form, fauchte und schaute finster drein.

Elijah betrachtete sie nun mit einem lüsternen Blick: „Verdammt siehst du scharf aus!“ Zur Krönung pfiff er durch die Zähne. Kate holte aus, wollte ihm, bevor sie überhaupt wusste was sie tat, eine Ohrfeige verpassen. Doch er war schneller und wehrte ihre Hand mit einem lauten Gelächter ab: „Ne Zicke bist du also auch!“ Zorn durchfuhr sie, so heftig dass sie zu beben begann. Sie riss ihr Maul auf,  zeigte ihre langen Fangzähne und ihre Augen blitzten angriffslustig. Elijah verstand das sofort als eine Aufforderung zum Kampf!

Kate scherte sich einen Dreck darum ob sie stark genug war es mit ihm aufzunehmen. Sie wurde von blinder Wut getrieben und hatte nur einen Gedanken: Er sollte für alles büssen was er ihr, Lucas, seiner Familie, Hannah und all den Sims die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, angetan hatte. Aber vor allem wollte sie endlich das dämliche Grinsen von seiner Fresse polieren. Da erkannte Hannah den Ernst der Lage und schob sich geschickt zwischen die beiden Vampire, bevor die Situation eskalierte.

„Geh aus dem Weg, Blondie!“ brüllte Elijah und krempelte die Ärmel hoch. Doch Hannah dachte nicht daran: „Hast du nicht gehört, der eine Sim hat nen HOLZPFLOCK dabei, meinst du ich hab Lust mich heute Nacht erdolchen zu lassen?!“ Ein widerliches Lachen ertönte aus seinem Mund: „Pha. Der soll ruhig kommen! Ich werde ihm den Pfahl in den Arsch schieben!“ Hannah stellte sich neben Kate und legte ihr den Arm um die Schulter: „Wir haben abgemacht dass wir Freunden und Freunden von Freunden nichts tun.“„Die Tussi ist nicht meine Freundin!“„Aber meine! Ausserdem geht in wenigen Stunden die Sonne auf.“„Na und?! Die scheiss Sonne kann mir gar nix! Ich bin immun, schon vergessen?!“„Ja aber ich nicht, schon vergessen?!“

Die beiden jungen Vampire warfen einander noch ein paar vernichtende Blicke zu, während Kate nur darauf wartete endlich zuschlagen zu können. Aber es sollte nicht soweit kommen, denn Elijah lenkte schliesslich ein und die beiden Blonden verschwanden als Fledermäuse getarnt wieder im Busch. Die Zähne aufeinander gepresst, die Fäuste geballt und zitternd vor Wut, stand Kate noch eine ganze Weile da. Dann sackte ihr Körper zusammen. Sie fiel hart auf die Knie und kippte zur Seite. Ihr Mund war komplett ausgetrocknet, der Durst schmerzte in ihrer Kehle. Aber es war ihr Herz das sie fast umbrachte, denn ihre Gedanken kreisten um… ihn. Es tat so weh und Kate wollte dass es aufhört, aber es hörte nicht auf. Sie hatte keine Ahnung wie lange sie da gekauert hatte. Ob sie geweint hatte, oder ob sie das Bewusstsein verloren hatte.

Dann hörte sie wie durch Watte wie jemand ihren Namen sagte. Als sie die Augen öffnete, erkannte sie ein Paar Stiefel vor sich. Stöhnend kämpfte sie sich auf die Beine. Ihr war furchtbar schwindelig und sie brauchte einen Moment bis sie wieder klar sehen konnte. Allmählich erkannte sie Mirandas leichenblasses Gesicht vor sich.

Doch Kates Blick wanderte langsam hinunter auf ihren Nacken. Sie hörte ihren schlagenden Puls und das rauschende Plasma. Miranda, unfähig sich zu rühren, wollte bei Kates furchteinflössendem Anblick schreien, aber der Schrei blieb in ihrem Hals stecken.

„I-ich wusste dass mit d-dir was nicht stimmt…“ stammelte sie als sie endlich ihre Stimme wiederfand. Nur mühsam konnte Kate ihren Blick von Mirandas Nacken lösen. Aber dann schaute sie ihr in die Augen und wollte etwas sagen, doch kaum hatte sie den Mund geöffnet, machte die Simin auf dem Absatz kehrt und rannte als wäre der Teufel hinter ihr her.

‚Der Pfahl!‘ Schoss es Kate durch den Kopf! Sam wird sie pfählen! Die Vampirin holte in übernatürlichem Tempo auf, was die rothaarige beinahe zu Tode erschreckte.

Auf ihrer Stirn hatten sich Schweissperlen gebildet und sie wurde total panisch, als Kate sie zu beruhigen versuchte. „Nein! Komm mir nicht zu nahe!“ schrie sie hysterisch.

Plötzlich zückte sie den Holfzpflock! Kates Augen weiteten sich und sie ging vampirisch auf Abstand: „Bitte…“ murmelte sie. „Leg… leg den Pfahl weg…“ Miranda fuchtelte damit hecktisch durch die Luft. „Damit du uns dasselbe antun kannst, wie den Sims in Windenburg?!“

„Nein, das war nicht ich.“ –  „Natürlich warst du das, du Monster!“ Kates Blick hing wie hypnotisiert am Holzpflock welcher Miranda nun mit zittrigen Händen auf sie gerichtet hatte. „Nein Miranda, ich würde euch niemals etwas tun!“„Ich glaub dir kein Wort!“

Vorsichtig machte die Simin einen Schritt rückwärts, liess Kate aber keine Sekunde aus den Augen. „Ich geh jetzt zu den anderen und du rührst dich nicht von der Stelle!“ Da stolperte sie ungeschickt über eine Ranke und fiel rücklings zu Boden. Ihr Kopf schlug dabei gegen einen Stein und sie sah kurzzeitig Sterne tanzen.

Kate eilte zu ihr, wollte ihr helfen, aber Miranda fing an zu kreischen und zwar so schrill, dass es Kate beinahe das Trommelfell zeriss. Dann sauste plötzlich der Pfahl ganz knapp an ihrem Gesicht vorbei und sie wich erschrocken zurück. Mit hämmerndem Kopf rappelte sich die Rothaarige auf.

Vorsichtig fasste sie sich an den Hinterkopf und berührte eine klaffende Wunde. Kate konnte sich nun nicht mehr zusammenreissen…

Die Gier nach Plasma überkam sie unbändig.

Sie wollte nur noch ihren peinigenden Durst stillen.

Ein letzter Schrei ertönte noch, dann rammte die Vampirin ihre spitzen Eckzähne in Mirandas Hals.

Schlaff ging ihr Körper zu Boden.

Die glasigen Augen schienen Kate geradewegs anzustarren und wie zwei Dolche zu durchbohren. Nur ganz langsam wurde ihr bewusst dass alles Leben aus Mirandas Körper gewichen war. Ein kurzer, spitzer Schrei entrang ihrer Kehle und sie hielt sich die Hände vor den Mund der nur so von Plasma triefte. Mirandas Plasma. Sie spürte wie sie plötzlich am ganzen Leib anfing zu zittern. Ihre Knie wurden weich und ihr Magen rebellierte. Sie wandte sich, taumelte zum nächten Busch und übergab sich. Dann begann sie zu weinen und schluchzen und mit diesem Schluchzen kam der Ekel vor sich selbst. Wie konnte das nur passieren, sie war doch ein guter Vampir?

Und dann rannte sie. So schnell sie konnte. Ohne Ziel. Sie wollte einfach nur vampirisch schnell rennen. Der Tatsache entfliehen, dass sie gerade eine Simin getötet hatte. Kaltblütig ausgesaugt, bist auf den letzten Tropfen! Verschwommen zog der dunkle Dschungel an ihr vorbei. Kate wusste nicht wie lange sie schon gerannt war. Bestimmt schon einmal um die ganze Insel. Irgendwann kam sie atemlos zum stehen.

Der heilige Tempel bäumte sich neben ihr auf und ein unangenehmer, ihr bekannter Druck bereitete sich auf ihrer Brust aus. Ein plötzlicher, heftiger Wind kam auf und fegte durch die exotischen Bäume. Diese Insel war verflucht. Nein… Sie war es die verflucht war. Wieder rannte sie los.

Sie kam zu der Stelle, wo sie Miranda das Leben genommen hatte. Aber von der Leiche war nichts zu sehen. Verzweifelt klammerte sie sich kurz an die unscheinbare Hoffnung, dass die Simin überlebt haben könnte. „Nein. Du hast sie umgebracht!“ sagte sie zu sich selbst und erkannte ihre eigene Stimme kaum wieder. Die Schuldgefühle zerfetzten sie beinahe und trieben sie bis an den Rand der Klippe.

Die Klippe, von der sie vor ein paar Stunden noch die schöne Aussicht bewundert hatte. Schaudernd schaute sie über den Felsvorsprung. Warum sollte sie nicht einfach auch sterben? Aber konnte ein unsterbliches Wesen überhaupt sterben indem es sich in einen Abgrund stürzte? Sie konnte nur hoffen, dass sie fest genug gegen die schroffen, spitzen Felsen prallte und ihr Körper daran zerschmetterte. Und wenn sie dadurch noch nicht tot war, würden die Krokodile den Rest erledigen.

Was hatte es jetzt noch einen Sinn weiterzuleben? „Caleb.“ Seinen Namen auszusprechen tat entsetzlich weh. Wenn er nur da wäre. Er würde versuchen sie zu retten. Er würde nicht zulassen dass sie sich umbringen würde. Ohne es zu merken trat ein Lächeln in ihr Gesicht. Er würde sie beruhigen, ihr sagen dass alles gar nicht so schlimm war und sich sehr bald wieder dem Guten wenden würde. Aber er war nicht da. Warum war er nicht da? Warum hatte er sie alleine gelassen? Im Stich gelassen?

Zitternd schlang Kate die Arme um ihren Oberkörper. Sie erinnerte sich an die bösen Vampire auf Vladislaus Strauds Party. Caleb hasste sie so sehr. Als abscheuliche Missgeburten hatte er sie betitelt. Skrupellose Bestien die nur am Plasma wehrloser Sims interessiert sind. Er hatte sie gelernt ein guter Vampir zu sein und ihr wurde nun klar dass er ihr diese Tat niemals verzeihen würde. Nein, er wäre masslos über sie enttäuscht! Der Gedanke daran ihn zu enttäuschen, brach ihr das Herz. Vermutlich würde er sie sogar von der Klippe stossen. Sie war ebenso ein grausames Monster und verdiente es nicht weiter zu leben. Sie hatte überhaupt kein Recht dazu!

Kate blickte in den Himmel, wie unfassbar gross und nah der Mond heute war. Und wie wunderschön.

Bald würde es hell werden. Wieder eine Nacht ohne Schlaf. Sie wusste gar nicht wann sie das letzte Mal richtig geruht hatte. Aber was spielte das jetzt noch für eine Rolle…

Ein Schritt… Nur ein Schritt genügte um all den Qualen ein Ende zu setzen.

weiterlesen… Day after day, it’s slowly fading away

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