9. Kapitel

The Fiancé

verfasst: 05.01.2018

Schweigend begaben sich Kate und ihr Verlobter zu einer Bank in der Nähe der Karaoke Bar. Kate fürchtete sich vor dem was ihr bevorstand: Lucas wollte Antworten, Erklärungen. Bilder von der Nacht in der Elijah bei ihnen ins Haus in Oasis Springs eingebrochen war, zogen ihr flackernd durch den Kopf, wie ein alter, längst vergessener Film. Lucas hatte er damals nur zu einem Trank genötigt, aber Kate wurde gezwungen von seinem Plasma zu trinken, damit sie zu dem wurde, was er war. Zu einem verdammten Vampir! Dann erinnerte sie sich nur noch, wie sie eines Tages über Lucas hergefallen war, wie ein Raubtier. Gleich darauf hatte sie das Haus verlassen, Hals über Kopf.

Katerina und Lucas hatten sich vor etwas mehr als einem Jahr kennen gelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie erinnerte sich an die vielen Verabredungen als wären sie erst gestern gewesen: Sie fühlte förmlich die Hitze des Wüstenblütenparks, als die beiden sich in den Armen lagen und er ihr kokette Wort ins Ohr säuselte. Sie hörte das Meeresrauschen und spürte den salzigen Wind der ihr ins Gesicht blies und an ihren Haaren zerrte, als sie am Strand romantische Spaziergänge im Mondlicht unternahmen. Sie liebte seinen Humor und seine Abenteuerlust. Er schaffte es sie immer wieder zu überraschen. So auch an einem heissen Sommertag an den Klippen, als er ihr spontan wie er war, einen Antrag machte.

„Also Katy, wo hast du gesteckt? Was ist passiert?“ Ihr Verlobter sah sie gespannt an und Kate hatte das Gefühl als wäre er um Jahre gealtert. Sie holte tief Luft, wusste überhaupt nicht womit sie beginnen sollte…

Caleb sass währenddessen an der Bar bei einem Drink und ärgerte sich darüber, dass er seinen Plan Elijah zu heilen, heute wohl vergessen konnte. Während er das Glas in seiner Hand musterte, liess er die letzten Stunden Revue passieren und fragte sich, ob das eben überhaupt wirklich passiert war. Er fühlte sich nämlich als sei er in einen falschen Film geraten. „Eine Simin?“ Hörte er plötzlich seinen Sitznachbarn fragen. „Wie bitte?“ Der bärtige Sim wies zwinkernd auf den Drink in seiner Hand. „Simin oder Job?“ Auch der Barsim, der seit Minuten dasselbe Glas trocknete, riskierte nun einen verstohlenen Blick. „Weder noch.“ raunte Caleb und leerte in einem Zug das Glas. „Ein Sim also.“ Caleb hustete, hätte sich beinahe verschluckt. „Vampire.“ antwortete er schlagfertig und verliess in übernatürlichem Tempo das Lokal. Die beiden Sims tauschten ungläubige Blicke aus .

„Lucas?“ Kate hatte versucht ihrem Verlobten alles so verständlich und einfach wie nur möglich zu erklären. Entsetzen war gar kein Ausdruck, was sich da in seinem Gesicht ausbreitete. Er hielt Kates Hand fest umklammert. Sie sah ihn besorgt an, versuchte sich vorzustellen was ihn ihm vorgehen musste. Plötzlich lachte er. Das alles war so absurd dass er darüber lachen musste! „Ich war bei der Polizei. Ich hab denen gesagt du wärst vermutlich entführt worden – von Aliens!“ Er hielt sich die Hand vor den Mund, konnte den nächsten Lachanfall aber nicht zurückhalten. „Die wollten mich schon für verrückt erklären!“ Nun kamen ihm sogar die Tränen. Ob es Lachtränen waren oder richtige Tränen? Kate wusste es nicht. „Ihre Gesichter würde ich gerne sehen, wenn ich denen erzählen würde du wärst ein Vampir!“ Tröstend streichelte sie seinen dünnen Unterarm und endlich schien er sich wieder zu beruhigen. Er wischte sich die Tränen aus den Augen und seufzte: „Ganz egal ob Vampir oder sonst was…“ Sein Versuch zu lächeln misslang, es blieb bei einer traurigen Grimasse. „…Ich bin froh dich wieder zu haben Katy… Komm her!“ Liebevoll nahm er sie in den Arm.

„Ich unterbreche eure Unterhaltung nur sehr ungern…“ wirklich glücklich sah Caleb tatsächlich nicht aus, als er vor den beiden stand. „…aber es ist kurz vor Sonnenaufgang. Du solltest jetzt mitkommen, Katerina.“ Kate löste sich rasch aus den Armen ihres Verlobten und schaute erschrocken zu Caleb auf. Hinter ihm, zwischen den Wolkenkratzern, wurde der Himmel langsam hell.

„Den Teufel wird sie tun!“ Lucas sprang von der Bank. „Was glaubst du eigentlich wer du bist?!“ Er baute sich vor dem Grossmeistervampir auf, versuchte einschüchternd zu wirken. „Lucas, ist schon gut!“ Kate erhob sich ebenfalls. „Er hat Recht. Ich vertrage die Sonne nicht.“ Sie zwinkerte Scherzhaft: „Ist eine vampirische Nebenwirkung.“ Doch Lucas war gar nicht nach Scherzen zumute: „Gerade habe ich dich wiedergefunden! Ich lass dich jetzt nicht gehen!“ Seine Stimme hörte sich weinerlich an und es schien als verfluche er sich selbst dafür. Abermals versuchte sie ihn zu besänftigen. Erst als sie ihm versprach, dass sie sich bald wiedersehen würden, beruhigte er sich allmählich. „Warte!“ er fing an in seinem Inventar zu wühlen und reichte ihr plötzlich ihr Handy. „Du hast es vergessen in der Nacht in der du… gegangen bist.“ Kate nahm es mit einem leisen „Danke.“ entgegen. Ihr Verlobter wollte sie zum Abschied küssen, aber Kate wandte in letzter Sekunde ihren Kopf, so dass seine Lippen stattdessen ihre Haare streiften. Seine Verwirrung war nur von kurzer Dauer, denn sie wich schierem Erstaunen, als die beiden Vampire sich in Fledermäuse verwandelten und zum Himmel empor flatterten.

In Forgotten Hollow angekommen, musste Kate erst mal durchatmen. Die letzten 48 Stunden waren absolut verrückt gewesen! Erst riskierte sie ihr unsterbliches Leben an einem der wohl unheimlichsten Orte dieser Welt, um an ein lang ersehntes Heilmittel gegen Vampirismus zu gelangen, auf welches sie dann verzichtete – freiwillig! Dann küsste sie Caleb – einfach so! Und kurz darauf tauchte ihr Verlobter auf – nach 6 Monaten! Der Kuss. Oh mein Gott der Kuss! Ein wohliges Kribbeln durchfuhr ihren Körper. Der Kuss war unglaublich gewesen. Einen Moment lang glaubte sie, wieder seine Lippen auf ihrem Mund zu spüren. Seine Wärme, seine sanften Berührungen. Doch mit einem Schlag holte sie die Realität zurück. Wie unerwartet schnell er sich von ihr gelöst hatte?! Wie überrascht, ja schon fast empört er sie angesehen hatte?! Dann erschien ihr Lucas‘ Gesicht blitzartig vor ihrem inneren Auge und ihr Herz verkrampfte sich. Was hatte sie sich nur dabei gedacht Caleb zu küssen?! „Geht es dir gut?“ fragte dieser als er ihren verstörten Gesichtsausdruck bemerkte. „Ja!“ sie hoffte dass sie überzeugend genug klang, als sein kritischer Blick auf ihr lag.

„Was ist jetzt mit Elijah?“ lenkte sie schnell ab. „Ich werde ihn morgen früh erledigen.“ Während Kate sich bettfertig machte, steuerte Caleb auf die Bar zu. Alles in ihm verlangte noch nach einem Drink. Kein Sim konnte ihm das jetzt verübeln. Das würde auch der letzte sein, schliesslich fing in wenigen Stunden seine Schicht im Krankenhaus an. Er kippte den Inhalt hinunter, aber musste sich danach beinahe übergeben. Das war nicht sein Lieblingsdrink, das Zeug schmeckte scheusslich! Im nächsten Moment fühlte er sich komisch, irgendwie völlig kraftlos. Er musste sich sogar kurz an der Bar stützen. Verdammt, das war wohl doch ein Drink zu viel. Seine Vampirschnelligkeit war nicht verfügbar, er kam nur torkelnd die Treppen hoch. Kaum hatte er sich ins Bett gelegt, fiel er in einen Komaähnlichen Schlaf. Als etwas später das Läuten des Weckers ertönte, war es immer noch Taghell. Caleb konnte sich weder übernatürlich schnell bewegen, noch von seiner Bat-Form Gebrauch machen. Aber er hatte keine Zeit sich darüber den Kopf zu zerbrechen, die Arbeit rief!

Doch kaum hatte er das Haus verlassen, fing er direkt Feuer! Gelähmt vor Schreck, starrte er einige Sekunden seine brennende Hand an, eher der aufkommende Schmerz ihn zurück ins Haus trieb. Beinahe wäre er mit Kate zusammengestossen. „Oh mein Gott!“ stiess diese erschrocken hervor. „Hast du etwa gebrannt?!“„Irgendetwas stimmt mit meinen Kräften nicht!“ antwortete er ausser Atem und überlegte fieberhaft was passiert sein könnte. Plötzlich fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: „Der Drink!“ „Welcher Drink?“ Ohne ihr zu antworten, hastete er in die Küche. Sie beobachtete wie er hektisch jede einzelne Flasche hinter der Bar überprüfte und dabei irgendwas von „Kein gewöhnlicher Drink.“ murmelte. Endlich schien er gefunden zu haben, wonach er suchte. Sein ohnehin schon blasses Gesicht, wurde noch weisser. „Caleb, was ist los?!“ Mit zittriger Hand streckte er ihr eine Flasche unter die Nase. Auf dem Etikett war ein kleines E von Hand gekritzelt und daneben ein Teufelssmiley mit Vampirzähnen.

Ein tiefer Seufzer entkam ihrer Kehle. Selbst wenn Elijah nicht anwesend war, schaffte er es einem das Leben schwer zu machen. Caleb hatte sich einen Sonnenwende Cocktail gemixt und wartete bis die Wirkung einsetzte. Er würde zu spät ins Krankenhaus kommen. Aber das war egal. Egal war auch dass er nun nicht mehr in der Lage war seinen Neffen zu heilen. Einfach alles war egal…

Vollkommen zusammengesunken sass er da, wirkte gebrochen. So hatte Kate ihn noch nie erlebt. Sie wollte nichts lieber als ihn in den Arm nehmen und trösten, aber sie traute sich nicht. Nicht nachdem sie ihn gestern einfach so mit einem Kuss überrumpelt hatte. „Es tut mir so leid…“ sprach sie leise. „Dass ich gestern den Abend versaut habe.“ Er schaute sie an, schüttelte den Kopf. „Das hast du nicht. Der Abend war schön.“ Seine Worte klangen ehrlich. Kate lächelte, wenn auch etwas gequält: „Ich möchte mich auch für Lucas entschuldigen, normalerweise ist er nicht so… so unhöflich.“ Caleb nickte wissend. „Er will dich beschützten.“ Ihr Blick verfing sich wieder mal in seinen Augen. Seine grauen aber traurigen Augen. Ein sanftes Leuchten umgab ihn kurz, durch den Sonnenwende Cocktail.

Kate zuckte zusammen, als ihr Handy klingelte. Sie brauchte nicht zu erwähnen wer anrief, ihr Gesichtsausdruck verriet es. Während sie noch unschlüssig auf das Display starrte, stand Caleb auf und verliess das Haus. „Sul, Lucas.“ meldete sich die Brünette erst nach einer halben Ewigkeit. Lange konnte sie sich mit ihrem Verlobten allerdings nicht unterhalten, da plötzlich die Furie herein preschte. Ohne mit der Wimper zu zucken entriss Lilith, Kate das Gerät vom Ohr und warf es mit einer lässigen Bewegung hinter sich zu Boden. Dann beuge sie sich zu Kate hinunter, roch an ihrem Hals und fuhr alarmiert wieder hoch.

„Warum bist du immer noch ein dämlicher Vampir?!“ fragte sie schroff und sah Kate abwartend an. Diese war noch so entsetzt, dass sie erst keinen Ton rausbrachte. „Es… Es hat nur für einen Heiltrank gereicht.“ Die Vampirin riss die Augen auf. „Du willst mich doch verarschen?!“ „Nein Ms Vatore.“ Kate stand auf und lief zum Kühlschrank. Sie öffnete ihn und wies auf den Vampirheiltrank. „Wir wollten ihn für Ihren Sohn aufheben.“ Lil stürmte auf den Kühlkasten zu, um selbst einen Blick rein zu werfen.

„Verdammter Mist!“ fluchte sie und dachte kurz darüber nach, die stinkende Brühe diesem Weibsstück eigenhändig in den Rachen zu schütten. Aber ihr nerviger Bruder würde sie dafür garantiert umbringen. Wütend warf sie die Kühlschranktüre zu. „Ihr Sohn hat Caleb übrigens heimlich einen Trank der Neuordnung untergejubelt.“ sagte Kate in einem dramatischen Tonfall. Doch Lil schaute sie an, als verstünde sie plötzlich kein Simlisch mehr: „Trank der was?!“ Kate stutzte. War sie nicht eine fast 180 jährige Grossmeistervampirin? Wie konnte sie nicht wissen was das ist?! „Trank der Neuordnung, damit Vampirkräfte zurückgesetzt werden. Steht im Vampirbuch, Band 3.“ erklärte sie und fügte gedanklich ‚wer ist jetzt ein dämlicher Vampir, hm?!‘ hinzu. Im ersten Moment schien Lilith tatsächlich fassungslos zu sein, doch schnell formten sich ihre knallrot geschminkten Lippen zu einem kleinen, zynischen Grinsen.

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